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Horror Großraumbüro: Apples Zentrale sollte das Büro der Zukunft werden - doch die Mitarbeiter sind geschockt

Apple baut seine neue Konzernzentrale als Büro-Ufo, als Arbeitsstätte der Zukunft. Doch schon vor der Eröffnung zeigt sich: Experten planen am Bedarf der Mitarbeiter vorbei.

Wenn baut, dann im Superlativ. Fünf Milliarden Baukosten, drei Jahre reine Bauzeit, ein 10.000-Quadratmeter-Fitnessstudio, ein ringförmiger Bau mit fast einem halben Kilometer Durchmesser. Größer, besser, Apple. 12.000 Mitarbeiter sollen hier bald einziehen und die Tech-Erfindungen der Zukunft ausloten. Doch schon jetzt gibt es Kritik am Bau.

Lord hat den Apple Campus entworfen - und verfolgte ein offenes Konzept: keine Trennwände, große Räume, riesige Flächen. Die Mitarbeiter sitzen in wohlgemerkt schicken, aber dennoch lagerhallenartigen Räumen an langen Tischen. Zu Hunderten, ohne Rückzugsmöglichkeit, ohne Trennwand. Gerade für Programmierer, die konzentriert arbeiten wollen, eine Katastrophe. 

Apple Campus

Der Apple Campus gilt als super-modern. Doch stimmt das?

Picture Alliance


Großraumbüro bei Apple: "Fuck that!"

Die drastische Reaktion von Apples Vizepräsiedent Johny Srouji überrascht dennoch. Grob übersetzt soll er gepoltert haben: "Scheiße mit der Scheiße" ("Fuck that, fuck you, fuck this, this is bullshit!"), als er die Büropläne zum ersten Mal gesehen hat, berichtet ein Blog, der sich auf interne Apple-Quellen stützt. Die Reaktion zeigte zumindest Wirkung: Sein Team bekommt nun ein eigenes Nebengebäude. Auch andere wichtige Einheiten, wie die Software-Entwicklung, sollen nun doch besser im alten Apple-Gebäude bleiben und nicht mit umziehen.

Einzelbüro als Effizienzbremse

Das Großraumbüro galt einst als der Gipfel der Effizienz. Statt in Einzelbüros vor sich rumzumuckeln, ohne an Teams gekoppelt zu sein, sollte der offene Raum die Kommunikation fördern. Abstimmung vereinfachen. Das Arbeiten schneller und somit kostengünstiger machen. Doch offenbar ging es Firmen am Ende nur noch um Effizienz - und sie stopften ihre Mitarbeiter auf immer kleinerer Fläche zusammen. Großraumbüro - das ist heute eher ein Ausschlusskriterium für einen neuen Job.

 Als "kahle Rattenlöcher" beschimpft der US-Industriedesigner Robert Propst, der als Erfinder des Großraumbüros gilt, heute die Perversion seiner Idee. Statt die Leistung der Arbeiter zu steigern, würde man ihre Gesundheit ruinieren, soll der im Jahr 2000 verstorbene Probst gesagt haben, berichtet die "Welt".

Büroflächen nach Bedarf planen

Auch große Firmen haben das erkannt. So baute die neue Zentrale in München bedarfsgerecht. Es gibt große Flächen, um mit verschiedenen Teams zusammenzuarbeiten. Aber auch schallgeschützte Mini-Büros werden angeboten - oder gleich der Gang ins Home-Office. "Für uns ist die Zukunft die volle Flexibilität der Mitarbeiter", sagt eine Microsoft-Sprecherin dem stern. Damit liegt das Unternehmen im Trend: Reines Home-Office vereinsamt, zeigt jüngst eine Untersuchung. Großraumbüro macht krank, zeigt eine andere Studie. Wer sein Büro mit bis zu 14 Menschen teilt, ist 20 Prozent häufiger krank als Kollegen in Einzelbüros. Sitzen sogar bis zu 50 Mitarbeiter in einem Großraumbüro, ist die Krankenquote 50 Prozent höher.

Apples Neubau: Es bleibt ja immer noch Home-Office

Doch Platz zu bieten wird zum Luxus, denn die präferierten Innenstadtlagen der Unternehmen kosten - die steigenden Mieten setzen auch Konzernen zu. Um Mitarbeiter nicht wie Legehennen in Arbeitshallen zu sperren, scheint Home-Office eine lohnende Alternative. Microsoft bietet längst keine festen Arbeitsplätze mehr, es gibt aber Arbeitsbereiche, die Funktionen erfüllen: für Einzelarbeit, Konferenzen oder Teamarbeit. In einer kürzlich durchgeführten Mitarbeiterbefragung sei eines der wichtigsten Kriterien, warum Menschen gerne bei Microsoft arbeiten, der flexible Arbeitsplatz gewesen. Und: Microsoft würde kaum an dem System der freien Wahl bei Ort und Zeit der Arbeit festhalten, wenn es sich nicht für den Konzern lohnen würde.

Für Apple kommt die Erkenntnis zu spät, nach und nach ziehen die Teams bereits in den Apple Park ein. Und Apple bleibt ja noch die Lösung mit dem Home-Office: Als Yahoo 2013 die Heimarbeit für Mitarbeiter abschaffte, begann Apple gezielt damit, Mitarbeiter ausschließlich für Home-Office-Jobs einzustellen.