HOME

Gerhard Schmid: Enfant terrible seiner Branche

Für die Telekommunikationsbranche ist Gerhard Schmid das Enfant terrible. Wie kaum ein anderer liebte er die Öffentlichkeit - sogar wenn es Probleme gab.

Für die Telekommunikationsbranche ist Gerhard Schmid das Enfant terrible. Wenn andere Manager sich bei dräuendem Ungemach am liebsten aus der Öffentlichkeit zurückziehen, kommt der Gründer des Telekommunikationsdienstleisters MobilCom erst so richtig in Fahrt. Die Zerrüttung mit dem Partner France Télécom wuchs sich zu einem öffentlichen Scheidungskrieg aus, bei dem der 52-jährige Schmid immer wieder nachlegte und bis zum Schluss die Karten nicht aus der Hand gab. Schließlich stehen für den Mehrheitsaktionär Millionen aus seinem Anteilsbesitz an MobilCom auf dem Spiel.

Ohne Schmids Tatendrang - Schnelligkeit, Flexibilität und Risikofreude - wäre das "kapitalistische Märchen" vom Aufstieg seiner Firma in der norddeutschen Provinz nicht denkbar gewesen. Schon sein Studium der Betriebswirtschaft hatte sich der Sohn eines Maurers und einer Hausfrau aus dem fränkischen Selb als Eishockey-Trainer beim ERC Selb selbst finanziert.

Anfänge liegen im Porzellan

Beruflich stieg der Franke 1977 gleich als Vorstandsassistent bei der im Ort ansässigen Porzellanfabrik Hutschenreuther ein. Es folgte ein Abstecher zum Ostseebad Damp, dann der Wechsel als Marketingchef zum Münchner Autovermieter Sixt. Dort wurde Schmid klar, welches Marktpotenzial Mobiltelefone nicht nur im Auto haben. Er gab seinen sicheren Vorstandsposten auf und wagte 1991 mit einer Sekretärin und einer Mobilfunk-Lizenz den Sprung in die Selbstständigkeit.

Aus seiner Keimzelle baute Schmid einen schlagkräftigen Konzern auf, der den Telekom-Markt mit Niedrigpreisen erschütterte. Er provozierte gerichtliche Auseinandersetzungen, als er das Erscheinungsbild der Telekom-Werbung kopierte. Der Konkurrent reagierte und ließ Schauspieler Manfred Krug MobilCom in einem Fernsehspot als "Mogelcom" bezeichnen. Das war dem ausgefuchsten Marketingfachmann nur recht, konnte es den Büdelsdorfer Wettbewerber doch nur noch bekannter machen.

Kein Glück durch UMTS

An finanzielle Grenzen stieß der Mobilfunkpionier, als er in den verheißungsvollen neuen Mobilfunkstandard UMTS investieren wollte. Zur Finanzierung der milliardenteuren Lizenz holte sich Schmid France Télécom ins Boot. Als der hochverschuldete französische Staatskonzern das UMTS-Geschäft stoppen will, gerieten die Partner Anfang diesen Jahres in Streit. Im Machtkampf um die zukünftige Konzernstrategie musste Schmid gehen, außerdem machten die Franzosen die Einsetzung eines Treuhänders für Schmids Aktien zur Bedingung.

Wie viel Schmid aus seinen Wertpapieren noch erlösen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, was der umtriebige Unternehmer in Zukunft machen wird. Vermutlich wird der Pferdeliebhaber, der deutsche Spring- und Military-Reiter förderte, seine eigenen Finanzen ordnen müssen. Spekulationen machten die Runde, er sei hoch verschuldet. Zumindest ist ein Teil seiner Aktien bei Banken verpfändet, und auf seiner millionenteuren Baustelle in Kiel ruht die Arbeit. (DPA)