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Arbeiten in Deutschland: Jeder Fünfte muss wegen Krankheit in den Ruhestand

Rente mit 67? Von wegen. Jeder fünfte Berufstätige muss aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand, das Durchschnittsalter aller Ruheständler liegt laut Statistischem Bundesamt bei etwa 55 Jahren. Besonders früh müssen Arbeiter aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

In Frankreich gehen Zehntausende gegen die vom Staat verordnete Rente mit 62 auf die Straße, in Deutschland ist die Rente ab 67 Jahren längst beschlossen. Allerdings auch nur auf dem Papier, wie eine Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt: 2008 ist mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Dabei lag das durchschnittliche Alter beim Ausscheiden aus dem Berufsleben bei gut 55 Jahren - rund 8,5 Jahre niedriger als bei denen, die regulär in den Ruhestand gegangen sind.

Die Studie des Statistischen Bundesamtes, die den Übergang älterer Menschen vom Erwerbsleben in den Ruhestand behandelt, zeigt ebenfalls, wie niedrig das tatsächliche Renteneintrittsalter im Durchschnitt wirklich liegt: So waren von allen Ruheständlern 2009 nur die Hälfte regulär aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Etwas mehr als ein Viertel (27,8 Prozent) geben gesundheitliche Gründe an, 22,2 Prozent nutzten Vorruhestandsregellungen oder beendeten ihr Erwerbsleben aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Akademiker arbeiten besonders lange

Bei den gesundheitlichen Problemen spielt die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe die entscheidende Rolle: So gingen etwa Arbeiter in Hoch- und Tiefbauberufen besonders häufig gesundheitsbedingt in den Ruhestand (46,9 Prozent). Auch so genannte Ausbauberufe wie etwa Fliesenleger, Heizungsbauer und Polsterer (45,4 Prozent) oder Maler und Lackierer (39,5 Prozent) mussten laut Studie ihren Beruf besonders häufig aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei Akademikern. Mit Abstand am seltensten gingen Ingenieure, Chemiker, Physiker oder Mathematiker gesundheitsbedingt in den Ruhestand (14,6 Prozent). Auch Beschäftigte, die vorwiegend im Büro arbeiten, gaben laut Studie relativ selten gesundheitliche Gründe für den Ruhestand an.

AP/be / AP
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