Handel Der "Supermarkt der Zukunft" wird real


Automaten auf dem Vormarsch: In zunächst 50 Märkten der Supermärkte Real und Extra werden insgesamt 200 Selbstzahlerkassen installiert. Die neue Technik soll eiligen Kunden auch in Spitzenzeiten ein schnelles Bezahlen ermöglichen.

Claudia Schiffer war überrascht: Die Obstwaage ist intelligent und der Kassierer ein Automat. Als das Topmodel vor einem Jahr den "Supermarkt der Zukunft" in seiner Heimatstadt Rheinberg eröffnete, blickte die Handelswelt gespannt an den Niederrhein. Der Metro-Konzern machte eine Filiale der Tochter Extra zum Testlabor für neue Technik. Was wie ferne Zukunftsmusik klang, hält jetzt in immer mehr Lebensmittelmärkten Einzug und wird damit für viele Verbraucher in Deutschland zum Teil ihres Alltags.

Internationale Maßstäbe gesetzt

Im harten Wettbewerb mit den Discountern Aldi und Lidl setzt Deutschlands größter Handelskonzern auf Vorsprung durch Technik. Die schöne neue Handelswelt soll bei weiten nicht nur Computer-Freaks begeistern, sondern das Einkaufen für jedermann leichter machen. Im Markt in Rheinberg wird König Kunde auf Wunsch ein elektronischer Einkaufsberater an den Einkaufswagen gesteckt. Darüber hinaus stehen Info-Terminals in der 4.000 Quadratmeter großen Filiale, die weitere Produktinformationen und Kochrezepte liefern.

"Die Technologie steht nicht im Vordergrund", betont der Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß. "Sie soll nützlich sein, wenn man sie braucht." Mehr als 10.000 Fachbesucher aus aller Welt haben sich seit der Markteröffnung vor einem Jahr den so genannten "Future Store" zeigen lassen. Das Konzept sorgte selbst in den USA und Australien für Aufsehen. Metro setzt damit nach Ansicht von Branchenkennern international Maßstäbe.

Intelligente Waage mit Kamera

Für reges Interesse bei Otto Normalverbraucher sorgt vor allem die neuartige Waage in der Obst- und Gemüseabteilung, die mit Hilfe einer Kamera Äpfel von Birnen unterscheidet und dementsprechend das Preisetikett druckt. Ein langes Suchen nach dem richtigen Symbol auf der kleinteiligen Waagentastur entfällt. Diese intelligenten Waagen will die Metro jetzt auch in anderen Geschäften ihrer Filialtöchter einsetzen. Als praxistauglich und vom Kunden geschätzt hat sich den Unternehmensangaben zufolge auch die Selbstzahlerkasse erwiesen.

Mit der neuen Technik hat die Metro zwar die Herzen eiliger Kunden erobert, doch gleichzeitig auch Datenschützer auf den Plan gerufen. Nach Protesten entfernte Metro Funkchips aus den Kundenkarten seines "Supermarkts der Zukunft". Datenschützer befürchten, dass ansonsten Konsumenten beim Einkauf ausgeforscht werden können und sie zu einem gläsernen Kunden werden. Die Chips seien in der Kundenkarte nur zur Feststellung des Alters eingesetzt worden, um in der Videothek des Marktes den Jugendschutz zu gewährleisten, hieß es in der Zentrale.

Kostensenkung erhofft

An einen Rückzug von der so genannten RFID-Technologie wird nicht gedacht, im Gegenteil. Die Funkchips sollen den Warentransport des Konzerns verbessern und irgendwann einmal komplett den Strichcode ablösen. Zunächst sollen Funketiketten auf den Paletten, Containern und Transportverpackungen für einen schnellen und reibungslosen Warenfluss sorgen. Die Manager wissen so genau, wo sich gerade der Nachschub für die Handelsregale befindet. Die Technologie, auf die inzwischen auch andere setzen, soll die Kosten erheblich senken.

Alexandra Balzer und Volker Danisch, dpa DPA

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