HOME

Streit um Stuttgart 21: Demonstranten blockieren Zufahrt zum Südflügel

Trotz Schlichtung gehen die Proteste weiter: Gegner von Stuttgart 21 haben am Morgen die Einfahrt zur Baustelle am Südflügel blockiert. Sie befürchten, dass der vereinbarte Baustopp nicht eingehalten wird.

Rund 120 Menschen haben am Dienstagmorgen die Einfahrt zum Bautor am Südflügel des Stuttgarter Bahnhofs blockiert. Dies bestätigten eine Sprecherin von Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 und die Polizei. Die sogenannten Parkschützer wollen die umstrittenen Bauarbeiten am Grundwassermanagement für Stuttgart 21 behindern. Sie befürchten, dass das Wassermanagement zu unkontrollierbaren geologischen Veränderungen und zur Verunreinigung der Mineralwasservorkommen im Stuttgarter Talkessel führt. Auch bestehe die Gefahr, dass die Bäume im Schlossgarten absterben. Zudem werde die Stadt durch eine 17 Kilometer lange oberirdische Wasserleitung verschandelt. Am Vormittag wurde die Blockade von der Polizei aufgelöst. 57 Personen wurden weggetragen, sie werden wegen Nötigung angezeigt.

Die Grundwasserregulierung ist aus Sicht der Bahn eine Voraussetzung für den Fortgang der Bauarbeiten, insbesondere für den Aushub des Trogs für den unterirdischen Bahnhof. Gemäß der während der Schlichtung zu Stuttgart 21 vereinbarten Friedenspflicht sind Bauarbeiten am Grundwassermanagement weitgehend ausgeschlossen. Andere Projektgegner, die im Gegensatz zu den Parkschützern an der Schlichtung teilnehmen, haben sich mittlerweile mit dem Fortgang weiterer Erdarbeiten arrangiert. Diese müssten aber bis kurz vor der nächsten Schlichtungsrunde am kommenden Freitag abgeschlossen sein.

Gemeinsame Besichtigung verschoben

Der für Dienstag geplante Besichtigungstermin des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist auf Mittwoch (13.00 Uhr) verschoben worden. Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen "Stuttgart 21", Gangolf Stocker, sagte, Schlichter Heiner Geißler könne bei dem Treffen am Dienstag nicht dabei sein. Deswegen sei dieses auf Geißlers Wunsch verschoben worden. Gegner des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" wollten sich ursprünglich am Dienstagmorgen mit Vertretern der Bahn zu einer Besichtigung der Baustelle am Südflügel des Hauptbahnhofs treffen. Sie wollten sich vergewissern, dass die unter der Vermittlung von Geißler erzielte Bauunterbrechung während der Schlichtungsgespräche eingehalten wird. Beide Parteien hatten vor Beginn der Gespräche vereinbart, dass die Bahn die Arbeiten am Gleisvorfeld fortsetzen darf. Als Zugeständnis an die Gegner erklärten sich Bahn und Landesregierung bereit, die Bauarbeiten am umstrittenen Grundwassermanagement nur teilweise weiterzuführen. Die Entkernung des Südflügels sollte gestoppt werden. Bauaufträge sollen zudem vorerst nicht vergeben werden.

DPA/DAPD / DPA