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GENUSSSCHEIN: Exoten mit Rendite

In Zeiten flauer Börsenkurse versprechen Genussscheine gute Renditen bei mäßigem Risiko. Da das Angebot aber sehr groß ist, müssen die Bedingungen genau geprüft werden.

Flaue Börsenkurse und das niedrige Zinsniveau verhelfen einem Investment-Mauerblümchen zu neuer Attraktivität: dem Genussschein. Dieser Zwitter aus Aktie und festverzinslichem Wertpapier stellt mit einer jährlichen Rendite von derzeit rund sechs bis acht Prozent eine Alternative zu Konkurrenzprodukten wie Bundesanleihen dar - und das bei mäßigem Risiko. Zudem profitieren Anleger bei vielen Papieren von einer jährlichen Sonderzahlung, wenn das Unternehmen einen ausreichenden Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn erzielt hat.

Für langfristige Anleger

»Genussscheine eignen sich besonders für langfristige Anleger, die regelmäßige Renditen wollen«, sagt Karin Baur, Finanzexpertin der Stiftung Warentest. Rund 650 Papiere sind derzeit in Deutschland erhältlich. Sie werden von den Unternehmen, unabhängig von deren Unternehmensform, zur Geldbeschaffung ausgegeben. So sind auch Genussscheine von GmbH?s und KG?s erhältlich. Über 90 Prozent werden allerdings von den Banken selbst ausgegeben.

Vergleich schwierig

Der Vergleich dieser Wertpapiere ist schwierig, denn bei der Ausgestaltung lässt der Gesetzgeber den Emittenten viele Freiheiten, und die Haftungs- und Ausschüttungsbedingungen können sehr unterschiedlich sein. So sind Genussscheine mit garantierter Mindestverzinsung ebenso erhältlich wie solche, bei denen die Ausschüttung von der Dividende der Aktionäre abhängig ist. Auch die Laufzeiten, zu denen die Rückzahlung fällig ist, sind unterschiedlich, bewegen sich aber meistens zwischen fünf und zehn Jahren.

Auch steuerlich interessant

Als Alternative zu Aktien eignen sich nach Einschätzung der Stiftung Warentest insbesondere die Genussscheine, bei denen die Ausschüttung von der Geschäftsentwicklung abhängt. »Verfügt das Unternehmen über eine gute Bonität, stellen die Papiere eher eine Alternative zu festverzinslichen Wertpapieren dar«, sagt Baur. Und da die Zinsen nicht ausgezahlt sondern in die Notierung des Scheins einfließen, sind Kursgewinne sogar steuerfrei, wenn der Anleger das Papier kurz vor dem Ausschüttungstermin verkauft.

Zahlungsfähigkeit sehr wichtig

Allerdings ist auch diese Anlageform nicht ohne Risiko. »Wenn es dem Unternehmen schlecht geht, sinkt auch die Rendite, und im Extremfall werden Genussscheine für wertlos erklärt«, sagt Baur. Anleger sollten daher bei der Auswahl ihres Papiers besonders auf die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens achten. Denn nach einer Studie der DG Bank gibt es viele Kleinemissionen, die »keine ausreichende Marktliquidität« aufweisen. Danach erreichen nur 151 der 650 gehandelten Genussscheine ein Volumen von 50 Millionen Mark.

Vergleich unerlässlich

»Das vielfältige Angebot an Genussscheinen stellt an den Investor besondere Anforderungen«, sagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SDK). »Da die Ausgestaltung einzelnen Papiere so unterschiedlich sein kann, sollte man sich das genaue Studium der Bedingungen auf keinen Fall ersparen.«

Manfred Rolfsmeier