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Serben im Kosovo: Rübermachen oder bleiben?

700 Serben leben in Velika Hodscha, einem Dorf im neuen Mini-Staat Kosovo. Umgeben von albanischen Dörfern, mit denen sie nichts verbindet, außer eine blutige Geschichte. Nun stehen sie vor der Wahl zu bleiben oder nach Serbien zu gehen. Dort aber gelten sie als Verräter.

Von Tilman Wörtz, Velika Hodscha

Er ist wieder da: Der Nato-Panzer, der nach dem Krieg einige Jahre lang die Zufahrt zum serbischen Dorf Velika Hodscha kontrolliert hat, dann überflüssig wurde, nun aber wieder gebraucht wird. 700 Serben leben noch in Velika Hodscha, mitten im neuen Mini-Staat gelegen, und umgeben von albanischen Dörfern, mit denen sie nichts verbindet, außer eine blutige Geschichte - und die Landschaft.

Das Dorf liegt in einem malerischen Tal. Weinberge und Felder ziehen sich die Hänge hinauf. Das meiste Ackerland Velika Hodschas liegt jenseits des Kamms und kann vom Dorf aus nicht eingesehen werden. Die Einwohner trauen sich aus Furcht vor den albanischen Nachbarn nicht hinüber, lungern stattdessen auf dem Kirchplatz herum und tratschen die Langeweile tot.

Eine Meldung auf dem Handy-Display nach Einfahrt in Velika Hodscha: "Herzlich Willkommen Telekom Srbija! Vorwahl: 1230" - Einwohner und Besucher telefonieren über ein serbisches Netz. In einer kleinen Gaststube, die nicht mal einen Namen hat, läuft nur serbisches Fernsehen, auch mit Dinar kann bezahlt werden. Den einzigen Kontakt zur Außenwelt stellen Busse her, die Velika Hodscha mit zwei anderen serbische Enklaven verbindet: dem Serbenviertel im drei Kilometer entfernten Städtchen Rahovec und dem eineinhalb Stunden nördlich gelegenen Mitrovica an der Grenze zu Serbien. Dort gibt es besser sortierte Supermärkte und Geschäfte, nicht nur Krämerläden wie in Velika Hodscha. An zwei Tagen in der Woche fahren die Busse. An den restlichen verlässt kaum jemand das Dorf.

Hälfte der Bewohner dem Dorf entflohen

Schon die Hälfte der 1500 Einwohner ist seit dem Krieg der Enge entflohen, hat zu Verwandten in Serbien rübergemacht. Überall in den Gässchen zeugen eingefallene Dächer und dunkel glotzende Fensterrahmen ohne Glas von der Abwanderung. Wie lange werden es die anderen noch aushalten? "Warum sollten wir weggehen? Hier ist unsere Heimat, hier ist Serbien!", brummt ein alter Mann trotzig. Die jungen Leute im Café "Sezam" sagen das gleiche. Bei ihnen klingen die Sätze allerdings kraftlos.

Sosi, ein hagerer 23-Jähriger, sitzt seit dem Abschluss der Dorfschule nur mit Freunden im Kaffee, raucht und trinkt Rakia. Vor kurzem hat er es einmal versucht und ist auf Jobsuche zu einem entfernten Onkel nach Belgrad gezogen. In der serbischen Hauptstadt ist die Arbeitslosigkeit aber so hoch, dass er als Migrant erst recht keinen Job fand. "Also hat mich mein Onkel wieder zurückgeschickt", sagt Sosi und lächelt verlegen. Er galt in Serbien ohnehin als Verräter, weil er und seine Leute aus dem Dorf den Albanern das Kosovo überlässt. "Es war schlimmer als hier", sagt er.

Acht Mitarbeiterinnen regeln Papierkram

Neben dem Kaffee "Sezam" befindet sich das "Koordinationsbüro". Acht Mitarbeiterinnen regeln in dem kleinen Raum amtlichen Papierkram. Eine führt das Ehe- und Geburtsregister. Eine andere kümmert sich um Pensionsansprüche der Einwohner von Velika Hodscha, die vor dem Krieg in einer Plastikfabrik gearbeitet haben und auch heute noch jeden Monat Geld bekommen - nun vom jungen kosovarischen Staat. Dass der hauptsächlich von albanischen Beamten verwaltet wird, müssen die Mitarbeiter im Koordinationsbüro notgedrungen schlucken.

Alle paar Minuten schaut ein neues Gesicht herein. Die Leute kommen zum Plaudern her. Politik ist Dauerthema. "Katastroff!" stöhnt die Büroleiterin und winkt ab. Borjam Nakalamic, 27, bleibt konstruktiv: "Wir müssen eine Lösung mit unseren Nachbarn finden, sonst hält's doch niemand hier aus!", sagt er zwischen zwei Zigarettenzügen.

Sehr moderate Worte im Vergleich zu den Boykottaufrufen aus dem fernen Belgrad. Die Regierung lehnt jede Zusammenarbeit mit kosovarischen Behörden ab und übt auch auf die serbischen Enklaven Druck aus. Kindergeld und Stütze für Bedürftige sollen den Widerstand erleichtern. Doch die Beträge sind winzig.

Vierzig Euro erhält Borjams Mutter aus Serbien direkt, hundert Euro dagegen aus der städtischen Pensionskasse - also vom neuen Staat. Borjam selbst verdient keinen Cent für sich und seine Familie, die erst vor 45 Tagen um den zweiten Sohn Srbdjub, "Liebe für Serbien", gewachsen ist. Er ist auf die Hilfe seiner Mutter angewiesen. Das soll sich ändern: "Ich will als Lokalpolitiker arbeiten." Einen Anzug und eine lilagoldene Krawatte hat er für den Ernstfall schon angelegt.

Abgeordnetendiät statt Sozialhilfe

Seine Idee: Abgeordneter für Velika Hodscha in der Distriktversammlung werden und so Anspruch auf eine Diät erwerben. Die Serben haben zwar die vergangene Wahl im Kosovo boykottiert. Ihre Repräsentanten können aber im Nachhinein Unterschriften sammeln und auf diesem Weg von der Distriktverwaltung anerkannt werden.

Dass solche Regeln für Minderheiten im Kosovo gelten, ist der Arbeit und Beharrlichkeit der UN-Verwaltung und der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit) zu verdanken. Die Internationale Gemeinschaft wachte auch darüber, dass alle sechs Ethnien, die im Kosovo leben, in der neuen Landesfahne repräsentiert sind. Einer der sechs gelben Sterne, die über der Silhouette des Landes leuchten, gilt den Serben.

Von der Fahne will Borjam Nakalamic nichts wissen: "Es gibt keinen unabhängigen Staat Kosovo. Soll sich etwa Velika Hodscha auch für unabhängig erklären?" Der junge Politiker schwankt ständig zwischen serbischem Nationalismus und tiefer Verunsicherung, die übertrieben scheint angesichts der Ruhe im Dorf. "Wenn Panik ausbricht und der erste flieht, folgen zehn weitere. Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt. Aber ausschließen kann das niemand."

Seit vier Jahren gab es keinen Mörserbeschuss mehr aus den Nachbardörfern, die gemischte Polizeipatrouille aus einem Serben und Albaner muss auch nicht mehr den Shuttle-Bus begleiten, sondern kann sich mit den junge Leuten auf der Terrasse des "Sezam" wintersonnen.

Von den bisher Ausgewanderten ist niemand zurückgekehrt

Von den bisher Ausgewanderten ist niemand nach Velika Hodscha zurückgekehrt. Der einzige Zuzug waren vier Mönche, die jetzt im Kloster auf der Anhöhe leben. Keiner von ihnen stammt aus dem Kosovo, aber hier sehen sie das spirituelle Zentrum der Serben, das es zu verteidigen gilt.

"Ich bleibe, auch wenn ich mit meinem Leben dafür bezahlen muss", brummt Bruder Xenophans, ein großer Mann im schwarzen Kaftan, dessen Gesicht in einem mächtigen Bart versinkt. Sein Abt Mirane lenkt den martialischen Ton ins Melancholische. Er greift zu einer Volvic-Flasche auf dem Fenstersims hinter sich und nimmt einen kräftigen Schluck selbstgebrannten Rakias, den er in der Flasche abgefüllt hat. Dann sagt er sehr bedächtig und mit leiser Stimme: "Wir hoffen, dass die Religionsfreiheit respektiert wird - wer auch immer im Kosovo das Sagen hat." Es klingt, als habe der Abt den neuen Status bereits akzeptiert.

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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.