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INDEXWERTE: Steigt Continental in die erste Börsenliga auf?

Die Chancen für einen Aufstieg des Autozulieferers in den Dax sind gestiegen - dank des Anteilsverkauf der Deutschen Bank, der 10,1 Millionen Aktien auf den Markt spülte.

Zu verdanken hat der hannoversche Traditionskonzern diesen Tatbestand der Deutschen Bank, die am Montag ihren 7,5-prozentigen Anteil für 142 Millionen Euro über die Börse verkauft hat - insgesamt 10,1 Millionen Aktien. Damit steigt die Zahl der frei verfügbaren Conti-Papiere - und das ist ein entscheidendes Kriterium für einen Platz im exklusiven Club der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen.

Fliegt dann Epcos?

Conti könnte hier den Münchner Bauelementehersteller EPCOS ersetzen. Dessen Ausschluss aus dem Börsenbarometer ist in den Augen vieler Fachleute eine beschlossene Sache. Grund ist das Regelwerk der Deutschen Börse: Für die Aufnahme in den DAX gilt die so genannte 35/35-Regel - mindestens Platz 35 beim Umsatz und mindestens Platz 35 bei der Marktkapitalisierung. Nach dem Kurssturz der Aktie in der Vergangenheit liegt Epcos hier weit abgeschlagen auf Platz 52 der deutschen Konzerne.

Auch Beiersdorf ist Kandidat

Die Continental AG - sie erfüllte die Kriterien der Börse schon vor dem Anteilsverkauf der Deutschen Bank - steht freilich nicht allein in der Schlange der DAX-Aspiranten. Mit ihr buhlt etwa der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf um die Gunst der Börse. Allerdings: Die Zukunft von Beiersdorf als unabhängiges Unternehmen und damit die Mitgliedschaft im MDAX der mittelgroßen 70 DAX-Werte bleibt offen. Der Nivea-Konzern stand in der jüngsten Vergangenheit immer wieder im Mittelpunkt von Übernahmespekulationen.

Unternehmenswert profitiert

Auch die Börse selbst erfüllt in puncto DAX-Fähigkeit ihre eigenen Regeln. Börsenchef Werner Seifert weiß natürlich nur zu gut um die Vorteile einer Zugehörigkeit zur Oberklasse: Ein Platz im DAX ist nicht nur gut für das Unternehmensimage. Zahlreiche deutsche und internationale Aktienfonds richten sich bei der Anlage der verwalteten Milliarden nach den bekannten Börsenbarometern wie DAX, Nikkei oder Dow Jones. Mit dem Platz in der ersten Reihe steigt so der Unternehmenswert.

Branche schon sehr präsent

Das wünscht sich auch Conti-Finanzvorstand Alan Hippe, hält sich aber bedeckt: Er fühle sich im MDAX der 70 wichtigsten Nebenwerte an der Frankfurter Börse pudelwohl, heißt es aus der Conti-Chefetage. Ein wenig Hoffnung hegt Hippe aber doch: »Eine Aufnahme in den DAX wäre eine Riesen-Chance.« Allerdings berücksichtigt die Börse bei der Indexzusammenstellung auch das Gewicht der jeweiligen Branche. Mit BMW, DaimlerChrysler und Volkswagen ist der Automobilbau im DAX bereits gut vertreten - Pech für Conti.

Selbst Deutsche Börse chancenreich

Hinter vorgehaltener Hand geht zudem so mancher Frankfurter Aktienhändler davon aus, dass die Deutsche Börse sich am liebsten selbst in ihrem wichtigsten Auswahlindex sehen möchte. Auch ihre Chancen stehen nach der 35/35-Regel nicht schlecht: Beim Umsatz liegt die Börse auf Platz 34 zwar hinter Continental. Deren Marktkapitalisierung bleibt jedoch auch nach dem Anteils-Verkauf durch die Deutsche Bank hinter der des Börsenbetreibers zurück.

Wichtige Hilfe für Schuldenabbau

Die Hoffnung auf einen Aufstieg will man bei Conti dennoch nicht aufgeben. Die von der DAX-Aufnahme erhoffte Steigerung des Aktienkurses könnte nämlich indirekt auch Geld in die Kassen des trotz zahlreicher Werkschließungen und Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer noch immer hoch verschuldeten Konzerns bringen. Die von Conti gehaltenen eigenen Aktien lassen sich dann nämlich bei Bedarf auch teurer verkaufen. Wichtigste Folge: Dem Unternehmen steht mehr Geld für den Schuldenabbau zur Verfügung.