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Auswanderung der Superreichen: Deutschland laufen die Milliardäre weg

Der Hurun-Report widmet sich den Superreichen auf der Wanderschaft. Die These: Viele Länder profitieren von diesen Migranten, von ihrem Kapital und ihrem Geschäftsgeist. Nur Deutschland nicht: Wir vergraulen die Milliardäre.

Die Reichen fühlen sich in Deutschland nicht mehr wohl.

Die Reichen fühlen sich in Deutschland nicht mehr wohl.

Jedes Jahr widmet sich der Hurun-Report Migranten der besonderen Art. Er wertet aus, aus welchen Ländern Milliardäre stammen und in welche Länder sie auswandern. Und offenbar sind Krieg und Verzweiflung nicht die einzigen Ursachen, die zur weltweiten Wanderungen führen, auch die Super-Reichen sind auf der Flucht.

Rupert Hoogewerf, der leitende Forscher des Hurun-Report, will mit seiner Arbeit über die Milliardäre darauf hinweisen, dass Migration sehr wohl positive Seiten habe. "Unser Report soll einen Eindruck vermitteln, wie Migranten zum globalen Wohlstand beigetragen haben, wie sie neue Jobs und Steuereinnahmen in den Ländern schaffen, in die sie migrierten."

Die frohe Botschaft von Rupert Hoogewerf trifft auf Deutschland leider nicht zu. Denn erstaunlicherweise nimmt das vergleichsweise kleine Deutschland im Ranking eine negative Spitzenposition ein: Als weltweit größter Milliardärs-Vertreiber überhaupt. Große Vermögen werden offenbar nach wie vor in Deutschland gemacht, nur bleiben sie nicht in Deutschland. Ganze 31 Milliardäre haben Deutschland verlassen. Hoogewerf sagt dazu: "Deutschland ist überraschenderweise das Heimatland Nummer Eins für auswandernde Milliardäre. Die hohen Steuern sind der Hauptgrund zum Auswandern." Lieblingseinwanderungsland des deutschen Groß-Vermögens ist die Schweiz. Dorthin siedelten 12 Personen aus dem illustren Kreis um.

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Millionäre gehen auch

Damit zeigt sich bei den Milliardären fast das gleiche Bild wie bei den Auswanderungen der normalen Reichen, die Andrew Amoils, Leiter des "2017 Globalen Vermögens-Report", für einfache Millionäre feststellte (Millionäre gehen: Die Nerze verlassen das sinkende Schiff). Er stellte fest, dass die Wohlhabenden in großen Scharen aus der Euro-Zone fliehen. Beim "2017 Globalen Vermögens-Report" war Frankreich der Spitzenreiter der Negativ-Liste, aber auch aus Deutschland wurde eine massive Abwanderung festgestellt. Diese etwas weniger reichen Personen zog es jedoch eher nach Australien und nicht in die Schweiz. Zu vermuten ist, dass die Schweiz vor allem für Personen, die ihr gigantisches Vermögen nur noch anlegen, interessant ist. Während Reiche, die noch operativ tätig sind, sich eher von Australien angezogen fühlen.

Leistungskraft geht verloren

Beides sind keine gute Entwicklung für Deutschland. Dem Wegzug der Personen folgt ein Abfluss von Vermögen, Geschäftstätigkeit und natürlich auch von Steuereinnahmen. Vom Hurun Report gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: In Deutschland soll es nach wie vor sehr viele Milliardäre geben. Weltweit leben die meisten Milliardäre demnach in "Groß China" – darunter wird in Peking die Volksrepublik China, Hong Kong, Macau und Taiwan verstanden. Ganze 609 sollen dort leben. Dann folgen die USA mit 552 Milliardären, auf Platz drei kommt dann schon Deutschland. Bei uns wurden trotz des Abwanderungswelle 109 Milliardäre gezählt. Und offenbar vermehren sie sich: Im Jahr zuvor kam der Report nur auf 82 Personen. Hamburg und die "Weltstadt" Bielefeld sind die Lieblingswohnsitze der deutschen Super-Reichen. Die starken Schwankungen der Anzahl gehen auf die unterschiedlichen Bewertungen von Aktienvermögen zurück.

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