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Fehlentscheidung Hauskauf: Trautes Heim. Glück. Allein: Ich habe ein Haus gekauft und es bereut

Was passiert, wenn die Erfüllung eines Traums nicht zum Leben passt? Unser Autor sehnte sich nach einem eigenen Haus. Doch als er es besaß, folgte – Heimweh. Ein Erfahrungsbericht.

Von Tobias Schmitz

Hauskauf Fehlentscheidung: Trautes Heim. Glück. Allein.

Mein Haus. In einem Hamburger Vorort. Aus Holz. Mit schönem Garten. Perfekt. Eigentlich.

Früher hatte ich ein Zuhause. Dann kaufte ich ein Haus. Und mein Leben wurde kompliziert. Es fühlte sich falsch an. So, als sollte es besser ein anderer führen. Ich dachte: Gib dir Zeit. Streng dich an. Es wird schon werden. Aber es wurde nicht. Aus Anstrengung wurde Unbehagen, aus Unbehagen Gewissheit: falscher Ort, falsche Zeit, falsche Entscheidung.

Aber – der Reihe nach.

Seit Ewigkeiten hatte ich mir ausgemalt, wie schön das sein würde: ein Haus, meins, am liebsten freistehend, so wie es sich Umfragen zufolge etwa 70 Prozent meiner Landsleute wünschen. Ich wollte ein Haus mit Garten, Terrasse und Apfelbaum. Mit einem Keller, in dem selbst gekochte Marmelade steht und eine Tiefkühltruhe mit portionsweise eingefrorener Hühnerbrühe. Doch all das schien für mich – unerreichbar.

Ich lebte mit Frau und zwei Kindern in einer Mietwohnung im Hamburger Stadtteil , dort, wo sehr viele mitteljunge Familien leben wollen: Elbnähe, Parks, ruhige Straßen, gute Schulen, Eisdielen, Kneipen. Eigene vier Wände waren hier zuletzt vor etwa 15 Jahren bezahlbar. Vor zwei Jahren sollte eine sanierungsbedürftige Eigentumswohnung aus den 50er Jahren, 90 Quadratmeter, 500.000 Euro kosten. Plus 60.000 Euro Kaufnebenkosten.

Ich glaubte fest an meine logistischen Fähigkeiten

Ich hatte also mit meinem Traum abgeschlossen. Eigentlich. Dann und wann trieb ich mich schon noch auf den Immobilienseiten im Internet herum. Meine Sehnsucht nach Marmelade und Hühnerbrühe wurde nicht kleiner. Und in unserer Mietwohnung schimmelte es jeden Winter, der Keller war feucht, und den Nachbarn unter uns waren wir zu laut.

Eines Tages, ich schaute mal wieder ins Internet, da sah ich: das Haus. Sicher, es stand im Hamburger Westen, mehr Vorort als Stadt, aber: finnische Blockbauweise, groß genug, mit Keller, Kamin und Garten. Mit Terrasse und – tatsächlich – einem kleinen Apfelbaum. Von privat. Keine Maklercourtage, kein Renovierungsstau, Brennwertheizung. Beim Besichtigungstermin schlug uns der wunderbare Duft von Holz entgegen. Da standen wir nun, mittendrin, in unserem Traum, schöner als alles, was wir in den vergangenen zehn Jahren angeschaut hatten. Der Gutachter fand keinen Mangel, die Bank uns vertrauenswürdig, ja, wir würden umziehen, weiter nach Westen, Vorort-Idyll. "Alles wird gut", versprach ich meinen Kindern. Und: "Ihr bleibt auf euren Schulen. Ihr behaltet eure Freunde. Keine Sorge!"

Hamburg-Ottensen. Zurück im Leben. Sommer in der Stadt. Ohne Garten. Ohne Terrasse. Aber ich bin wieder zu Hause

Hamburg-Ottensen. Zurück im Leben. Sommer in der Stadt. Ohne Garten. Ohne Terrasse. Aber ich bin wieder zu Hause

Ich glaubte fest an meine logistischen Fähigkeiten. Natürlich hatte ich die Strecke abgefahren. Morgens und abends. Im Berufsverkehr und außerhalb. 14 Kilometer vom Haus bis zur Arbeit, ziemlich in der Wegesmitte lagen die Schulen unserer . Ich würde sie morgens bringen und nachmittags abholen. Ganz einfach. Und hätte ein eigenes Haus. Fertig.

Im April 2016 sitzen wir beim Notar. Er spricht allgemein Unverständliches. Wenn Sie bitte hier unterschreiben wollen. Ich will. Bin endlich Eigentümer. Zumindest von ein paar Zimmern. Der große Rest wird jahrzehntelang der Bank gehören. Aber wenn ich alt bin, werde ich den hoffentlich zahlreichen Enkelkindern beim Schaukeln in meinem Garten zusehen.

Jeden Morgen taumeln vier verschlafene Hausbesitzer zum Auto

Schlüsselübergabe. Mit Farbe und Pinsel bewaffnet entere ich mein Haus. Stolz wie ein Nobelpreisträger. Einzug Juli 2016. Champagner! Dann fahre ich in den Urlaub. Und dann ...

... beginnt der Alltag. Wir sind jetzt Pendler. Viel frühere Frühaufsteher. Jeden Morgen taumeln vier verschlafene Hausbesitzer zum . Erste Ampel: geschafft. Zweite Ampel: Stau. Warum Stau? Ich hatte doch alles abgefahren. Warum war früher kein Stau? Puls wird schneller. Links abbiegen ins Wohngebiet. Schleichwege. Die kennen andere Pendler offenbar auch. Puls rast. Ich komme aber voran. Puls beruhigt sich. Da springt aus dem Nichts ein Müllwagen hervor. Blockiert die Straße. Erste Mülltonne. Ruckelruckel. Zweite Tonne. Ruckelruckel. Die Männer der Stadtreinigung scherzen. Macht hinne, verdammt! Dritte Tonne. Es geht vier Meter vorwärts. Vierte Tonne. Der Müllwagen gibt den Weg frei. Endlich.

Ich jage durch Tempo-30-Zonen, in einer schießt die aus dem Hinterhalt freundlicherweise ein Familienfoto. Schweißausbrüche. Wie schnell war ich?

Ich erreiche die Schule, werfe die Kinder aus dem Auto, suche einen Parkplatz. Nun steige ich aufs Rad. Stauvermeidung und Fitnesstraining. 8.10 Uhr, Ankunft im Büro. Ich bin müde, abgehetzt, gereizt.

Nachmittags auf dem Rückweg: zäh fließender Verkehr. Stillstand. Ich beginne zu verstehen, warum neben Köln und Stuttgart zu den "Stau-Höllen Deutschlands" zählt. Endlich an der Schule angekommen, kommt mir mein Sohn strahlend entgegen und fragt: "Ich habe mich verabredet. Kannst du noch mal wegfahren?" Ich seufze. Erst hatte ich zu wenig Zeit, nun habe ich welche über. Heimfahrt lohnt nicht. Also Zeit totschlagen in der Stadt.

Nach dem Hauskauf: Auf Hochgefühl folgt Müdigkeit

So – oder schlimmer – geht es nun jeden Tag. Bedeutet: Zu Hause sind wir eher selten und meist sehr spät. Dann: Abendbrot, Kinder ins Bett, ein Glas Rotwein, gute Nacht, Schatz. Von unserem Eigenheim haben wir nichts. Außer am Wochenende und in den Ferien. Unser Leben aber besteht aus Alltag. Und so sitze ich vor meinem Kaminfeuer und frage mich: Soll das wirklich so weitergehen?

Auf Hochgefühl folgt Müdigkeit. Blicke ich in meinen Garten, denke ich: ein schöner Garten. Aber ich muss dringend Rasen mähen. Und Unkraut rupfen. Den Apfelbaum beschneiden. Und die Dachrinne reinigen. Und in fünf bis zehn Jahren braucht das Haus einen Anstrich. Immer bin ich dran. Keine Hausverwaltung mehr, sondern: noch mehr Verantwortung, noch mehr Stress.

Ich komme mir vor wie ein Logistikunternehmer. Altere jeden Tag um eine Woche, jede Woche um einen Monat, jeden Monat um ein Jahr – so fühlt es sich an.

"Seid ihr glücklich im neuen Haus?", fragen Freunde und strahlen. Ich nicke tapfer. Kann selbst kaum fassen, dass ich diesmal nicht so bin wie die Mehrheit: Einer Immobilien-Studie zufolge sind zwei Drittel der Eigenheimbesitzer mit ihrer Wohnsituation zufrieden.

Ich bin es nicht. Dieses unangenehme Gefühl versuche ich mit einer bewährten Strategie zu bekämpfen: mit Selbstoptimierung. Früher aufstehen, mehr Zeit einplanen, Termine besser managen. Es führt nicht weiter. Ich war in das Haus verliebt, aber daraus entwickelt sich keine Liebe. Ich sehne mich nach dem Gefühl, nach Hause zu kommen. Und finde es nicht. Habe ich einen Abendtermin in der Innenstadt, verfluche ich den Heimweg, den ich noch vor mir habe.

Es geht mir genau so, wie die britische Autorin Tiffany Watt Smith in ihrem "Buch der Gefühle" schreibt: "Enttäuschungen hinterlassen nicht nur Zeichen von Traurigkeit. Es wird auch Verwirrung verspürt, und diese führt zu der kraftraubenden Erkenntnis, dass das Leben einmal mehr neu gestaltet werden muss."

Schon mal versucht, mit eineinviertel Gehältern ein Haus in Hamburg abzuzahlen?

Genau. Ich wollte Ruhe. Und soll stattdessen schon wieder gestalten. Bei einem großen Theoretiker der Enttäuschung kann man nachlesen, was da eigentlich passiert mit mir: Sigmund Freud schrieb von "narzisstischen Kränkungen", die einem durch Enttäuschungen zugefügt werden. Mein Selbstgefühl ist erschüttert und verletzt. Weil die Geschichte vom Einfamilienhaus-Idyll, die ich mir so lange erzählt habe, nicht idyllisch endet. Weil sich diese Enttäuschung so gottverdammt nach Scheitern auf ganzer Linie anfühlt.

"Gebt euch mehr Zeit", raten Freunde. "Probiert es mal mit Homeoffice!" Andere empfehlen, wir sollten beruflich kürzertreten, um mehr Zeit fürs Haus zu haben. Sehr witzig. Schon mal versucht, mit eineinviertel Gehältern ein Haus in Hamburg abzuzahlen? "Setzt euch nicht unter Druck", sagen meine Eltern, "in ein paar Jahren werdet ihr nicht wieder wegwollen."

In ein paar Jahren? Wir leben jetzt! Was, wenn das Gefühl, am falschen Ort zu sein, bleibt? Aber einen Hauskauf kann man nun mal nicht einfach rückgängig machen! Oder? Es dauert viele Wochen, bis ich mir endlich eine wichtige Frage stelle: Besitzt meine Kaufentscheidung wirklich noch jenen Grad von Endgültigkeit wie in den Generationen meiner Eltern und Großeltern? Früher war die Sache klar: Man plagte sich, kam zu ein bisschen Wohlstand, kaufte ein Reihenhaus, und zum Einzug gab es einen Käse-Igel. Mama blieb zu Hause, Papa arbeitete. Die nächsten 40 Jahre sah man die Kinder heranwachsen und goss die Geranien.

Aber – ist so mein Leben?

Im Dezember 2016 fahre ich mit meiner Frau für zwei Tage an die See. Ohne Kinder. Wir gehen am Wasser spazieren. Bleiben stehen. Schauen uns an. "Bist du zufrieden mit deinem Leben?" – "Nein!" – "Warum nicht?" – "Heimweh. Unser neuer Alltag ist so anstrengend." So geht es mir auch. Aber was folgt daraus? "Die Herausforderung des Lebens besteht darin, herauszufinden, wie man sich verhält, wenn man keine Ahnung hat, was man tun soll", schreibt der amerikanische Autor Jamie Holmes.

Meine Mutter bricht in Tränen aus. Kollegen starren uns ungläubig an

War unsere Entscheidung für das Haus voreilig? Eher nicht. War sie irrational? Nein. Eher – im Gegenteil. Eigentlich schwammen wir damit doch perfekt im Mainstream des Immobilienrausches, entlang der Metropolen-Ideologie von: Wie, du wohnst immer noch zur Miete?! Die Zinsen sind doch so niedrig! Denk an den Vermögensaufbau!

Es vergeht noch einmal einige Zeit, doch dann gestehe ich mir das Ungeheuerliche ein: volle Kraft zurück. Fast jede Entscheidung lässt sich rückgängig machen. Klingt gut. Aber ich fürchte mich vor den Folgen.

Tatsächlich muss ich nun in Deckung gehen. "Spinnst du jetzt total?", mailt ein Freund. Meine Mutter bricht in Tränen aus. Kollegen starren uns ungläubig an. "Wie kann man ein Projekt bloß so an die Wand fahren?", fragt einer. "Verkauft die Hütte bloß nicht", rät ein anderer, "so ein tolles Haus in so einer Lage! Nicht in diesen Zeiten! Du musst vermieten!"

Dafür bin ich aber nicht der Typ. Ich will mich nicht schon wieder mit Verträgen, Steuerfragen, Abschreibungsvorschriften auseinandersetzen. Will nicht Mieter begutachten, Selbstauskunftsbögen verteilen, vertraglich festlegen, dass der Garten pfleglich zu behandeln sei. Nein!

Wir verkaufen. Ohne Makler. Ich schalte eine Anzeige bei einer Immobilien-Suchmaschine. Die erste Mail mit Bitte um einen Besichtigungstermin trifft nach einer Minute ein. Nicht mal drei Stunden später nehme ich die Anzeige aus dem Netz. 55 Interessenten haben sich gemeldet. Ich organisiere 33 Besichtigungstermine. Zwei Wochenenden und drei Nachmittage lang empfange ich nun Gäste. Und hier ist das Schlafzimmer. Sehr schön! Und hier haben die Kinder ihr eigenes Reich. Wie hübsch! Waren Sie schon im Keller? Nein, noch nicht. Ich gehe dann mal vor ...

Ich verkaufe meinen Lebenstraum. Bekomme dafür Geld. Löse den Kredit ab

Vier Familien wollen sofort kaufen, drei erbitten sich Bedenkzeit. Eine Familie ist uns ganz besonders sympathisch. Der Sohn des Ehepaars hat sich sofort ins Zimmer unserer Tochter verguckt. Passt.

Im März treffen wir uns bei der Notarin. Sie verliest Unverständliches. Was ich immerhin begreife: Ich verkaufe meinen Lebenstraum. Bekomme dafür Geld. Löse den Kredit ab. Die anderen bekommen unser Haus. Und den Rasenmäher. Händeschütteln. Ich überreiche eine Flasche Champagner und eine Pflanze für unseren Garten, der bald ihr Garten sein wird. Kloß im Hals. War das die richtige Entscheidung?

"Ach", sagt Martina Kluth, "mit Entscheidungen ist das so eine Sache." Kluth arbeitet als Coach und berät Menschen, die sich verändern wollen. "Wichtig ist, dass wir Entscheidungen auf der Grundlage von Selbstvertrauen fällen – und nicht auf der Grundlage von Ängsten."

Aber woher wissen wir, ob unsere Entscheidung richtig oder falsch ist? Kluth sagt: "Das können wir leider immer erst im Nachhinein beurteilen. Oft aber sogar dann nicht, weil wir nicht wissen, wie es mit einer Alternative verlaufen wäre. Wir verfügen weder über alle Informationen, noch können wir die Konsequenzen unserer Entscheidung und sonstige Überraschungen der Zukunft vorhersehen. Vielleicht hilft es Ihnen, sich klarzumachen: Eine perfekte Entscheidung zu treffen ist unmöglich!"

Ja, das hilft. Aber nur ein wenig. "Sie sind nicht allwissend und haben keine Glaskugel", sagt Martina Kluth, "also sollten Sie sich auch das Recht auf Fehler zugestehen. Eine Entscheidung, die Sie heute guten Gewissens getroffen haben, können Sie morgen nicht bereuen. Denn Sie haben sie nach bestem Wissen getroffen."

All das Schöne hatte sich direkt vor unseren Augen abgespielt. Aber wir hatten es nicht gesehen

Gerade sind wir in die neue Wohnung gezogen, zurück in unseren alten Kiez. Vier Zimmer, kein Keller, kein Garten, kein Apfelbaum. Wir zahlen für die Miete nun mehr als für die Abtragung des Kredits. Manchmal fühlt sich der Umzug wie eine Klärung an – und manchmal wie ein Scheitern.

Der Schauspieler Matthias Brandt hat in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" einmal gesagt: "Ich glaube, dass wir grundsätzlich ein seltsames Verhältnis zum Scheitern haben. Das liegt an dem Selbstoptimierungsquatsch, diesem elenden Effizienzdenken. Man versucht systematisch, das Scheitern aus unserem Leben auszublenden. Nur weil irgendjemand mal die Behauptung aufgestellt hat, das dürfe nicht sein. Alles, was nicht gelinge, sei nichts wert. Aber wer sagt das eigentlich? Für mich ist Scheitern wesentlich, ich habe alles Wesentliche durch das Scheitern gelernt."

Dieser Gedanke tröstet mich. Ich weiß jetzt, was für mich wirklich zählt: Zeit. Zeit mit jenen Menschen verbringen zu können, die mir nahe sind. Familie. Freunde. Wir hatten uns Friede, Freiheit, Eierkuchen erträumt – und etwas Entscheidendes übersehen: Eigentlich hatten wir längst unser Zuhause gefunden – mit kurzen Wegen, gut eingespielten Abläufen und einer Nachbarin, die uns längst zur Freundin geworden war und die neben guten Gedanken auch regelmäßig Kuchen und Rotwein vorbeigebracht hatte. All das Schöne hatte sich direkt vor unseren Augen abgespielt. Aber wir hatten es nicht gesehen.

Heute weiß ich: Wenn ein eigenes Haus, dann ganz oder gar nicht. Wir wollten Veränderung in unserem Leben, aber das meiste sollte bleiben, wie es war. Statt den radikalen Schnitt zu machen, habe ich versucht, mein vertrautes Leben weiterzuleben, und dabei die meiste Zeit im Auto verbracht. Das war falsch.

Der Abschied fühlt sich seltsam an, aber richtig

Manchmal beobachte ich, wie sich vor unserem neuen Wohnzimmerfenster der Verkehr staut. Ich betrachte die Blechkolonnen mit größter Gelassenheit. Weil ich nun wieder das Fahrrad nehme. Ins Büro, zu Freunden, in die Kneipe, auf den Wochenmarkt. An jenem Morgen, als meine Kinder fröhlich herumalbernd zum ersten Mal wieder allein zur Schule gingen, fühlte es sich an, als löse sich ein dicker Knoten, tief in mir.

Neulich haben wir den neuen Eigentümern die Schlüssel zu unserem Haus übergeben. Im Garten sind aus den vielen, vielen Pflanzzwiebeln, die wir im Herbst vergraben hatten, herrliche Blumen geworden. Der Apfelbaum wird reiche Früchte tragen. Der Abschied fühlt sich seltsam an, aber richtig.

In der Nacht darauf liege ich lange wach und denke: Was für ein absurdes Jahr! Da ertönt von der Elbe her: das Tuten eines Schiffes. Wie habe ich dieses Geräusch vermisst. Ich spüre wieder meinen Puls. Er geht ruhig und gleichmäßig. Nein, es ist nicht absurd, denke ich. So läuft das Leben manchmal. Du hattest ein Haus. Jetzt bist du wieder: zu Hause.