Märkte "Jede Nachricht wird auf die Goldwaage gelegt"


Börsenexperten rechnen nach dem Beginn des Golfkriegs mit großen Preisschwankungen, ausgelöst durch jede neue Nachricht. Anleger sollten "Ruhe bewahren".

Nach der monatelangen Unsicherheit über den Ausgang der Irak-Krise und der darauf folgenden Börsen-Talfahrt hat der Beginn des Golfkriegs die Aktienmärkte offensichtlich wenig berührt. Am Donnerstag bewegten sich europäische Märkte leicht im Plus, die Tokioter Börse hatte mit positivem Trend geschlossen. Wie es an den Aktienmärkten weiter gehen wird, ist dennoch ungewiss. Experten betonen, dass auf jeden Fall eine hohe Volatilität - also große Preisschwankungen - zu erwarten seien.

Keine überhasteten Aktionen

"Jede Nachricht wird auf die Goldwaage gelegt und beeinflusst die Märkte. Sollte es zu einem längeren Krieg kommen, erwarten wir eine Seit- bis Abwärtsbewegung der Börsen bei hohen Kursschwankungen", sagt der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, Ulrich Berz. Union-Investment-Fondsmanager Christoph Niesel ergänzt: "Die Anleger sollten jetzt nicht überhastet in Aktien investieren, auch wenn die Börse sich in den letzten Tagen schon erholt hat."

Ständiges Auf und Ab erwartet

Der Vermögensverwalter der Commerzbank, die Cominvest Asset Management, rät Anlegern, "Ruhe zu bewahren". Mehrere Monate habe die Kurve an den Börsen stark nach unten gezeigt, bevor in den vergangenen Tagen ein Strategiewechsel der Anleger stattgefunden habe. Dieser Wechsel - und die deshalb deutlich steigenden Aktienkurse - sei auf die klaren und deutlichen politischen Hinweise zur Lösung der Krise zurückzuführen gewesen. Mit Ausbruch des Krieges reagierten "die Märkte erst einmal kurzfristig wieder verstärkt volatil".

Erst mal kurzfristiger Talfahrt

In der Vergangenheit folgten die Märkte Krisen in aller Regel nach dem Muster: kurzfristige Talfahrt, langfristige Erholung. So funktionierte der Markt schon vor mehr als 100 Jahren: Nach der Bombardierung der „USS Maine“ 1898, die den spanisch-amerikanischen Krieg auslöste, stand der Dow Jones einen Tag nach dem Bombardement um 2,1 Prozent im Minus, eine Woche später war der Index um 5,9 Prozent abgesackt und nach einem Monat sogar um 11,3 Prozent. Nach einem halben Jahr jedoch gab es ein Plus von 14,9 Prozent. Ein ganzes Jahr später stand der Index mit 24,9 Prozent im Plus, nach fünf Jahren mit 33,8 Prozent.

Früher schnelle Erholung

Noch schneller erholte sich der Index, nachdem am 7. Mai 1915 die "Lusitania" torpediert worden war, ein britisches Schiff mit vielen Amerikanern an Bord. Nach der Torpedierung traten die USA in den ersten Weltkrieg ein. Damals registrierte der Dow Jones am Folgetag ein Minus von 4,7 Prozent, nach einer Woche war er um 7,3 Prozent abgerutscht. Doch nur einen Monat später stand er mit 6,3 Prozent im Plus, ein halbes Jahr nach der Katastrophe mit 45,6 Prozent, und nach einem Jahr mit 35,9 Prozent. Der Bombardierung von Pearl Harbor am 7.Dezember 1941, die den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg nach sich zog, folgte dagegen eine längere Talfahrt des Indexes: Am Tag danach wurde ein Minus von 2,9 Prozent registriert, eine Woche später minus 4,6 Prozent und einen Monat später 1,5 Prozent. Nach sechs Monaten hatte der Index sogar 9,9 Prozent eingebüßt. Nach fünf Jahren jedoch hatte das Börsenbarometer wieder um 46,6 Prozent zugelegt.

Nach erstem Golfkrieg nur langsame Erholung

Als der Irak am 2. August 1990 in Kuwait einmarschierte, verlor der Dow Jones einen Tag später 1,9 Prozent, eine Woche später 3,7 Prozent und einen Monat später 8,7 Prozent. Auch nach sechs Monaten stand er noch mit 4,7 Prozent im Minus. Nach einem Jahr war ein Plus von 4,9 Prozent festzustellen, nach fünf Jahren sogar 63,7 Prozent. Der Standard & Poor’s Index schließlich verlor in den fünf Monaten vor dem ersten Golfkrieg 1991 rund 5,8 Prozent, wie Manning & Napier Advisor Inc. berichtet. Während des Krieges im Januar und Februar 1991 jedoch legte S & P 11,9 Prozent zu.


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