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Kinderarmut: 175 Euro mehr pro Kind

17 Prozent der deutschen Kinder unter 15 Jahren leben von Hartz IV. Das ergeben Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit. Der Kinderschutzbund fordert daher einen Zuschlag für Geringverdiener: 175 Euro, ab dem dritten Kind sogar 225 Euro.

Die Zahl armer Kinder hat in Deutschland nach Angaben von Kinderschützern einen neuen Höchststand erreicht. Mehr als 2,6 Millionen Minderjährige seien von Armut betroffen und lebten auf Sozialhilfeniveau, sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Heinz Hilgers in Berlin. Die Dunkelziffer schätzte er auf das Doppelte. Er forderte die Regierung auf, ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag zu erfüllen. "Die Bundesregierung hat ihr Versprechen gegenüber armen Kindern gebrochen", beklagte Hilgers. Die Situation der Kinder müsste mit einer Reform des Kinderzuschlags und der Wiedereinführung einmaliger Beihilfen für Kleidung und Schulbedarf sofort verbessert werden.

"Wir erziehen 2,6 Millionen Kinder zu Leistungsempfänger"

"Wir sind dabei, 2,6 Millionen Kinder zu künftigen Leistungsempfängern zu erziehen", so Hilgers. Der Kinderschutzbund bezieht in seine Berechnungen alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren ein. Von den unter 15-Jährigen sind nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 17 Prozent abhängig von Arbeitslosengeld II. Sie leben von 208 Euro im Monat. Diese Kinder und Jugendlichen seien bei der Bildung benachteiligt und hätten schon früh gesundheitliche Probleme, sagte Hilgers.

Der Kinderschutzbund forderte, Geringverdienenden 175 Euro Kinderzuschlag pro Kind zu gewähren, ab dem dritten Kind müssten es 225 Euro sein. Dies solle nicht auf Antrag geschehen, sondern solle wie das Kindergeld eine Regelleistung werden. Langfristig forderte Hilgers eine Grundsicherung für Kinder.

Die Bundesregierung hatte auf ihrer Klausur in Meseberg beschlossen, den Kinderzuschlag weiterzuentwickeln. Über die Umsetzung wird aber noch gestritten, eine konkrete Entscheidung wurde nicht gefällt. Familienministerin Ursula von der Leyen will den Zuschlag als eigenständiges Instrument erhalten. Arbeitsminister Franz Müntefering dagegen will ihn in sein Gesamtkonzept für eine Neuregelung des Niedriglohnsektors einbauen, um damit ein Abrutschen von Familien mit geringem Einkommen in Hartz-IV zu verhindern.

Reuters / Reuters