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Hauptversammlung: Aktionärsschützer werfen Ackermann Führungsschwäche vor

Aktionärsvertreter gingen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank mit Vorstandschef Ackermann hart ins Gericht: Sie warfen ihm Führungsschwäche und Dilettantismus beim Börsengang der Post vor.

Aktionärsvertreter sind auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank mit Vorstandschef Josef Ackermann hart ins Gericht gegangen. Sie warfen dem Chef des größten deutschen Geldhauses Führungsschwäche und Dilettantismus vor. Die Bank hinterlasse beim Börsengang der Postbank, den sie als Konsortialführer begleitet, ein "amateurhaftes dilettantisches Bild", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Imageschaden durch Hin und Her

Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sprach von einem Imageschaden, der der Deutschen Bank durch das Hin und Her um die Postbank und das Durchsickern eines internen Bewertungsgutachtens zum Börsengang der Post-Tochter entstanden sei. "Was kommt als nächstes als Hiobsbotschaften auf uns zu?", fragte er vor rund 4.000 Aktionären.

Ackermann selbst sieht das Haus nach dem massiven Umbau der Vergangenheit gut im internationalen Wettbewerb aufgestellt. Die Deutsche Bank sei eine der führenden Banken der Welt. Der Aktienkurs habe seit Anfang 2003 um 46 Prozent zugelegt und sich damit deutlich besser entwickelt als die Branche. Internationale Wettbewerber aus den USA und der Schweiz hätten im gleichen Zeitraum nur 22 Prozent zugelegt.

Akquisitionen nicht ausgeschlossen

Zugleich betonte Ackermann: "Das Geschäft in Deutschland ist eine der tragenden Säulen unseres Konzerns". Von zentraler Bedeutung sei das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden, das weiter ausgebaut werden solle. Im Vordergrund stehe dabei das organische Wachstum, grundsätzlich seien aber Akquisitionen nicht ausgeschlossen. Im Zusammenhang mit der vergangenen Diskussion um eine mögliche Übernahme der Postbank, sagte Ackermann: "Die Deutsche Bank und ihr Vorstand haben zu keiner Zeit unter einem irgendwie gearteten politischen Druck gestanden". Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte erst jüngst eine Konsolidierung in der deutschen Bankenlandschaft gefordert.

Stellen will die Bank sich der erwarteten Fusions- und Übernahmewelle in der Branche laut Ackermann in einer Position der Stärke. "Deshalb konzentrieren wir uns auf organisches Wachstum." Zugleich betonte er, die Bank habe in den vergangenen Monaten trotz anders lautender Berichte von ihrer Seite keine Fusionsgespräche initiiert. Allerdings habe der Vorstand die Pflicht, an ihn herangetragene Vorschläge im Interesse der Aktionäre ernsthaft zu prüfen. Welche Konstellation auch immer sich in der Zukunft ergeben sollte, "ich darf Ihnen versichern, dass wir nichts unternehmen werden, was nicht im Interesse unserer Aktionäre, unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und Deutschlands liegt".

Eigenkapitalrendite von 25 Prozent angestrebt

Zugleich wies Ackermann auf die ehrgeizigen Rentabilitätsziele der Bank hin. Bis 2005 soll eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent erreicht werden. Ackermann, der sich gemeinsam mit anderen Managern seit Januar wegen der Anerkennungsprämien bei dem früheren Mannesmann-Konzern vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten musste, äußerte die Hoffnung, dass das Verfahren bald zu Ende sein werde. Trotz der Belastungen aus dem Prozess komme er seinen Verpflichtungen als Vorstandssprecher uneingeschränkt nach, betonte Ackermann.

DPA