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Erbschaft für alle 20.000 Euro für jeden: Wie das "Grunderbe" Deutschland gerechter machen soll

Beim "grunderbe" würde jede Bürgerin und jeder Bürger 20.000 Euro vom Staat bekommen.
Beim "grunderbe" würde jede Bürgerin und jeder Bürger 20.000 Euro vom Staat bekommen.
© golero / Getty Images
20.000 Euro, für jeden Bürger zum 18. Geburtstag vom Staat: Ökonomen wollen mit dem "Grunderbe" die Kluft zwischen Arm und Reich verkleinern. Doch umgesetzt werden wird der Vorstoß wohl nicht.

Es klingt wie eine verrückte Idee: Jeder Bundesbürger soll pünktlich zum 18. Geburtstag eine Summe von 20.000 Euro vom Staat erhalten. Ohne Verpflichtungen, ohne Gegenleistungen. Dieser Vorschlag kommt nicht etwas von der politischen Linken, sondern von den Ökonomen des Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut DIW. Sie wollen so die finanzielle Ungleichheit im Land abmildern. 

Rund 22,6 Milliarden Euro würde dieser Vorstoß und weitere Unterstützungen für die untere und mittlere Schicht den Staat kosten. Statt eines Grundeinkommens, das monatlich gezahlt wird, soll die Einmalzahlung bei der Vermögensbildung helfen. Der Gini-Koeffizient, der die Einkommensungleichheit angibt, würde um bis zu sieben Prozent fallen, berichtet das "Handelsblatt".

Grundrente zum Vermögensaufbau

Antrieb der Idee ist die immer stärker werdende Ungleichheit bei der Verteilung von Vermögen im Land: Reiche werden stetig reicher, der Anteil von Menschen in Armut wächst. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen 67 Prozent des gesamten deutschen Privatvermögens, das reichste Prozent besitzt sogar 35 Prozent des Vermögens. Die Hälfte der Deutschen hingegen hat wenig bis gar kein Vermögen. 

Das vergleichsweise gute Sozialsystem in Deutschland federt diese Ungleichheit ab, allerdings wird dies meist von den sozialversicherungspflichtigen und abhängigen Beschäftigungsverhältnissen der Unter- und Mittelschicht finanziert. Will man das diese Menschen sich fürs Alter absichern, Rücklagen bilden oder eine Wohnung kaufen, um Vermögen anzuhäufen, müsse der Staat dabei helfen, argumentiert DIW-Forscher Stefan Bach. Denn vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bleibt nach Abzug aller Sozialabgaben, Steuern und Co. schlichtweg kaum noch Geld, um es zu sparen.

Die 20.000 Euro sollen daher, laut dem DIW, für Zeiten von Arbeitslosigkeit, Kindererziehung oder Pflege genutzt werden. Oder auf ein "Lebenschancenkonto" geschoben werden. In bar ausgezahlt wird das Grunderbe nicht, sondern soll für den Erwerb einer Wohnung, die Förderung der privaten Altersvorsorge oder ähnliche Absicherungen ausgegeben werden.

Als Gegenfinanzierung für die Milliardenbeträge soll eine Erbschaftssteuer und eine Steuer auf hohe Vermögen sorgen, so der DIW-Experte. Demnach würde also eine Umverteilung der Lasten stattfinden. 

Im Vergleich zum viel diskutierten Grundeinkommen hätte die Grundrente einen weiteren Vorteil: Die Einführung ist vergleichsweise günstig. Die 22,6 Milliarden Euro sind deutlich günstiger als die grob überschlagenen 996 Milliarden Euro, die der Staat für ein bedingungsloses Grundeinkommen aufwenden müsste (und im Gegenzug viele Ausgaben einsparen würde).

Warum die Grundrente wohl nicht kommt

Doch zwei große Hindernisse stehen einer Umsetzung im Weg: Zum einen gibt es Widerstand aus den Kreisen, die für die Finanzierung per Steuern aufkommen müssten, also den Vermögenden im Land. Aktuell würden Steuern auf große Vermögen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens ausmachen, berichtet das "Handelsblatt". Die Vermögenssteuer wurde 1997 durch eine CDU-geführte Regierung ausgesetzt.

Doch eine weitere Hürde müsste genommen werden: Ein politischer Wille für die Einführung muss da sein. Und hier findet sich im Koalitionspapier wenig Motivation. Denn ohne höhere Besteuerung von Vermögen eben auch keine Summe, die umverteilt werden können. Offenbar konnte sich hier die FDP gegen die Koalitionspartner SPD und Grüne durchsetzen. 

kg

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