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Duale Strategie Pekings neuer Fünfjahresplan zwingt die Automobilindustrie nach China

China plant eine duale Strategie
China plant eine duale Strategie
© press-inform - das Pressebuero
Die chinesische Regierung zurrt die Ziele des nächsten Fünfjahresplans fest und setzt dabei auf zwei Komponenten: eine Stärkung des Binnenmarktes und daraus folgend mehr Export. Beides hat Folgen für die deutschen Autobauer.

Alle fünf Jahre schaut die Welt gebannt nach China. Dann treffen sich die führenden Spitzenpolitiker des Reichs der Mitte, um die Parameter des nächsten Fünfjahresplans festzulegen. Diesmal ist es die 14. Ausgabe der grundlegenden Strategie, die alle Fragen des gesellschaftlichen, politischen und selbstredend auch wirtschaftlichen Lebens für das nächste Halbjahrzehnt definiert. Noch stehen die endgültigen Beschlüsse noch nicht fest, aber das unlängst von der Kommunistischen Partei veröffentlichte Kommuniqué gibt schon eine ziemlich konkrete Aussicht auf die Beschlüsse, die sich im nächsten Fünfjahresplan wiederfinden werden.

Der größte Binnenmarkt der Welt

Da China der größte Automobilmarkt der Welt ist, sind die Vorhaben der chinesischen Regierung extrem wichtig für die deutschen Autobauer und den Zulieferern. Ein Begriff, der in dem Schriftstück immer wieder auftaucht, ist der "doppelte Wirtschaftskreislauf". Wer die chinesische Politik und die Äußerungen des Staatspräsidenten Xi Jinping genau verfolgt hat, hat diesen Begriff im Frühjahr dieses Jahres zum ersten Mal aus dessen Mund gehört.

Letztendlich bedeutet das, dass China in den nächsten Jahren unabhängiger von ausländischen Wirtschaften werden will. Dieses Vorhaben verfolgt die Regierung in Peking schon länger. Um dieses Ziel zu erreichen, wird eben eine duale Strategie angewendet: Die eine Seite ist die Konzentration auf den Binnenmarkt. Die Chinesen sollen die eigenen Produkte kaufen, gleichzeitig sollen auch die Exporte angekurbelt werden und damit eben der externe Wirtschaftskreislauf. Aus China für die Welt heißt die unveränderte Maxime. Dafür müssen die Erzeugnisse aus dem Reich der Mitte so gut werden, um mit Apple & Co. mithalten zu können. Letztendlich ist dieser Fünfjahresplan auch eine Folge des Handelskonflikts mit den USA. China denkt geopolitisch und will möglichst schnell mit der westlichen Supermacht auf Augenhöhe sein. Zumal der neue Fünfjahresplan den Horizont über das Jahr 2025 hinaus legt und bereits die Rahmenbedingungen bis 2030 definiert.

Intelligentes Auto wird wichtiger

"Die chinesische Staatsregierung setzt in ihrem nächsten Fünfjahresplan auf duale Wirtschaftskreisläufe. Das heißt: China will möglichst viel Wertschöpfung vor Ort generieren, für mehr Export-Unabhängigkeit und einen stärkeren Binnenkonsum. Die OEMs und die lokalen Zulieferer müssen dafür ihr Know-how beispielsweise auf den Technologiefeldern 5G, Software und Chips ausbauen, denn künftig liegt der Fokus noch stärker auf dem intelligent vernetzten Auto, natürlich mit xEV-Antrieb", erklärt Dr. Jan Burgard von Berylls.

Industrie muss sich in China ansiedeln

Die Konsequenz für Mercedes, BMW, VW & Co. wird sein, dass noch mehr Autos in China produziert werden. Und wo die Auftraggeber hingehen, folgen die Zulieferer. "Parallel dazu wachsen mit Baidu, CATL, Huawei, Joyson und anderen, neue Champions heran, die den europäischen Zulieferern das Leben schwer machen. Gleichzeitig bewegen sich Tech Firmen wie Alibaba, Tencent und Huawei auf dem Spielfeld der Autoindustrie und bieten OS und Connectivity Lösungen an. Dazu gehören beispielsweise Huawei mit Harmony OS, Alibaba mit Tmall Genie speech recognition und Banma OS.", sagt Jan Burgard und beschreibt damit die Zwickmühle, in der sich die deutsche Automobilindustrie befindet.

Doch von heute auf morgen werden diese ambitionierten Ziele, die in der ersten Skizze des Fünfjahresplans verankert sind, nicht erreichen. Trotz des atemberaubenden Tempos, dass die chinesische Hightech-Industrie an den Tag legt. Vor allem bei der Halbleiter-Industrie hat das Reich der Mitte noch Nachholbedarf und schnelle Chips beziehungsweise CPUs sind für das autonome Fahren und die Vernetzung der Fahrzeuge wichtig. Für den Berylls-Analysten greift damit sogar der Umkehrschluss, um die die ehrgeizigen Ziele in den nächsten zehn Jahren zu erreichen, wird China wohl oder übel Hochtechnologie importieren müssen. Das Ziel wird sein, diese Abhängigkeit sukzessive zu minimieren, um dann erst auf eigenen Beinen zu stehen und in einem zweiten Schritt auch technologisch an die Weltspitze vorzurücken.

Die von China geschmiedete 14 Staaten und 2,2 Milliarden Menschen umfassende weltgrößte Freihandelszone Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) spielt bei der Dynamik zwischen dem Reich der Mitte und der deutschen Automobilindustrie noch eine untergeordnete Rolle, da sie für China ein verlängerter Arm zur Partizipation an der Weltwirtschaft mit Finanzinstrumenten, die im Heimatland verboten sind. So gesehen, werden zunächst chinesische Banken von diesem Zusammenschluss profitieren. Dass aber diese Organisation von China dominiert wird, steht außer Frage, und irgendwann werden die Autobauer aus dem Reich der Mitte auch dort ihre Pfründe sichern wollen.

pressinform

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