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San Francisco Irrer Rechtsstreit – Superreiche und Spekulanten zanken sich um Zufahrt zu Luxus-Villen

In der privaten Wohngegend Presidio Terrace wohnen die Reichen und die Mächtigen.
In der privaten Wohngegend Presidio Terrace wohnen die Reichen und die Mächtigen.
© Wíki Commons/Cullen328
Zwei Spekulanten hatten den Deal ihres Lebens gemacht: In einer Zwangsversteigerung ergatterten sie die Zufahrt einer Luxus-Wohngegend. Doch die Reichen zahlten nicht - nun wollen die Spekulanten die Stadt verklagen.

Im Jahr 2015 hatten die Immobilienentwickler Tina Lam und Michael Cheng den Deal ihres Lebens gemacht. In einer öffentlichen Auktion ergatterten sie die Privatstraße Presidio Terrace in San Francisco zum Schnäppchenpreis von 90.000 US-Dollar. Die Straße wurde in einer Art von Zwangsversteigerung wegen ausstehender Rechnungen angeboten.

Doch die Besitzer und Anlieger ahnten nichts davon, dass ihre Zufahrt verkauft werden sollte. Presidio Terrace ist eine überaus luxuriöse Wohngegend: Gelangt eines der Anwesen auf den Markt, werden Preise von über 15 Millionen US Dollar für ein Haus verlangt.

Adressenchaos bei der Steuerbehörde

Die Steuerschulden hätten die Bewohner sofort beglichen, sie betrugen keine 1000 US-Dollar. Wegen einer Verwechslung der Adressen wussten sie allerdings nichts von dem Verhängnis.

Die Post von der Steuer verschwand jahrzehntelang im Nirwana. Die Steuerrechnung der Presidio Terrace Homeowner Association in Höhe von nur 14 Dollar pro Jahr wurde an einen Verwalter geschickt, der seit Jahren nicht mehr für die Vereinigung gearbeitet hatte. Nur so konnten Tina Lam und Michael Cheng die Straße ersteigern. Beide arbeiten als Spekulanten, die auf Zwangsversteigerungen billig zuschlagen, um die Immobilien später mit Gewinn wieder zu verkaufen. Gegenüber dem "San Francisco Chronicle" gaben sie allerdings an, nur die Liebe zu ihrer Stadt habe zu dem Kauf geführt. Lang sagte ungerührt: "Ich wollte wirklich nur etwas in San Francisco besitzen, wegen meiner Liebe zu dieser Stadt."

Neben dem Zufahrtsrecht hatten sie auch 120 Parkplätze in bester Gegend erworben. Doch ihre Hoffnung, die Straße den Superreichen mit gutem Aufschlag wieder zu verkaufen, haben sich schnell zerschlagen. Denn die Reichen und Mächtigen, die am Presidio Terrace residieren, lassen sich nicht gern vorführen. Zu den Bewohnern gehört etwa auch Nancy Pelosi - die Anführerin der Demokraten im US-Kongress. Die Anwälte den Bewohner blockierten den Versuch von Tina Lam und Michael Cheng, eine Grundurkunde zu erlangen, und sie fochten die Versteigerung an.

Mit Erfolg. Die städtische Beschwerdeinstanz, das San Francisco Board of Supervisors, entschied Ende 2017, den Verkauf rückgängig zu machen. Anwohnerin Carol Sharer, sagte in der Anhörung, dass sie vom Verkauf ihrer Straße in den Nachrichten erfahren haben. "Sie können sich vorstellen, wie schockiert wir waren, als wir aus den Nachrichten erfuhren, dass unsere Wohnanlage in diesen Zustand geraten war", sagte sie.

Verkauf wurde rückabgewickelt

Der Rechtsanwalt der Besitzer, G. Scott Emblidge, konnte nachweisen, dass der zuständige Steuerbeamte keine Versuche unternommen hatte, die Bewohner zu kontaktieren. Obwohl schon der gesunde Menschenverstand ihm sagen musste, dass ein Versehen vorliegen musste. Schließlich ging es nur um 997 Dollar.

Dass der zuständige Beamte nichts unternahm, mochte Mark Farrell, Mitglied der Beschwerdestelle, nicht hinnehmen. Er sagte, dass andere Städte große Anstrengungen unternehmen, um die Besitzer von Immobilien mit Zahlungsrückständen zu finden. Nach dem Entscheid sagte er: "Ich bin stolz, dass diese Spekulanten nicht mit dem Kauf einer Nachbarschaftsstraße davonkommen und dass sie die Bewohner von San Francisco nicht weiter erpressen können. Die Spekulanten bekommen ihr Geld zurück, es entsteht kein Schaden. Nun kommt es für die beiden nicht zu der schnellen Million, die sie sich wohl erhofft haben."

Charity-Kampagne für Spekulanten

Tina Lam und Michael Cheng waren von der Entscheidung natürlich enttäuscht. Inzwischen haben sie angekündigt, die Stadt verklagen zu wollen. Sie sehen sich als Opfer einer inkompetenten Steuerverwaltung, die ihnen die Straße verkauft hatte und der reichen Bewohner, gegen deren Einfluss sie machtlos waren. Die beiden Immobilienspekulanten sehen sich so sehr als Opfer, dass sie eine GoFundMe-Kampagne eingerichtet haben. Anders als etwa auf Kickstarter werden auf diesem Portal Spenden für in Not geratene Menschen gesammelt. "Hier geht’s um mehr als nur die Straße", sagte Cheng. "Wir treten für das Gesetz ein." Allerdings mochte kaum jemand etwas spenden, damit die beiden den Bewohnern Straße und Parkplätze wieder bekommen. Nur zehn Prozent ihres Ziels von 50.000 Dollar kamen bislang zusammen.


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