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BERATUNG: Frauen überschulden sich für den Partner

Welche Ehegattin verweigert ihrem Mann für einen Existenzgründungskredit schon die Bürgschaft? Dies blinde Vertrauen kann sie aber bös in die Schuldenfalle manövrieren.

Bei Tod, Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit des Lebenspartners wenden sich die Gläubiger dann nämlich an die Gattin. Frauen bleiben so nicht selten auf Schulden sitzen, die eigentlich von anderen gemacht wurden. Annette Schmedt von der Initiative für bürgschaftsgeschädigte Frauen (IBF) in Berlin kennt Betroffene aus allen Schichten. 92 Prozent der Klientinnen der IBF sind für ihre Ehemänner in die Überschuldung geraten. Bei den restlichen acht Prozent stehen Mütter für ihre Söhne gerade. Manche haben aus Überzeugung unterschrieben, auf andere wurde Druck ausgeübt.

Oft nicht aus eigener Kraft lösbar

»Meist bemerken die Frauen die finanzielle Misere erst, wenn eine Scheidung ansteht oder der Partner stirbt beziehungsweise krank wird und sie Einblick in die Geschäfte nehmen müssen«, so Schmedt. »Bei 100.000 Mark Schulden gehen wir davon aus, dass die Betroffene aus der Überschuldung kaum mehr aus eigener Kraft rauskommt.«

Jeder zweite Haushalt verschuldet

Überschuldete Haushalte können ihre laufenden Kosten und Zahlungsverpflichtungen auch nach Auflösung aller Reserven nicht mehr durch ihr Einkommen decken. Verschuldung bedeutet hingegen, dass zwar Schulden vorhanden sind, dass aber die Raten aus dem laufenden Einkommen getilgt werden können. Verschuldet ist in Deutschland jeder zweite Haushalt. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Kassel (BAG-SB) waren jedoch im Jahr 2000 mindestens 2,7 Millionen Haushalte überschuldet.

Frauen für Banken leicht greifbar

Auch die gemeinsamen Anschaffungen während der Ehe bleiben nach einer Trennung oft an den Ex-Gattinnen hängen. »Durch die Kinder sind die Frauen sesshafter«, erklärt Christel Höhn von der Caritas-Schuldnerberatung in München. »Sie müssen an einem Wohnort gemeldet sein, um Sozialbezüge beziehen zu können und die Kinder zur Schule zu schicken.« Während die geschiedenen Männer sich nicht selten rar machen, sind die Frauen dem Zugriff der Banken ausgeliefert.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Die meisten Schuldnerinnen, die den Weg zu einer Schuldnerberatung finden, sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. »Meistens ist das Kind aber schon den Brunnen gefallen, wenn sie kommen«, erzählt Claudia Kurzbuch von der BAG-SB. Es drohen bereits Pfändung oder Gerichtsvollzieher. Dabei können Schuldnerberatungen umso besser helfen, je früher man mit einer geplanten Entschuldung beginnt. Die Berater bringen Licht ins Dickicht der Forderungen. Sie klären die genaue Einkommenssituation und übernehmen auch Verhandlungen mit den Gläubigern.

Lange Wartelisten

Das Problem der 1.300 Schuldnerberatungen in Deutschland besteht vor allem darin, dass sie mehr als ausgelastet sind. »Für einen Termin muss man inzwischen schon drei bis vier Wochen warten«, bedauert Claudia Kurzbuch. »In manchen Regionen sind sogar Wartezeiten von bis zu neun Monaten die Regel.« Deswegen sei es wichtig, schon beim ersten Telefongespräch ehrlich zusagen, wie dringend die Situation ist. »Wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht, machen wir natürlich eine Krisenintervention.«

Informationen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V., Wilhelmstraße 11, 34117 Kassel (Tel.: 0561/77 10 93) hilft bei der Suche der passenden Schuldnerberatung vor Ort. Die Initiative für bürgschaftsgeschädigte Frauen (IBF), Bülowstraße 71/2, 10783 Berlin Tel.: 030/25 79 81 98 bietet gegen 3,07 Euro Portogebühr in Briefmarken eine Broschüre zum Thema Frauenschulden an.

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