VG-Wort Pixel

Tagesgeld und Festgeld Tipps für die Jagd nach guten Zinsen

Die kleinen Zinsen stellen Sparer auf der Suche nach Sicherheit und Rendite vor eine kaum lösbare Aufgabe
Die kleinen Zinsen stellen Sparer auf der Suche nach Sicherheit und Rendite vor eine kaum lösbare Aufgabe
© Colourbox
Rendite und Sicherheit? Die Minizinsen stellen Sparer derzeit vor eine kaum lösbare Aufgabe. Worauf Anleger bei Tagesgeld und Festgeld achten sollten.

Wer seine Ersparnisse zur Bank trägt, verfolgt damit meist zwei Ziele: Zum einen soll das Geld dort sicher liegen. Und zum anderen soll es sich vermehren. Bei vielen Sparkassen, Volksbanken und privaten deutschen Geldhäusern ist das zweite Ziel aber kaum noch zu erreichen. Nominal gibt es zwar ein paar Zehntelprozent Zins aufs Tagesgeld, viel mehr aber auch nicht. Real, also nach Abzug der Inflation, sind die Zinsen negativ. Das Geld wird weniger.

Kein Wunder also, dass es vielen Sparern in den Fingern juckt, wenn etwa die IWBank - hinter der sich übrigens die italienische UBI Banca verbirgt - auf ihrer Homepage das "Power Tagesgeld" verspricht. Bloß: Die alte Regel, dass mehr Rendite auch mehr Risiko bedeutet, gilt für Tages- und Festgeld wie für jede Anlageklasse. Ein Überblick:

Warum zahlen deutsche Banken so niedrige Zinsen?


Weil die meisten von ihnen, besonders Sparkassen und Volksbanken, als sicher gelten. Das ist bares Geld wert in Zeiten der Unsicherheit. Hinzu kommt das allgemein niedrige Zinsniveau, das durch den Leitzins der EZB und die Miniverzinsung deutscher Staatsanleihen vorgegeben wird. Deutsche Banken brauchen nicht um Geld zu kämpfen. Also diktieren sie Kunden die Bedingungen.

Was können Anleger dagegen tun?


Wenn verhandeln nicht zum Erfolg führt, können es Sparer mit Bankenhopping probieren. Niemand ist gezwungen, bei seiner Sparkasse zu bleiben. Allerdings sollte man nicht in jedem Fall zwingend zum scheinbar lukrativsten Anbieter wechseln. Ein kleines Beispiel: Einer Bank, über die man selbst bei einer Internetrecherche nicht mal die grundlegendsten Informationen findet, sollte man nicht blind vertrauen.

Wie finde ich einen seriösen Anbieter?


Von außen kann niemand in eine Bank hineinschauen. Letztgültige Aussagen, ob ein Institut seriös ist oder nicht, sind also schwierig. Ein paar Kriterien aber gibt es natürlich: Die Sparkassen stützen sich durch ihr Verbundsystem gegenseitig, ähnlich ist es bei den Volksbanken. Das spricht für ein hohes Maß an Sicherheit.

Bei privaten Banken ist es zumindest kein schlechtes Zeichen, wenn sie der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung (EdB) angehören. Sind sie überdies Mitglied im Entschädigungsfonds des Bankenverbands BdB, ist das sogar ein gutes Zeichen. Der BdB guckt sich seine Pappenheimer genau an, bevor er sie aufnimmt.

Was ist die europaweite Sicherung wert?


Die jüngste EU-Novelle verspricht allen Sparern in der Europäischen Union (EU) einen Einlagenschutz bis zu 100.000 Euro. Das Geld kommt aus dem Sicherungssystem des Landes, in dem die Bank ihren Sitz hat, bei der Commerzbank also etwa Deutschland, bei der Denizbank Österreich, bei Moneyou, einer Tochter von ABN Amro , die Niederlande. Nur: Zwar ist die 100.000-Euro-Garantie ausgesprochen - mit wirklichem Geld ist sie aber noch kaum unterlegt.

Was sind die Sicherungssysteme generell wert?


Die Banken sind in der Vergangenheit meist durchgekommen mit ihrem Argument, man brauche Entschädigungstöpfe nicht allzu üppig auszustatten - schließlich könne man im Bedarfsfall immer noch Geld nachschießen. Und es ist unmöglich, den Topf so weit aufzufüllen, dass er alle Risiken abdeckt. Eine gesetzliche Einlagensicherung muss man daher immer in Zusammenhang mit der - expliziten oder impliziten - Staatsgarantie sehen, die dahintersteht. Auch darum ist es eine Überlegung wert, ob man als deutscher Sparer nicht lieber bei einer Bank sein will, hinter der der deutsche Staat steht.

Ist Auslandsbank gleich Auslandsbank?


Nein - und das ist wichtig für Sparer, die Wert darauf legen, dass die Bank, bei der sie ihr Geld haben, der deutschen Finanzaufsicht unterliegt. Bei unselbstständigen Niederlassungen wie der russischstämmigen VTB Direktbank, die von Österreich aus agiert, sind die Einflussmöglichkeiten der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sehr begrenzt. Denn die Kontrolle des Instituts obliegt der österreichischen Aufsicht.

Völlig machtlos ist die BaFin aber nicht. Sie kann im Krisenfall verhindern, dass die Zweigstellen ganz ausgeplündert werden. Das zeigte sie nach der Kaupthing-Pleite 2008. Nach dem Zusammenbruch des Mutterhauses verhängte sie ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot, um den Geldtransfer ins Mutterland zu blockieren. So konnte sie wenigstens das noch vorhandene Vermögen retten.

Was heißt das für Kunden von ING-Diba und Santander?


Bei selbstständigen Banken, die als AG oder GmbHs in Deutschland organisiert sind, liegt die Aufsicht zuvorderst bei der BaFin. Das gilt etwa für die ING-Diba oder Santander, deren Muttergesellschaften dem Ausland entstammen. Allmächtig ist die BaFin jedoch nicht. So darf sie auch bei selbstständigen Banktöchtern die Zahlungen an ausländische Mütter nicht unterbinden, solange die Kredite nicht mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sind. Das wäre eine Einschränkung des freien Kapitalverkehrs.

Dennoch nimmt die Behörde Einfluss auf die Geschäftspolitik. Erst kürzlich erinnerte die BaFin die Vorstände mehrerer Auslandstöchter schriftlich "an ihre besondere persönliche Verantwortung". Die Botschaft: Gehorcht uns, sonst gibt es Ärger, etwa lästige Sonderprüfungen. Das wollen die Banken tunlichst vermeiden und befolgen deshalb die Anweisungen: Mit dem Amt legt man sich nicht an, heißt es in Finanzkreisen.

Von Heinz-Roger Dohms und Karsten Röbisch

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker