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PROGNOSE: Analysten sehen erneut schwieriges Jahr für Lufthansa

Luftfahrt-Experten wünschen sich eine klare Marschrichtung: Sparen und die inländische Konkurrenz im Blick behalten, lauten ihre Ratschläge für das Konsolidierungsjahr 2002.

Vor allem eine klare Marschrichtung wünschen sich Luftfahrt-Experten gut ein halbes Jahr nach dem 11. September von der Lufthansa: Sparen und die inländische Konkurrenz im Blick behalten, lauten ihre Ratschläge für das Konsolidierungsjahr 2002. Am Donnerstag zieht die Kranich-Linie mit ihrer Bilanz-Pressekonferenz einen Schlussstrich unter das Krisenjahr 2001.

Aufschwung erst 2003

Wie die anderen großen europäischen Fluggesellschaften erwartet auch die Lufthansa erst für 2003 wieder einen kräftigen Aufschwung, der dann ähnliche Gewinne bringen soll wie vor den Anschlägen in den USA am 11. September und der dadurch verstärkten Wirtschaftskrise. Bis dahin stehen dem Unternehmen allerdings noch einige Probleme bevor.

Noch Sparmöglichkeiten?

Bereits angelaufen ist das Sparprogramm D-Check, mit dessen Hilfe das Unternehmen bis Ende 2004 Cash-Flow-Verbesserungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro erreichen will. Seit Ende 2001 werden Ausgaben hinterfragt, Prozesse auf ihre Effizienz überprüft und Abläufe vereinfacht. Wegen früherer Sparprogramme dürfte es dem Konzern nach Einschätzung der Hypovereinsbank jedoch schwer fallen, ab 2002 darüber hinaus große Einsparmöglichkeiten zu finden.

Starke Konkurrenz im Inland

»Es wird noch einmal ein sehr schweres Jahr werden, nicht nur für die Lufthansa«, sagen auch andere Analysten voraus. Im Vergleich etwa zur British Airways verfügt das Unternehmen zwar über eine gute strategische Position. »Die darf aber durch die zunehmende Konkurrenz im Inland nicht noch stärker abbröckeln«. Einen immer härteren Wettbewerb sehen die Analysten im Inlandsverkehr und in der Konkurrenz mit Billigfliegern auf die Kranich-Linie zukommen. Hier erhofft man sich von den Lufthansa-Managern Antworten darauf, wie sich das Unternehmen gegen Europas größte Billigfluglinie Ryanair und die einheimische Germania aufstellen will.

Kein Preisdumping mehr

Besonders, was die Germania und die von ihr bediente Strecke zwischen der Bankenmetropole Frankfurt und der Hauptstadt Berlin angeht, werden die Gewinnspannen der Lufthansa wohl unter Druck bleiben, sagten Analysten. Die Lufthansa hatte mit dem Aufkommen der Konkurrenz drastisch ihre Preise gesenkt und daraufhin Ärger mit dem Bundeskartellamt bekommen, das ihr Preisdumping vorwarf.

Wenig Passagierverluste

Trotz aller Bemühungen der Billigkonkurrenz dürften sich die Passagierverluste der Lufthansa nach Einschätzung von Analysten allerdings in Grenzen halten: Weniger als ein Prozent der Lufthansa-Kunden konzentrieren sich allein auf Billigangebote, heißt es in einem Lagebericht der Hypovereinsbank. Und über die Hälfte der Lufthansa-Fluggäste sind Umsteigepassagiere, für die die Billigflieger mit ihren Punkt-zu-Punkt-Verbindungen kaum eine Alternative sind. Die Billigflieger schaffen sich mit ihren Angeboten weitgehend einen eigenen Markt.

Flufhafenausbau bremst

Ein Problem ist für die Lufthansa der schleppende Ausbau des Frankfurter Flughafens, der im Vergleich zur Air France und deren Pariser Flughafen Charles de Gaulle einen Wettbewerbsnachteil darstellt, erklärten Analysten. Es ist verständlich, wenn die Lufthansa ihre Aktivitäten immer stärker auf den Münchener Flughafen verlagert. In zehn Jahren wäre es sogar vorstellbar, dass die Flughäfen in Frankfurt und München den Umsteigeverkehr der Lufthansa zu gleichen Teilen unter sich aufteilten.

Andere erhalten Staatshilfen

Etwas enttäuschend waren die vorläufigen Zahlen für 2001, welche die Lufthansa im März vorgelegt hatte und die erstmals seit 1993 einen Vorsteuer-Verlust auswiesen, bemängelten Analysten. »Die Zahlen von Air France waren ein bisschen besser, dort läuft zurzeit alles glatt«. Die französische Fluggesellschaft hat vom Scheitern der Sabena und der Swissair profitieren können. Außerdem gelang es ihr, eine sehr starke Nord-Süd-Verbindung sowohl innereuropäisch als auch zwischen Europa und Afrika aufzubauen. Als ehemaliger Kolonialstaat und mit den Hilfen beim Flughafenausbau durch den französischen Staat hat es die Air France hier allerdings auch etwas leichter als die Lufthansa.