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Studienkredite: Büffeln auf Pump

Banken und Sparkassen bieten jetzt Darlehen zur Studienfinanzierung an: Für viele Hochschüler angesichts neuer Unigebühren eine willkommene Hilfe.

Allenfalls ein Kopfschütteln ernteten Studenten noch vor kurzem, wenn sie in einer Bank nach einem Kredit fragten. Studenten und Kredite - das passte einfach nicht zusammen. Schließlich hat kaum ein Jungakademiker ein solides Einkommen, Einfamilienhäuser oder sonstige Sicherheiten. Doch der Wind hat sich gedreht: Plötzlich sprechen die Banken von einer interessanten Zielgruppe, den Besserverdienenden von morgen - und zaubern Kreditangebote speziell für Studenten aus den Schubladen.

Einige Volks- und Raiffeisenbanken (VR) in Bayern verkaufen schon seit Juni Studentenkredite, auch einige Sparkassen haben bereits entsprechende Angebote im Programm. Pünktlich zum Wintersemester ist die Deutsche Bank gestartet: Seit Mitte Oktober können Studenten in rund 160 Filialen nach dem "DB Studentenkredit" fragen. Andere Privatbanken zögern noch, werden aber wohl bald nachlegen. Mehr als 40 000 Euro muss der deutsche Durchschnittsstudent derzeit für sein gesamtes Studium berappen - oft zu viel, um es aus eigener Kraft zu zahlen, vor allem für Familien aus der unteren Mittelschicht, deren Einkommen gerade über der Bafög-Grenze liegt. Entsprechend groß ist das Interesse an den neuen Krediten. Und die Nachfrage dürfte noch deutlich steigen, wenn 500 oder gar 2500 Euro Studiengebühren pro Semester fällig werden. Bis zu zwei Drittel der Studierenden könnten sich dann verschulden, sagen Experten voraus.

Die aktuellen Angebote unterscheiden sich in Details: Die Zinsen sind vergleichsweise niedrig (siehe Tabelle), die maximale Auszahlungszeit beträgt meistens zehn Semester. Nach dem Studium gibt es erst einmal ein oder zwei Jahre Schonfrist, bevor die Bank die erste Rückzahlung sehen will. Unterschiedlich ist die Tilgungszeit: Die Hamburger Sparkasse (Haspa) lässt ihren Schuldnern 10 Jahre Zeit, die Deutsche Bank 12, die Kreditanstalt für Wiederaufbau sogar 25 - bei entsprechend höherer Zinsbelastung. Auch die Auszahlungen schwanken: Bei der Deutschen Bank gibt es maximal 800 Euro pro Monat, bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken 250.

Studienfach und Wohnort sind bei der Kreditvergabe unerheblich: Auch ein Musikstudent aus Bonn kann in Bayern das Darlehen der VR-Banken bekommen. Auf große Sicherheitskontrollen verzichten die meisten Institute. Die Haspa bemüht nicht einmal die Schufa. Wer ein Konto bei ihr hat und einen Studentenausweis mit in die Filiale bringt, kann einen Kredit bekommen. Ganz so sorglos geht die Deutsche Bank nicht an die Sache heran: Bevor ein Darlehen bewilligt wird, muss der Schuldner in spe einen so genannten Studienplan vorlegen, der seine akademischen Ziele in den kommenden Jahren vorzeichnet.

Studienplan hin, Risikoanalyse her - für die Banken bleibt das Produkt Studentenkredit ein riskantes Geschäft. Denn niemand kann garantieren, dass der Studiosus wirklich einmal Geld verdient und sich nicht irgendwann ins Ausland absetzt. Deshalb rechnen viele Experten künftig mit höheren Zinsen für alle, die nicht Wirtschaft, Jura oder ein anderes Fach mit guter Jobprognose studieren - oder Sicherheiten bieten können.

Eine Subvention für Risiko-Studenten fordert deshalb der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsarchives, Thomas Straubhaar. "Der Staat wird nicht umhinkommen, mit einzusteigen", so der Wirtschaftsprofessor. Nur so sei sicher, dass alle Studenten einen Kredit erhalten - und zwar zu gleichen Konditionen.

Nicht nur für die Banken ist das Geschäft riskant: 30 000 oder 40 000 Euro Miese sind gerade für Berufseinsteiger eine enorme Belastung. Zudem ist vorher meistens unklar, wie hoch die Abstottersumme nachher sein wird - denn der Zins für den Kredit hängt in der Regel vom Kapitalmarkt ab und kann im Laufe der Zeit durchaus mal steigen. Die Verbraucherzentralen warnen deshalb vor Spontanentscheidungen. "Auf jeden Fall sollte man die Konditionen genau vergleichen und nicht einfach einen Kredit aufnehmen, nur weil "Student" darauf steht", sagt Birgit Höltgen von der Verbraucherzentrale NRW. Auch raten die Verbraucherschützer, vorher zu prüfen, ob es nicht doch Bafög gibt oder man irgendwo ein Stipendium ergattern kann.

Christian Burgdorf / print
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