Energie Künast soll gegen Strompreise einschreiten

Verbraucherschützer sprechen von einer "Plünderung der Verbraucher": Allein 2003 sollen die Versorger fünf Milliarden Euro zu viel kassiert haben, jetzt wollen sie die Strompreise nochmals erhöhen - ohne "plausible Erklärung".

Ein Einschreiten von Verbraucherministerin Renate Künast haben Verbraucherverbände gefordert, weil ihrer Ansicht nach die Strompreise ungerechtfertigt sind. Die Grünen-Politikerin habe die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Entwicklung, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Edda Müller, am Dienstag in Berlin. Haushalte und Industrie in Deutschland zahlten europaweit die höchsten Preise.

"Plünderung der Verbraucher"

Bisher äußerte sich die für Verbraucherschutz zuständige Ministerin nach Worten Müllers weder zur Entwicklung der Strompreise noch zur Schaffung einer wirksamen Wettbewerbsbehörde. Der Chef des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, sprach von einer "Plünderung der Verbraucher". Den Angaben zufolge zahlen Haushalte im laufenden Jahr fünf Milliarden Euro zu viel für Strom. Die meisten Stromversorger wollten 2004 die Preise um weitere fünf bis zehn Prozent erhöhen, was weiteren fünf Milliarden Euro entspreche. Bereits im laufenden Jahr seien die Preise um fünf Prozent gestiegen, ohne dass es dafür eine "plausible Erklärung" gegeben habe.

Versorger verdienten genug

Die Gewinne von e.on stiegen nach Angaben von Peters im laufenden Jahr um 33 Prozent, die von RWE um 25 Prozent. Auch die meisten Stadtwerke und Regionalversorger hätten gut verdient. Überhöhte Strompreise zeigten sich beispielsweise an den Netznutzungsentgelten, die mit bis zu 6,8 Cent je Kilowattstunde um die Hälfte zu hoch seien, hieß es weiter. Dies allein summiere sich bei einem Durchschnittshaushalt auf Mehrkosten von 105 Euro jährlich.

Begründung für Preissteigerung "abwegig"

Der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Johannes Lackmann, sagte, die Stromwirtschaft habe mit 0,42 Cent pro Kilowattstunde für den Stromanteil aus erneuerbaren Energien um etwa 25 Prozent zu viel kassiert. Dies zeigten die Jahresabschlussrechnungen. "Dass e.on, RWE und andere jetzt behaupten, sie müssten wegen einer steigenden Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage die Strompreise erhöhen, ist völlig abwegig." Senkungen um rund 25 Prozent seien möglich, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, erklärte Henning Borchers, Geschäftsführer des Bundes Neuer Energieanbieter.

6,56 Cent Gewinn laut Modellrechnung

Nach einer Modellrechnung der Verbraucherverbände entfallen bei einem Strompreis von gut über 18 Cent pro Kilowattstunde im laufenden Jahr nur 3,03 Cent auf den eigentlichen Strombezug. Sechs Cent betrage das Netzentgelt. 1,1 Cent müssten für Messkosten, ein Cent für den Vertrieb und weitere 0,42 Cent für die Abgabe nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgewendet werden. Hinzu kämen 1,99 Cent Konzessionsabgabe, 0,31 Cent Abgabe nach dem Kraft-Wärme-Koppelungs-Gesetz, 2,05 Cent Stromsteuer sowie 2,54 Cent Umsatzsteuer.

DPA

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