HOME

Italien: Parmalat-Gründer Tanzi gesteht Veruntreuung von Firmengeldern

Der im Zuge des Bilanzskandals verhaftete Gründer des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, hat erstmals eingeräumt, Firmengelder im Umfang von 500 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Erstmals hat der im Zuge des Bilanzskandals verhaftete Ex-Chef des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, zugegeben, Firmengelder im Umfang von 500 Millionen Euro veruntreut zu haben. Tanzi habe das Eingeständnis bei einem Verhör am Montag im Mailänder San Vittore-Gefängnis gemacht, teilte Tanzis Anwalt Fabio Belloni mit. "Er hat eingestanden, Gelder abgezweigt zu haben", sagte Belloni. Aus Justizkreisen verlautete zudem, Tanzi habe in dem Verhör auch zugegeben, die Bilanzen des größten Lebensmittelkonzerns des Landes gefälscht zu haben.

Auch Bilanzfälschung zugegeben

Tanzi war am Samstag verhaftet worden, er kann bis zu sechs Monate in Untersuchungshaft gehalten werden. Er wird der Unterschlagung von 800 Millionen Euro, Marktmanipulation und der Bilanzfälschung beschuldigt und kann bis zu sechs Monate in Untersuchungshaft gehalten werden. Justizkreisen zufolge wurde die Liste der Verdachtsmomente um die Punkte betrügerischer Bankrott, der im Höchstfall mit zehn Jahren Gefängnis bestraft wird, und Bildung einer kriminellen Vereinigung verlängert. Tanzis Anwalt Michele Ributti hatte den Vorwurf der Unterschlagung bereits am Sonntag zurückgewiesen. "Es ist kein Geld verschwunden, es geht um nicht existierende Vermögenswerte", sagte Ributti.

Schulden doppelt so hoch wie befürchtet

Die Schulden des nach einem Bilanzskandal insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat sind offenbar zweimal so hoch wie vom Unternehmen selbst ausgewiesen. Im Haftbefehl gegen den Parmalat-Gründer Calisto Tanzi, werden die Schulden des Konzerns auf zehn bis 13 Milliarden Euro beziffert. In der Parmalat-Bilanz zum 30. September wurden sie mit etwa sechs Milliarden Euro ausgewiesen. Die Polizei durchsuchte sowohl die Büros von Parmalat wie auch die der Holdinggesellschaft der Tanzi-Familie, La Coloniale. La Coloniale hält knapp über 50 Prozent von Parmalat. Die ohnehin praktisch wertlosen Parmalat-Aktien werden nach einer Entscheidung der Mailänder Börse bis auf weiteres nicht mehr gehandelt.

Berlusconi-Regierung änderte Insolvenz-Regeln

Im größten Unternehmensskandal in Italien seit mehr als zehn Jahren hatte ein Gericht Parmalat für insolvent erklärt. In den Bilanzen des Milchverarbeiters waren Löcher aufgetreten, die sich nach Schätzungen der Ermittler auf mehr als zehn Milliarden Euro belaufen könnten. Die Insolvenz erlaubt der achtgrößten italienischen Industriegruppe, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und ihre weltweit 35.000 Beschäftigen sowie Milchbauern und Zulieferer zu bezahlen. Tausende Finanzgläubiger müssen aber weiterhin auf ihr Geld warten. Parmalat muss binnen eines halben Jahres einen Rettungsplan vorlegen.

US-Börsenaufsicht leitet Verfahren ein

Die amerikanische Börsenaufsicht reichte in New York Klage gegen Parmalat ein. Angehörige des Konzerns sollen demnach amerikanischen Investoren Anleihen und Schuldwechsel in Höhe von fast 1,5 Milliarden Dollar verkauft haben und sie dabei über die finanzielle Situation des Unternehmens getäuscht haben.

DPA