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Ikea-Prinzip: Grabsteine zum Selbstaufbau

Auch die Gestaltung der letzten Ruhestätte lässt manchem Tüftler keine Ruhe. Zwei Unterfranken wendeten das Ikea-Prinzip des Selbstaufbauens auf die letzte Ruhestätte an. Ihr Angebot: Ein Selfmade-Grabstein. Doch das ist erst der Anfang.

Innerhalb einer Stunde soll jeder, der einigermaßen handwerklich geschickt ist, das Grabmal aufstellen können. "Es ist viel einfacher als bei Ikea - sie müssen nämlich nur sechs Schrauben anziehen", erklärt Objektgestalter Wolfgang Hrapia aus Eisenheim bei Würzburg, der den Grabstein mit Michael Haaße entwickelt hat. Für alle Fälle bietet ihre Firma "Grabwerk" auch einen Aufstellservice an. Das rund 100 Kilogramm schwere Paket mit Grabmal, Grabumrandung, Natursteinsockel, zwei Sicherheitsgläsern und zwei Einstellregalen kommt per Post.

Prototyp steht in Würzburg - am Friedhof

Ein Prototyp steht am Grab "41 20 10" auf dem Würzburger Hauptfriedhof, dem Grab von Hrapias Familie: In das Edelstahlgehäuse in mattem Grauton, das an der schweren Steinplatte auf dem Boden befestigt ist, sind vorne und hinten bruchsichere Glasplatten mit einer speziellen selbstreinigenden Beschichtung eingelassen. Der Raum zwischen dem Glas sei individuell dekorierbar, erklärt der Erfinder. Ob Schilfrohr auf Sand, Bilder, Erinnerungsstücke oder Blumen - der Vielfalt seien keine Grenzen gesetzt.

Selbstaufbau und Gestaltung bedeuteten einen Freundschaftsdienst und Trauerarbeit, meint Hrapia. "Unser Grabmal bietet Raum, um auf die Persönlichkeit des Verstorbenen einzugehen, und eigene Gefühle in die Gestaltung einzubringen." Das System soll zudem etwa um die Hälfte günstiger sein als ein herkömmlicher Grabstein. Und es ist ungewöhnlich - so ungewöhnlich, dass die beiden Erfinder Probleme haben mit den Friedhofsordnungen. "Die Deutschen gehen einfach noch zu normiert mit dem Thema um. Jedes Nest hat seine eigene Friedhofsordnung", klagt Hrapia. So sei Edelstahl als Material am Hauptfriedhof von Würzburg erlaubt, die Verwaltung am Waldfriedhof der Stadt dagegen verbiete es.

Aufstellen ist duchaus mutig

Deshalb setzt das Duo auch auf andere Materialien. Zusammen mit seinem Erfinderkollegen hat der 45-Jährige 251 Frauen und Männer auf dem Friedhof nach deren Meinung zum Heimwerker-Grabstein befragt. "90 Prozent waren begeistert - was aber nicht automatisch heißt, dass sie ihn auch aufstellen würden. Das verlangt schon einiges an Mut", meint Hrapia.

Weniger skurril aber ebenso individuell ist die patentrechtlich geschützte Idee einer Aschaffenburger Projektgruppe. Unter dem Begriff "Lebensbild" hat sie eine Serie von Gedenktafeln entwickelt, die auf Fotos Stationen aus dem Leben des Verstorbenen zeigen. "Die Bilder sind ein verbindendes Element, über die die Trauernden miteinander ins Gespräch kommen können", sagt Medienentwickler Hans-Holger Frenzel. Diese Bilder-Arrangements, eingebettet in farbige Passepartouts, könnten in der Aussegnungshalle aufgestellt und dann als Erinnerungsstück gerahmt und mit nach Hause genommen werden.

Kopfhörer für die Friedhofsruhe

Noch einen Schritt weiter geht ein Erfinder aus Kalifornien: Er meldete kürzlich einen Grabstein mit Bildschirm zum Patent an, über den Verstorbene zu Friedhofsbesuchern sprechen können. Der Grabstein enthält einen Computer, der vorher festgelegte Videobotschaften gespeichert hat. Um die Friedhofsruhe zu retten - oder wenigstens das Video des Nachbargrabs nicht zu stören - gibt es das Modell auch mit Kopfhörern.

Claudia Möbus/DPA / DPA
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