HOME

US-Abgeordnete: Wegen Dreierbeziehung, Mitarbeiter-Affäre oder ihres Mannes? Der schnelle und tiefe Fall der Katie Hill

Seitensprünge sind für US-Politiker oft das politische Todesurteil. Das gilt auch für Katie Hill. Sie muss wegen einer angeblichen Affäre zurücktreten - allerdings nicht wegen einer bisexuellen Dreiecksgeschichte. Steckt dahinter ihr Noch-Gatte?

Katie Hill Wahlabend

Ein Bild aus besseren Tagen: Die frischgewählte Katie Hill mit einem Unterstützer am Wahlabend im November 2018

AFP

Von John F. Kennedy heißt es, er habe zwanghaft Frauen ins Bett kriegen wollen. Jeden Tag soll er Sex gehabt haben mit Filmstars, mit Sekretärinnen, natürlich auch mit seiner Gattin. Bill Clinton war wegen seines Drangs nur knapp einem Amtsenthebungsverfahren entgangen. Und Eliot Spitzer, einstiger Gouverneur von New York, demütigte seine Frau auf einer Pressekonferenz mit Geständnissen von Seitensprüngen so sehr, dass Hollywood daraus die Serie "The Good Wife" machte. Sich als Politiker in den USA in (außereheliche) Liebesräuschen zu verlieren, ist also keine gute Idee. Das gilt auch für Frauen, wie der Fall der Demokratin Katie Hill zeigt.

Katie Hill war ein Star der Demokraten

Katie Hill, 32 Jahre alt, Kalifornierin, hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Ihr Vater war Polizist, die Mutter Krankenschwester. Sie selbst wurde Verwaltungswissenschaftlerin, sitzt seit knapp einem Jahr für ihren Bundesstaat im US-Abgeordnetenhaus – diese Vita brachte ihr den Status einer Hoffnungsträgerin der oppositionellen Demokraten ein. Das heißt: So war es bis vor ein paar Tagen, nun zwang eine Affäre sie zum Rücktritt. Und zwar nicht wegen der Affäre, die sie zusammen mit ihrem Mann und einer Mitarbeiterin aus Wahlkampfzeiten hatte. Nein, es geht um ein angebliches Tête-à-Tête mit ihrem Kongressmitarbeiter Graham Kelly. Sex mit Untergebenen sehen die Kongressregeln seit der #MeToo-Debatte nicht mehr vor.

Ins Rollen gekommen war die Angelegenheit, nachdem sich die konservative Nachrichtenseite "RedState" und die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" auf das ungewöhnliche Sexleben der Demokratin gestürzt hatten. Sie selbst spricht von einer "furchtbaren Schmutzkampagne", die "rechte Medien und republikanische Gegner" gegen sie lanciert hätten – zusammen mit ihrem Ehemann Kenny Heslep. Das Paar lässt sich derzeit scheiden, und es scheint eine äußerst unschöne Trennung zu sein. Was die 32-Jährige einräumt, ist eine rund einjährige Dreierbeziehung zwischen ihr, ihrem Mann und Morgan Desjardins aus dem Wahlkampfteam. 

Mit Bong in der Hand und Tatto auf der Brust

Die Liebelei mit der 24-jährigen Morgan Desjardins hätte die bekennende bisexuelle Hill kaum noch leugnen können, denn die Medien lieferten Beweise gleich mit: Kurznachrichten, Bilder. Auf einem ist zusehen, wie sie sich küssen. Ein anderes Foto zeigt sie nackt mit einer gefüllten Wasserpfeife in der Hand und einem Kreuz-Tattoo auf Bauchhöhe. Wegen der Veröffentlichung der Bilder schaltete sie die Polizei ein. In einer Erklärung schreibt Hill: "Dass meine privaten Fotos mit persönlichen Momenten als Waffe gegen mich benutzt werden, ist ein fürchterlicher Eingriff in meine Privatsphäre."

#MeToo-Bewegung: Monica Lewinsky – das macht die US-Amerikanerin heute

Für Katie Hill steht fest, wer für die Verbreitung des intimen Materials verantwortlich ist: ihr "ausfallender Ehemann". Der soll der Seite "RedState" auch die angebliche Affäre mit Graham Kelly gesteckt haben, derentwegen der Ethikausschuss des US-Repräsentantenhauses gegen Hill ermittelt. Offenbar fürchtet die Demokratin, dass noch mehr intime Bilder von ihr den Weg an die Öffentlichkeit finden. Die US-Seite "Politico" schreibt, dass sie ihren Rücktritt vor allem deswegen angekündigt habe, um mögliche, weitere "Enthüllungen" einzudämmen. Sie selbst erklärte: "Solange ich Mitglied des Kongresses bin, werde ich in Angst vor dem leben, was da noch kommen könnte und wie schmerzhaft es sein wird."

Während das Sexleben und Seitensprünge von Politikern in Europa als Privatangelegenheit meist nur eine Nebenrolle spielen, pflegen die Amerikaner einen anderen, komplizierteren Umgang. Die Ehe gilt vielen als heilig, eine außereheliche Affäre gleicht einem politischen Todesurteil. Aber es gibt Ausnahmen. Wie den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump. Oder für den Fall, dass der Verrat verziehen wird. So bei Bill Clinton. Seine Ehefrau Hillary wich ihm trotz öffentlich eingestandenem Sex mit der Praktikantin Monica Lewinsky nicht von der Seite. Er blieb im Weißen Haus und gilt mittlerweile als einer der beliebtesten Ex-Präsidenten. 

Fallen Frauen schneller?

Doch die Moralansprüche an US-Politiker fallen je nach Position unterschiedlich rigide aus. Während Präsidenten offenbar eher verziehen wird, fallen Volksvertreter aus der zweiten oder dritten Reihe schneller und tiefer. Auch Frauen. Oder vor allem Frauen, wie die demokratische Kandidatin für die Präsidentschaftskandidatur, Kamala Harris, jetzt beklagte. Zu "Buzzfeed News" sagte sie, dass Katie Hill "Opfer einer Kampagne der Einschüchterung" sei. "Es gibt viel, was gegen Frauen und ihre Sexualität unternommen wird, nur um sie zu beschämen und sie davon abzuhalten, sich um Ämter zu bewerben."

Quellen: "Handelsblatt", DPA, "Die Welt", "The Sun", "Politico", "RedState", "Daily Mail", "Buzzfeed News", "New York Post"