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Ärztestreik: Erfolgreich streiken in weiß

Sinkende Einkommen und ausufernde Arbeitszeiten sind Phänomene, die vielen Arbeitnehmern bekannt vorkommen dürften. Dieses Jahr platzte den Klinkärzten der Kragen - sie traten in Streik.

Vor wenigen Jahren noch undenkbar, 2006 Realität: Die Klinikärzte zogen in den Streik - gegen sinkende Einkommen, ausufernde Arbeitszeiten und eine immer größere - gefühlte - Geringschätzung ihrer Arbeit. Trotz jahrelangen Studiums und Marathon-Schichten im Krankenhaus kam ein Assistenzarzt zuletzt auf einen Nettoverdienst von knapp 1600 Euro. Besonders die vergangenen Streichrunden bei Bund und Ländern verbitterten die Ärzteschaft schwer: Sie verloren ihr Weihnachtsgeld, ihr Urlaubsgeld und auch die Überstunden wurden nur noch zu einem kleinen Teil bezahlt. Für eine ohnehin real existierende Arbeitswoche von meist 80 Stunden gar es also nicht einmal eine finanzielle Gegenleistung.

So zogen sie mit Trillerpfeifen, witzigen Plakaten und einer beinharten Standesvertretung in den Ausstand - und lehrten über Wochen und Monate die Gesundheitspolitiker der Koalition das Fürchten - den Verhandlungsführer der Gegenseite, den arroganten Hartmut Möllring, eingeschlossen. Die bisher eher unauffällige Ärztegewerkschaft Marburger Bund wusste bei den zähen Verhandlungen die Mehrheit der Weißkittel hinter sich: Operationen wurden verschoben, Notdienste eingerichtet und sogar Krankenstationen mussten schließen - weil die Ärzte nicht zum Dienst erschienen.

Der Protest machte sich dann auch bezahlt: Durch die Tarifabschlüsse stiegen die Einkommen der Klinikärzte wieder um rund 15 Prozent. Und auch Nachtdienste, Rufbereitschaften und Hintergrunddienste müssen von den Krankenhäusern wieder bezahlt werden. Die Ärzte freut's - und die Patienten auch. Denn auch die standen die ganze Zeit verständnisvoll hinter der Ärzteschaft.

spi
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