VG-Wort Pixel

Milliarden-Fusion am Wohnungsmarkt Vonovia darf Deutsche Wohnen übernehmen

Grünes Licht für Einkaufspläne von Vonovia
Grünes Licht für Einkaufspläne von Vonovia
© Roland Weihrauch/DPA
Das Bundeskartellamt hat keine Bedenken gegen die Pläne des größten deutschen Immobilienkonzerns Vonovia zur Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen. Vonovia bietet für den Kauf des Konkurrenten rund 14 Milliarden Euro.

Das Bundeskartellamt hat die Übernahmepläne von Deutschlands größter Immobiliengesellschaft Vonovia genehmigt. Der angestrebte Kauf der Nummer zwei auf dem Markt, der Deutsche Wohnen, werde nicht zu einer marktbeherrschenden Stellung von Vonovia oder zu einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs führen, teilte die Behörde in Bonn am Montag mit. Vonovia will Deutsche Wohnen für rund 14 Milliarden Euro übernehmen - das Objekt der Begierde lehnt das ab.

Vonovia werde im Falle einer erfolgreichen Übernahme mit einem Bestand von rund 500.000 Mietwohnungen ihre Position als führendes Unternehmen der Branche ausbauen, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Daher habe das Kartellamt die betroffenen "lokalen und regionalen Märkte" gründlich untersucht - insbesondere Bingen am Rhein, Dresden, Kiel, Laatzen, Wustermark und Berlin. Dabei konzentrierten sich die Wettbewerbshüter besonders auf "Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit normaler Ausstattung" und einer Nettokaltmiete von sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter. Mieter solcher Wohnungen seine meist Familien mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.

Vonovia wird voraussichtlich nicht den Markt beherrschen

In allen Regionen seien Privatvermieter, kommunale Wohnungsunternehmen, Wohnungsbaugenossenschaften sowie weitere gewerbliche Anbieter so stark vertreten, dass eine marktbeherrschende Stellung von Vonovia oder eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs nicht zu erwarten sei, lautet das Fazit des Kartellamtes. Auch bei Betrachtung der Wohnungen für Familien mit kleinem Einkommen hätten sich "keine Hinweise auf eine kritisch zu bewertende Konzentration" ergeben. Die Kartellwächter hätten auch den Mieterschutz berücksichtigt - entsprechende Verordnungen der Länder und Kommunen sorgten dafür, dass Mieterhöhungen bei einem Eigentümerwechsel nur "unter strengen Voraussetzungen" möglich seien.  Vonovia war im Dezember 2014 aus der Fusion von Deutsche Annington und Gagfah hervorgegangen. Die Immobiliengesellschaft aus Bochum verfügt derzeit über rund 367.000 Wohnungen und stieg im September in den Deutschen Aktienindex (Dax) der 30 größten börsennotierten Unternehmen auf. Deutsche Wohnen hat etwa 147.000 Wohnungen in ihrem Besitz und hat vor kurzem vereinbart, für 1,2 Milliarden Euro noch 13.600 Wohnungen in Berlin und Kiel dazuzukaufen.

Die Aktionäre von Vonovia hatten Ende November auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ihre Zustimmung für den Kauf von Deutsche Wohnen erteilt. Seit dem 1. Dezember läuft das Angebot an die Aktionäre von Deutsche Wohnen, ihre Anteile an Vonovia zu verkaufen. Die Frist endet am 26. Januar. Vonovia muss mindestens 50 Prozent plus eine Aktie bekommen.

Vonovia erwartet 84 Millionen Euro an Einsparungen

Dies sei die Schwelle, die für die Realisierung des vollen Synergiepotenzials notwendig sei, hatte Vonovia erklärt. Der Immobilienkonzern erwartet Einsparungen von jährlich 84 Millionen Euro, wenn er dann mehr als eine halbe Milliarde Wohnungen betreut. Die Wohnungen von Vonovia und Deutsche Wohnen ergänzten sich "ideal".

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn hatte zuletzt Anfang November in einem Brief an die Vonovia-Aktionäre gegen den "unerwünschten und feindlichen Übernahmeversuch" argumentiert. Vonovia biete eine der "niedrigsten Übernahmeprämien aller Zeiten". Das Angebot spiegele das Wertpotenzial der Deutsche Wohnen nicht wider. Er rechne mit "Dissynergien" - also Verlusten - in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro jährlich nach der Fusion.

Das grüne Licht des Kartellamts ändere nichts an dieser Haltung. Deutsche Wohnen habe die Entscheidung erwartet, sagte eine Sprecherin am Montag. Es handle sich um eine rein "technische Sache".

jen AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker