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Handel: Die Fußball-WM wird zum Milliardengeschäft

Bis zum Anpfiff der Fußball-WM 2006 sind es an diesem Donnerstag noch 631 Tage. Das große Geschäft rund um den Nationenkick, der ab dem 9. Juni 2006 in zwölf deutschen Städten stattfindet, läuft schon jetzt.

Von Donnerstag an ist dies auch für den normalen Fan zu erkennen. In einem Sporthaus am Berliner Bahnhof Zoo wird mit viel Prominenz - Organisationschef Franz Beckenbauer, Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der WM-Pokal im Original - der erste offizielle WM-Shop eröffnet. Zum Auftakt der WM sollen es dann bundesweit mehr als 300 sein.

Handel erwartet Einnahmen von 1,6 Mrd. Euro

Beim Weltfußballverband FIFA sind 70 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Nationenkick möglichst ertragreich zu vermarkten. Für sich selbst erwartet der Verband Marketing-Einnahmen von rund 600 Millionen Euro. Dem Einzelhandel soll das Geschäft mit den WM-Artikeln in den nächsten beiden Jahren weltweit Einnahmen von mehr als 1,6 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Zum Vergleich: Die WM 2002 in Japan und Südkorea brachte 1,2 Milliarden, die WM 1998 in Frankreich eine Milliarde.

Der Löwenanteil wird bei der nächsten Weltmeisterschaft wahrscheinlich in Europa eingenommen - mit dem Gastgeberland als größtem Markt. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum gibt es allein in Deutschland 40 Millionen Fußball-Anhänger. Außerdem werden während des WM-Monats hier zu Lande eine Million ausländischer Fans erwartet, von denen sich viele erst vor Ort mit den WM-Artikeln eindecken werden.

KarstadtQuelle sicherte sich schon Shop-Rechte

Grund genug für den Handelsriesen KarstadtQuelle, sich beim Münchner Rechtehändler EM.TV mehrere Exklusiv-Lizenzen zu sichern. Der Essener Konzern - heute schon Deutschlands größter Sportartikelhändler mit einem Anteil von zwölf Prozent am Gesamtmarkt von neun Milliarden - ist jetzt der einzige, der Fanartikel in offiziellen WM-Shops verkaufen darf. Die meisten werden in den Karstadt-Warenhäusern zu finden sein. Zudem hält KarstadtQuelle aber auch in den zwölf WM-Stadien die Exklusivrechte.

Offen ist noch, wie der TV-Sportsender DSF zur Vermarktung genutzt wird, an dem KarstadtQuelle mit 49,9 Prozent beteiligt ist. Fest steht: Die offizielle WM-Kollektion wird zwei Mal pro Jahr gewechselt. "Wir wollen schließlich Umsatz machen", sagt Konzernsprecher Michael Scheibe. Auf Shirts und Jacken wird das WM-Logo mit den lachenden Mondgesichtern zu sehen sein. Das offizielle WM-Maskottchen - Nachfolger des Pärchens Tip und Tap von der Deutschland-WM 1974 - wird erst im November präsentiert.

Keine Angaben über Vertragsvolumen

Wieviel KarstadtQuelle für die Rechte zahlt, darüber schweigt sich der Konzern aus. Auch beim Rechtehändler EM.TV in München ist darüber nichts in Erfahrung zu bringen. "Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart", sagt Unternehmenssprecherin Celia Morgner. Das Vertragsvolumen sei jedoch selbst für eine WM "herausragend".

Ansonsten hat EM.TV, der die Merchandising-Lizenzen europaweit vermarktet, bislang zwölf weitere Lizenzen vergeben. So wird Bertelsmann die offiziellen Zeitschriften, Bücher und Kalender drucken. Das schwäbische Familienunternehmen Etuis Duggert sicherte sich die Rechte für Brillenputztücher, die Deumer GmbH aus Lüdenscheid für Schlüsselanhänger, und die Münchner Eder Holding für Anstecknadeln.

Auch adidas will mitschneiden

Auf ein Riesengeschäft hofft auch der Sportartikelhersteller Adidas, der zum exklusiven Club der 15 internationalen Partner der WM 2006 gehört. Der Konzern will - wie bei allen großen Turnieren in jüngster Zeit - neue Bälle und Trikots präsentieren. Eine Milliarde Euro Umsatz soll der Fußball im WM-Jahr bringen, sagt Sprecher Oliver Brüggen. "Wir wollen unterstreichen, dass wir weltweit die Fußballmarke Nummer eins sind."

Burkhard Fraune und Christoph Sator, dpa / DPA