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Deutscher Gründerpreis : Auf Zusammenarbeit programmiert

Große Projekte verursachen oft auch große Schwierigkeiten: Den Überblick zu behalten, wenn hunderte Menschen parallel arbeiten, ist eine Kunst, die wenige beherrschen. Die Geschichte des Gründerpreis-Finalisten Collaboration Factory und ihrer Software C-Place.

Kein Freund der Zettelwirtschaft: Mit seiner Software C-Place hilft Gründer Rupert Stuffer großen Konzernen, ihre Projekte besser zu organisieren.

Kein Freund der Zettelwirtschaft: Mit seiner Software C-Place hilft Gründer Rupert Stuffer großen Konzernen, ihre Projekte besser zu organisieren.

Rupert Stuffer ist ein Wiederholungstäter: Schon Ende der Achtziger Jahre, noch als Student, hat er bereits sein erstes Unternehmen mitgegründet. Schon damals ging es um Software, mit der man Erfindungen managen kann. Ein Schweizer Unternehmen wollte sich Überblick über die eigene Innovationskraft verschaffen. „Das waren die Anfänge des Wissens-Managements“, erinnert sich Stuffer.

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Der promovierte Maschinenbauer blieb beim Thema Organisation von Technologie und knüpfte Kontakte in die Autoindustrie. Was er dort erfuhr, elektrisierte ihn: „Projekte von Autokonzernen kosten heute oft über eine Milliarde Euro, aber sie werden häufig noch mit einer Excel-Tabelle gemanagt.“ Das muss besser gehen, dachte sich Stuffer und beschloss noch einmal zu gründen – ganz neu, aber mit dem Wissen vom ersten Mal. Auf der grünen Wiese sozusagen.

Das Startup gab es für die Konzerne gar nicht

So entstand im März 2014 in München die Collaboration Factory, die mit C-Place ein modulares Softwarepaket auf den Markt gebracht hat, das Firmen hilft, die immer komplexeren Projekte zu organisieren und den Überblick zu behalten. „Ohne Software geht heute nichts mehr“, sagt Stuffer. „Aber jenseits von SAP sieht es bei Business-Software eher mager aus. Daran wollen wir ein bisschen rütteln.“

Doch der Weg war nicht einfach. „Wir mussten unser Produkt erst mal für große Konzerne kaufbar machen“, erinnert sich Stuffer. „Als Startup waren wir für die gar nicht geschäftsfähig.“

Transparenz schafft Vertrauen

Die Lösung war Offenheit: Der Softwarecode ist für die Nutzer komplett einsehbar, so dass sie selber daran weiter schreiben können, wenn ihnen einzelne Elemente fehlen oder die Software ans Projekt angepasst werden muss. Kunden werden so zu Mitentwicklern, können ihre Versionen sogar den eigenen Partnern oder auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellen.

Transparenz bis in die letzte Zeile des Programms – das sorgt für hohe Geschwindigkeit bei der Anpassung. „Wenn es schnell gehen muss, sind wir erste Wahl“, sagt Stuffer. „Und wir liefern den Werkzeugkoffer für Kunden in Not gleich mit.“ Mit dieser Strategie gelang es der Collaboration Factory die wichtigsten Autokonzerne und weitere Technologieunternehmen für C-Place zu gewinnen und sich gegen Konkurrenzangebote von SAP oder Microsoft durchzusetzen.

Viele alte, schwerfällige Systeme

C-Place ist eine App-basierte Lösung. Das bedeutet, dass sie auf den unterschiedlichsten Computern läuft. Große Konzerne haben oft eine riesige technische Vielfalt angesamelt, oft eine regelrechte Bürde: „Unendlich viele Systeme, die schwerfällig, veraltet aber kaum abzuschaffen sind“, so Stuffer. „Mit unserer Plattform muss kann man die teilweise trocken legen.“

Ein großes Versprechen – doch nur wenn die Collaboration Factory es einhält, hat sie weiter eine Chance auf dem Markt. Das weiss auch Stuffer: „Als kleines Unternehmen muss man ein Netz aus Fans aufbauen. Unser Software-Ökosystem, bei dem die Kunden mitmachen, kann mehr leisten, als wir es alleine könnten.“

Die Collaboration Factory AG ist einer von drei Finalisten der Kategorie Aufsteiger des Deutschen Gründerpreis 2019. Der Preis wird vom stern zusammen mit den Sparkassen, Porsche und dem ZDF jährlich in den Kategorien Schüler, Startup, Aufsteiger und Lebenswerk vergeben und zeichnet Deutschlands beste Gründer aus. Die Preisverleihung findet am 2. Juli im Zollernhof in Berlin statt.