Arbeit Deutschland braucht Querdenker


Keine faulen Ausreden mehr: Auf dem Kommunikationskongress "hamburger dialog" wurde nicht gejammert, sondern gegenseitig Mut gemacht.

Es geht voran in Deutschland: wenn Querdenker zum Zuge kommen, die Infrastruktur besser genutzt wird und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen außer Acht bleiben. Diese Botschaft vermittelten beim Kommunikationskongress "hamburger dialog" zwei, die es wissen müssen: Dieter Ammer, der den Tchibo- Konzern mit immer neuen Produktideen in die Weltliga führt, und Publizist Florian Langenscheidt aus der gleichnamigen Verlegerdynastie. Aber auch andere Vorschläge aus Politik und Wirtschaft ließen die rund 1200 Kongressteilnehmer aus Verlagen, Werbe- und PR- Agenturen optimistisch gestimmt in die Zukunft blicken.

Wurde im vergangen Jahr noch verzweifelt nach Wegen aus der Medienkrise gesucht, gaben die Teilnehmer der traditionellen Diskussionsrunde zur Kongresseröffnung diesmal die Marschrichtung vor: "Wir schaffen den Sprung nach vorn nur, wenn wir den Mut haben, mit klassischen Regeln zu brechen", sagte Ammer. Mit dem Angebot von Finanzdienstleistungen oder Autos habe sich Tchibo mit ganzen Branchen angelegt. Das sei aber Teil des Geschäftsmodells, sagte "Querdenker" Ammer. Er forderte von der Politik konsequentes Handeln ein: "Wenn es endlich mal eine Bundesregierung schaffen würde, eine Sache wie die Beseitigung des Ladenschlussgesetzes bis zum Ende durchzuziehen, wären die Auswirkungen gering, aber die Symbolik nach außen sehr hoch."

Jammern nützt nichts

Über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wollte Ammer ebenso wenig jammern wie Autor Langenscheidt: "Dieses ständige Schieben auf andere, kann ich nicht mehr hören." Es gelte, Lohnnebenkosten, Steuersätze und Wechselkursschwankungen zu vergessen, und vielmehr Innovationen umzusetzen, meinte Langenscheidt und verwies einmal mehr auf die USA. Im dortigen Schulsystem würden die Stärken eines Schülers herausgehoben statt seine Schwächen zu unterstreichen. "Selbstliebe statt Selbsthiebe", empfahl der "Duden"- Chef. Deutschland habe eine paradiesische Infrastruktur, man müsse sie nur nutzen. Auch der Chef der Werbeagentur JungvonMatt, Holger Jung, würde bei politischer Werbung auf die Stärken Deutschlands abzielen.

Ihre Chancen trotz Krise haben die deutschen Verlage in den vergangenen zwölf Monaten mit dem Angebot neuer Zeitschriften genutzt, erläuterte Geschäftsführer Manfred Braun vom Hamburger Bauer-Verlag. "Man geht in neue Segmente, dann in neue Gattungen, dann ins Ausland." Er ließ keinen Zweifel daran, dass die Verlagsgruppe den Berliner "Tagesspiegel" gern übernommen hätte. "Sie wissen ja, dass eine unerfüllte Liebe immer die größte ist", konterte "Tagesspiegel"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in seiner Rolle als Moderator.

Realistische Visionen

Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU), der sich mit über 60 Jahren bei seinem Handeln nicht von Medienkritik - "die perlt an mir ab" - mehr beeinflussen lässt, forderte für Visionen "realistische Zielsetzungen" ein. Eine solche formulierte die Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg, Dagmar Reim, auf die Frage, welche Produktinnovation sie sich in Deutschland wünsche: "Einen Duschvorhang, der einem beim Duschen nicht immer zu nahe kommt." "Das ist ein Fall für Tchibo!", rief Ammer ihr zu. Sie stellten das Motto der Runde - "Profit of Ideas" - unter besten Beweis.

Almut Kipp/DPA DPA

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