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Datenanalyse Inflation seit 1991: Was wirklich immer teurer wird – und wo die Preise sogar sinken

Die Inflation stieg zuletzt massiv an. Wir zeigen, welche Kategorien besonders betroffen sind.
Die Inflation stieg zuletzt massiv an. Wir zeigen, welche Kategorien besonders betroffen sind.
© Thomas Koehler, Ruslan Olinchuk, Frank Molter / Picture Alliance
Zuletzt erschütterte die drastisch gestiegene Inflationsrate in Deutschland viele Verbraucher. Was aber wird wirklich teurer und wo sinken die Preise sogar? Eine Datenanalyse gibt darüber Aufschluss.

Mit monatlichen Inflationsraten von 4 Prozent und mehr stiegen die Lebenshaltungskosten in Deutschland im Jahr 2021 so stark wie seit langem nicht mehr an. Im September stieg die Inflation erstmals seit 1993 auf mehr als 4 Prozent an. Im Oktober erwischte es Verbraucher noch heftiger: Die Preise stiegen in diesem Monat um 4,5 Prozent an. Diese Zahlen zeigen allerdings nur bedingt, wie teuer einzelne Produkt- und Dienstleistungs-Kategorien geworden sind. Ein Blick in die Daten zeigt: Die einzelnen Segmente entwickeln sich sehr unterschiedlich, nicht überall sind die Preissteigerungen derart drastisch. Zum Teil sinken die Preise sogar.

Inflation bei Grundbedürfnissen und lebensnotwendigen Waren und Dienstleistungen

Sehen wir uns zunächst die wichtigsten Inflationszahlen bei Waren und Dienstleistungen für Grundbedürfnisse an, also aus den Kategorien Nahrungsmittel, Bekleidung, Wohnung, Energie, Gesundheit und Verkehr. Die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen hier, was den meisten Menschen auch aus dem täglichen Leben plausibel vorkommen dürfte: Besonders stark fand die Preissteigerung in den letzten 30 Jahren in den Bereichen Verkehr, Energie sowie Wohnen statt. Seit 1991 haben sich die Kosten in diesen Kategorien mehr als verdoppelt.

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Ebenfalls stark angestiegen sind die Gesundheitskosten. Einen großen Sprung gab es dabei vor allem durch die Gesundheitsreform 2004. Unter anderem wurde damals die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal eingeführt, außerdem mussten Patienten bei Arznei- und Hilfsmitteln 10 Prozent der Kosten zwischen 5 und 10 Euro selbst tragen. Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und Brillen mussten sogar komplett vom Patienten bezahlt werden. Als die Praxisgebühr Anfang 2013 wieder abgeschafft wurde, sank auch die Inflationsrate im Gesundheitsbereich deutlich.

In den letzten 15 Jahren kommen zudem Nahrungsmittel als Kostentreiber hinzu. Waren die Preise bis 2006 nur moderat um etwa 15 Prozent gegenüber 1991 gestiegen, hat sich die Preissteigerung seitdem drastisch erhöht: Im gleichen Zeitraum wurden die Kosten für Lebensmittel nun um 45 Prozentpunkte teurer. Bekannte Beispiele sind etwa steigende Preise bei Getreide, wodurch Backwaren und Nudeln im Preis zulegten.

Inflation bei weiteren Kategorien – besondere Teuerungsraten bei Bildung und Genussmitteln

Noch stärker stiegen im Vergleich damit zwei andere Kategorien an: Für Bildung müssen deutsche Bürger heute zweieinhalb Mal so viel Geld ausgeben wie noch 1991. Und auch die Preise für Genussmittel wie Tabak und Alkohol stiegen deutlich um mehr als 130 Prozent an.

Besonders eklatant war der Sprung bei der Inflation im Bildungsbereich im Jahr 2007. Destatis teilt dazu mit, dass die Änderungen "im Zeitraum 2007 bis 2013 vor allem in der Einführung und Abschaffung von Studiengebühren in den Bundesländern begründet" sind. Daneben würden sich insbesondere in den letzten Jahren auch unterschiedliche Regelungen der Bundesländer beim Entgelt für Kindertagesbetreuung auf die Preisentwicklung auswirken.

Die positive Nachricht: Im Bereich Telekommunikation sinken die Preise sogar

Neben diesen für Verbraucher negativen Nachrichten gibt zumindest auch eine erfreuliche Ausnahme in den Statistiken von Destatis: Im Bereich Telekommunikation und Post sind die Preise in den 90er Jahren zwar noch moderat angestiegen, danach kehrte sich der Trend allerdings um. Inzwischen bezahlt man aber deutlich weniger als noch 1991 für Internet, Telefon und Briefe.

Hintergrund

Grundsätzlich ist eine stabile Inflationsrate von der europäischen Zentralbank (EZB) gewünscht. Die angestrebte Inflationsrate der EZB lag lange Zeit bei unter 2 Prozent. Aktuell ist das Ziel der EZB eine Inflationsrate von genau 2 Prozent. Die EZB sieht dieses Ziel als "symmetrisch" an, für die Zentralbank ist eine zu niedrige Inflationsrate also genauso negativ wie eine zu hohe Inflationsrate.

Verglichen mit den Teuerungsraten bei den Kategorien würde eine konstante jährliche Inflationsrate von 2 Prozent für den untersuchten Zeitraum von 30 Jahren durch Zinseszinseffekte eine Preissteigerung von 81 Prozent bedeuten (1,0230). Eine konstante Inflationsrate von 1,5 Prozent würde einen Preisanstieg um 56 Prozent nach sich ziehen.

Das statistische Bundesamt erhebt die Inflationsdaten zu einzelnen Kategorien wie "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke", "Alkoholische Getränke und Tabakwaren", "Bekleidung und Schuhe", "Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe", "Möbel, Leuchten, Geräte u.a. Haushaltszubehör", "Gesundheit", "Verkehr", "Post und Telekommunikation", "Freizeit, Unterhaltung und Kultur", "Bildungswesen", "Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen" sowie "Andere Waren und Dienstleistungen". Über diese Kategorien kann man nachvollziehen, in welchen Bereichen Waren und Dienstleistungen besonders teuer wurden – oder eben auch nicht

tvm

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