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Vor der Trennung: Wann eine Scheidung möglich ist

Heute verheiratet, morgen schon geschieden? Das mag in Hollywood nicht ungewöhnlich sein, deutsche Paare können sich allerdings nicht so einfach scheiden lassen. Denn hier müssen vor einer Scheidung einige Voraussetzungen erfüllt sein. Wir sagen welche.

Nur wenn das Gericht das Scheitern einer Ehe anerkennt, kann diese auch geschieden werden

Nur wenn das Gericht das Scheitern einer Ehe anerkennt, kann diese auch geschieden werden

Bis das der der Tod euch scheidet, gilt bei den meisten Eheleuten nicht mehr: Fast jede zweite Ehe landet in Deutschland mittlerweile vor dem Scheidungsrichter. Um jedoch erfolgreich geschieden zu werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Die Ehe muss gescheitert sein. Das bedeutet, dass eine echte Lebensgemeinschaft nicht mehr vorhanden sein darf und auch die Wiederherstellung nicht mehr erwartet werden kann.

Die Lebensgemeinschaft der Eheleute gilt laut Gesetz als beendet, wenn diese getrennt leben. Und eine Wiederherstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft kann nicht mehr erwartet werden, wenn mindestens einer der Ehepartner das Zusammenleben "erkennbar ablehnt". Nur wenn beide Vorraussetzungen erfüllt und entsprechende Nachweise erbracht worden sind, kann eine Ehe geschieden werden.

Das Zerrütungsprinzip

In Deutschland reicht als Grund für einen Scheidungsantrag die Zerrüttung der Ehe aus - ein Nachweis darüber, wer Schuld am Scheitern der Partnerschaft hatte, ist nicht notwendig. So kann die Lebensgemeinschaft der Ehegatten auch nur von einem Ehegatten und gegen den Willen des anderen aufgelöst werden. Niemand kann in einer Ehe gefangen werden, nur weil sich der Partner einer Trennung verweigert.

Einjährige Trennungszeit

Allerdings führt ein Ende der Lebensgemeinschaft nicht automatisch zur Scheidung: Dafür muss auch eine bestimmte Trennungszeit eingehalten werden. Sind sich beide Ehepartner in ihrem Wunsch nach einer Auflösung der Ehe einig, reicht die einjährige Trennungszeit.

Tipp:

Oft wird der Scheidungsantrag bereits nach einer zehnmonatigen Trennungszeit eingereicht, denn tatsächlich muss das Trennungsjahr erst zum Zeitpunkt des Urteilsspruchs verstrichen sein.

Natürlich hat das Gesetz auch Ausnahmen von dem strengen Zeitkorsett der Trennungszeit vorgesehen: Aus Gründen der "unzumutbaren Härte" lässt das Familiengericht auch eine Scheidung zu, wenn noch kein volles Trennungsjahr vergangen ist. Dafür wird aber auch ein recht strenger Maßstab angelegt. Einfach nur zerstritten zu sein, würde noch keine unzumutbare Härte begründen. Schwere und dauerhafte Gewalt gegen einen Ehegatten hingegen schon. Allerdings reicht dafür nicht einfach die Behauptung eines Beteiligten aus - es muss schon bewiesen werden.

Keine einvernehmliche Scheidung

Findet die Scheidung gegen den Willen eines Ehepartners statt, muss auf jeden Fall die Zerrüttung bewiesen sein, auch wenn das Paar bereits ein Jahr getrennt lebt. Denn widerspricht ein Partner der Trennung, wird die unwiderlegbare Zerrüttung erst nach einer Trennungszeit von drei Jahren vom Gericht als endgültig angesehen. Im Klartext: Lebt ein Paar seit drei Jahren getrennt, ist weder das Einverständnis noch ein Nachweis der Zerrüttung für eine Scheidung notwendig.

Karin Spitra
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