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Finanzplätze: US-Investmentfonds-Branche nach Skandalen im Aufruhr

Die amerikanische Investmentfondsbranche ist nach einer Serie von Skandalen, unzulässigen Handelspraktiken zu Lasten kleiner Anteilseigner und Untersuchungen bei großen Investmentfonds-Firmen und Hedge-Fonds in Aufruhr.

Unzulässige Handelspraktiken zu Lasten von Kleinaktionären, Untersucheungen seitens der Börsenaufsicht und andere Skandale: Bei den großen Investmentfonds der USA stehen die Zeichen auf Sturm. Dazu ist noch ein offener Disput zwischen dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und der Aufsichtsbehörde SEC gekommen. Spitzer wirft der SEC vor, sie habe Hinweise über unzulässige Handelspraktiken missachtet. Kritiker Spitzers behaupten, er wolle aus seinen Untersuchungen politisches Kapital schlagen.

95 Millionen Amerikaner betroffen

Bei den Investmentfonds-Skandalen geht es für 95 Millionen Amerikaner, die Investmentfondsanteile direkt oder über ihre Pensionskassen halten, um eine Säuberung und bessere Beaufsichtigung der rund 6.000 Investmentfonds. Sie kontrollieren insgesamt sieben Billionen Dollar Anlegergelder. Die Hälfte aller US-Familien hat Investmentfondsanteile für Spar- und Anlagezwecke und die finanzielle Ruhestands-Absicherung.

SEC plant neue Aufsichtsregeln

Die SEC, Spitzer und die Investmentfonds-Branche wollen mit neuen Aufsichtsregeln und Handelsvorschriften den Missbräuchen Einhalt gebieten und das Vertrauen der Anleger wieder herstellen.

'Später Handel' ist strittig

Spitzer hatte vor zwei Monaten als erster unzulässige Investmentfonds-Handelspraktiken angeprangert und Untersuchungen eingeleitet. Es geht um den so genannten "späten Handel" mit Investmentfondsanteilen, nachdem die Fonds-Tageskurse um 16.00 Uhr New Yorker Zeit festgelegt werden. Händler und Hedge-Fonds profitierten vom späten Handel, da sie später verfügbare, kursbeeinflussende Informationen nutzen konnten. Die normalen Anleger konnten erst einen Tag später darauf reagieren. Hierdurch wurden die langfristigen Investmentfonds-Investoren laut Spitzer erheblich geschädigt.

Auch 'Markte Timing' unter der Lupe

Das gleiche gilt für das so genannten "Market Timing", einen rasanten Handel mit Investmentfondsanteilen, der ganz geringe Kursveränderungen ausnutzt. Diese Praxis ist zwar in vielen Fällen nicht verboten. Zahlreiche Investmentfonds hatten jedoch in ihren offiziellen Unterlagen an die Investmentfonds-Anleger mitgeteilt, dass sie diese Praxis untersagen, während sie sie doch anwendeten.

SEC ermittelt

Inzwischen laufen Untersuchungen der US-Bundesstaaten New York und Massachusetts sowie der SEC gegen zahlreiche Investment- und Hedge-Fonds. Dabei soll herausgefunden werden, ob sie Fonds-Anteile zu Sonderkonditionen handeln durften.

Zivilrechtliche Betrugsvorwürfe

Spitzer hatte festgestellt, dass der Hedge-Fonds Canary Capital Management solche Sonderkonditionen von Investmentfonds der Bank of America erhalten hatte. Die SEC und Massachusetts haben zivilrechtliche Betrugsvorwürfe gegen die große Investmentfonds-Firma Putnam Investments gemacht. Die Ordnungshüter haben auch zwei Putnam-Managern vorgeworfen, sie hätten angeblich von Market-Timing-Transaktionen profitiert. Putnam hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Spitzer warf Richard Strong, dem Chef der großen Investmentfonds-Firma Strong Financial Corporation vor, er habe unangemessenen kurzfristigen Handel in Fonds seines eigenen Unternehmens durchgeführt und mehrere hunderttausend Dollar zu Lasten der Anteilseigner eingesteckt. Die Gesellschaft kündigte an, dass Strong die Fonds für finanzielle Verluste entschädigen wolle.

Peter Bauer / DPA