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Ärztestreit: Die Götter in weiß sagen "ja"

Tauziehen mit Happy End: Fast 90 Prozent der Mitglieder des Marburger Bunds haben dem ersten Tarifvertrag für kommunale Kliniken zugestimmt. Doch es gibt nicht nur Gewinner.

Nach monatelangen Verhandlungen und achtwöchigen Streiks hat der erste Tarifvertrag für die rund 70.000 Ärzte an den kommunalen Kliniken die letzte Hürde genommen. In einer Urabstimmung billigten 87 Prozent der Mitglieder des Marburger Bundes an den rund 700 deutschen Stadt- und Kreiskrankenhäusern den Abschluss, wie der Chef der Ärztegewerkschaft, Frank Ulrich Montgomery, in Berlin mitteilte. Eindringlich appellierte er an Kirchen, Wohlfahrtsverbände und private Klinikunternehmen, entsprechende Verbesserungen bei Gehalt und Arbeitszeit nun auch in ihren Krankenhäusern in Kraft zu setzen.

Montgomery bezeichnete den Vertrag als "einschneidende Weichenstellung", die gemeinsam mit dem zuvor abgeschlossenen Ärzte-Tarifvertrag der Universitätskliniken die Tariflandschaft neu definieren werde. Die Krankenhausärzte hatten im September 2005 den Tarifverbund mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgekündigt, um in separaten Verhandlungen mehr herauszuholen.

"Nicht nur Gewinner"

Der MB-Vorsitzende räumte ein, dass es "nicht nur Gewinner" gebe, sondern sich die Situation einiger Betroffener nicht verbessern. Die Grundgehälter der Mediziner werden mit dem rückwirkend zum 1. August in Kraft tretenden Vertrag erhöht. Sie erhalten zudem mehr Geld für Bereitschaftsdienste und begrenzte Arbeitszeiten. Die Gehaltssteigerungen bewegen sich abhängig vom Zeitpunkt der Einstellung zwischen 1,5 und 13 Prozent. An dutzenden Kliniken, die Streiks durch bessere Übergangsregelungen vermieden hatten, kommen jedoch auf die Ärzte nun wieder verschlechterte Bedingungen zu.

Noch am Mittwoch wollte der Marburger Bund in redaktionelle Schlussverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) eintreten. Die VKA hatte den Tarifvertrag trotz massiver Zukunftsängste bei vielen Kliniken bereits einen Tag nach der Einigung, am 18. August, gebilligt. Montgomery zeigte sich zuversichtlich, dass es bei diesen letzten Gesprächen keine Probleme mehr geben werde. Auch für die Patienten an den kommunalen Kliniken kehrt nun zumindest bis Ende 2007 Ruhe ein.

DPA / DPA