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VERSICHERUNGSKONZERN: Investoren begrüßen Stärkung der Kapitalbasis bei Aegon

Die Aktien des niederländischen Versicherers Aegon haben im Verlauf der Montagssitzung ins Plus gedreht. Händler sagten, die Investoren begrüßten die Stärkung der Kapitalbasis durch den Verkauf von Aktien.

Der Aktienkurs, der zunächst noch rund zwei Prozent verloren hatte, zog im Verlauf in Amsterdam in einem freundlichen Marktumfeld um überdurchschnittliche rund sechs Prozent auf ein Tageshoch von 11,75 Euro an. Aegon, zweitgrößter Versicherer der Niederlande und einer der zehn größten Versicherungskonzerne der Welt, hatte am Wochenende angekündigt, dass der Hauptanteilseigner »Vereniging Aegon« 25 Prozent seines Anteils verkaufen und damit die Kapitalbasis des Konzerns stärken wolle.

Höhere Gewichtung

Analysten erklärten, durch die damit einhergehende Erhöhung des Streubesitzes auf 88 Prozent von derzeit 63 Prozent stiegen die Chancen für Aegon, in den Aktienindizes höher gewichtet zu werden. Aegon-Aktien sind im Dow-Jones-Stoxx für die 50 größten Unternehmen der Euro-Zone gelistet. Zudem hatten viele Investoren befürchtet, dass dem Versicherer seitens der Ratingagenturen eine Herabstufung seiner Kredite ins Haus stehen könnte. Aegon plant zudem den Kauf der Lebensversicherungssparte von Sony Corp, deren Wert sich auf rund 1,6 Milliarden Euro beläuft.

Kapitalbasis wird gesünder

Das Brokerhaus Oyens & Van Eeghen stellte fest, die Märkte beurteilten die Transaktion positiv, da sie für die derzeitigen Aktionäre keine Nachteile berge. Die Kapitalbasis werde erheblich gesünder, der Aktienhandel werde durch den höheren Streubesitz liquider und eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit sei nun wohl auch nicht mehr zu erwarten.

Aegon rechnet mit Einnahmen von rund 3,85 Milliarden Euro

Aegon bestätigte zudem am Montag seine Prognose für 2002. Auf einer Pressekonferenz sagte Aegon-Chef Don Shephard, der Nettogewinn werde zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Euro im Gesamtjahr steigen. Am Sonntagabend hatte Shephard erklärt, er rechne aus dem Verkauf der Beteiligung des Großaktionärs mit Einnahmen von rund 3,85 Milliarden Euro. Die Aktien im Wert von rund 1,5 Milliaren Euro würden sofort außerhalb der USA angeboten. Weitere Anteilsscheine im Wert von rund 2,35 Milliarden Euro gingen zunächst an den Aegon-Konzern, der sie dann an den internationalen Kapitalmärkten platzieren wolle. Die Vereinigung bleibe mit rund 25 Prozent der größte Aktionär, dessen Veto-Recht bei Übernahmen auch Thema der nächsten Hauptversammlung werden soll.

Verbindlichkeiten von 3,5 Milliarden Euro

Shepard versicherte, die Gesellschaft werde innerhalb der nächsten drei Monate keine neuen Aktien ausgeben. Jüngst hatte der Konzern seine kurzfristigen Verbindlichkeiten auf 3,5 Milliarden Euro beziffert. Die weiteren Einnahmen aus dem Aktienverkauf werde Aegon reinvestieren, fügte Shepard hinzu. Dadurch könne der niederländische Versicherer andere Unternehmen erwerben, ohne seine Kapitalbasis anzugreifen.

Gewinn wird um 30 Prozent schrumpfen

Eine weitere Schrumpfung der Kapitalbasis hätte eine Senkung der Bonitätseinstufung von derzeit AA- auf Aa3 durch die Ratingagenturen Standard & Poor's oder Moody's zur Folge gehabt. Damit wäre für Aegon die Geldbeschaffung auf den Kreditmärkten teurer geworden. Ende Juli hatte Aegon zum ersten Mal in seiner Geschichte seine Gewinnprognose nach unten revidiert und damit die Finanzmärkte geschockt. Im Gesamtjahr 2002 werde der Gewinn um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen, hatte Aegon mitgeteilt. Die Aktien von Aegon haben in diesem Jahr bereits zwei Drittel ihres Wertes verloren.

Der Aegon-Konzern war 1983 aus der Fusion des Versicherers AGO mit dem Wettbewerber Ennia hervorgegangen.

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