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The Wing: Für Männer verboten: Gründerinnen sammeln 42 Millionen Dollar für Frauen-Club

In jeder City sollte eine erfolgreiche Frau einen Rückzugsraum finden. Zum Entspannen und zum Arbeiten. Ungestört von Männern. Die Idee des exklusiven Clubs The Wing kommt an. Die Gründerinnen planen die weltweite Expansion.

Ein geschützter Raum in einer eher feindlichen Umwelt.

Ein geschützter Raum in einer eher feindlichen Umwelt.

Einen echten "Club" kennt man aus britischen Filmen wie James Bond oder Sherlock Holmes. Bewacht von einem Doorman, beseelt von einem Butler findet der Gentleman hier Entspannung - in Bibliothek und Rauchersalon. Sollte es einmal nötig sein, können Mitglieder auch übernachten. Und natürlich können sie ihr Netzwerk pflegen. Zutritt haben nur Mitglieder und ihre Gäste. Keinen Zutritt hatten damals Frauen. 

For Ladies Only

Weniger bekannt ist, dass es derartige Clubs auch schon im 19. Jahrhundert nur für Frauen gab. Und diese Idee erlebt nun eine Renaissance in den USA. The Wing ist die moderne Form eines Gentlemen Clubs, nur dass dieses Mal die Gentlemen keinen Zutritt haben. The Wing ist ausschließlich für Frauen gedacht. Das Ambiente der beiden bestehenden The-Wing-Clubs erinnert an eine edle helle Ikea-Variante - auf dunkle Holzvertäfelungen und schwere Chesterfieldsofas verzichten die Gründerinnen Lauren Kassan und Audrey Gelman. Die bestehenden Räume sind pastellfarben gehalten. Der Club ist allein für Frauen da - für das soziale Leben und fürs Arbeiten.

Die Gründerinnen Lauren Kassan und Audrey Gelman

Die Gründerinnen Lauren Kassan und Audrey Gelman


Gelman sagte in einem Podcast: "Dieser Raum bietet Nahrung gemacht von Frauen, unser Wein stammt auch von Frauen, er wurde entworfen von Frauen, unser Anwalt ist eine Frau. Im Grunde genommen ist jeder Zentimeter ein Produkt von Frauen, die sich auch als Frauen identifizieren. Das spürt man. Das war die Absicht, die wir umgesetzt haben."

Refugium in der Business-Umgebung

In der goldenen Zeit des Gentleman musste man die Arbeit in einem Ministerium nicht sonderlich ernst nehmen. Arbeit im Club bestand aus Zeitungslesen. Heutzutage fungiert The Wing als Co-Working-Platz fürs gelegentliche Arbeiten mit "wirklich gutem" Wlan und Konferenzräumen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es nicht, dafür aber Duschen und Stillräume und eine Beauty-Zone. "Für einen Mann ist es leicht, sich aus dem Bett zu rollen und eine Hose und einen Pullover anzuziehen und ernst genommen zu werden", erklärt Gelman ihre Entscheidung, einen Beauty-Bereich anzubieten.

The Wing wurde in einem Loft gebaut.

The Wing wurde in einem Loft gebaut.


"Frauen müssen fünf Dinge gleichzeitig tun. Wir wollten wirklich sicherstellen, dass es eine Infrastruktur gibt, die es den Frauen ermöglicht, all diese Dinge für sich zu tun. Dass sie sich nicht entschuldigen müssen, dass sie akzeptieren können, dass diese Schönheitspflege auch ein Teil des Berufslebens ist. Wir sollten uns nicht verstecken müssen."

Nach den USA kommt die ganze Welt

Und die Idee kommt an. Die erste Dependance eröffnete im Oktober 2016 in Manhattan, eine zweite in der Nähe folgte bald. Geplant sind Niederlassungen in Brooklyn und Washington D.C.. In zwei Finanzierungsrunden konnten die Gründerinnen etwa 42 Millionen US-Dollar einsammeln. 1500 zahlende Mitglieder hat The Wing derzeit, Tausende sind auf der Warteliste. Natürlich ist die Club-Mitgliedschaft auch nicht für jede Frau gedacht. Der Zutritt zu dem Refugium kostet zwischen 2150 und 2700 US-Dollar im Jahr. 

Für den höheren Betrag hat man Zutritt in alle Niederlassungen. Nach den Plänen der Gründerinnen werden dies immer mehr werden. Die Expansion an die Westküste der USA ist geplant, ebenso wie eine Internationale Ausbreitung.


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