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Hintergrund zur Rente mit 67: Ältere Menschen am Arbeitsmarkt

Gute Zeite, schlechte Zeiten? Wer die Lage für ältere Menschen am Arbeitsmarkt schwarz malt, findet dafür in der Statistik ebenso einen Beleg wie auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die Ältere als Gewinner der vergangenen Jahren bezeichnet.

Über die Chancen Älterer am Arbeitsmarkt lässt sich trefflich streiten. Wer die Lage schwarz malt, findet dafür in der Statistik ebenso einen Beleg wie auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die Ältere als Gewinner der vergangenen Jahren bezeichnet. Einige Kennzahlen:

Arbeitslosigkeit:

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) legt monatlich eine "Analyse des Arbeitsmarktes für Ältere ab 50 Jahren" vor. Diese zeigt für Oktober: Während die Arbeitslosigkeit insgesamt gesunken ist, lag sie in dieser Altersgruppe mit 880.000 noch um 5000 über dem Wert vor einem Jahr. Der Anstieg geht laut BA allein auf die 55- bis 64-Jährigen zurück: Ihre Arbeitslosigkeit nahm im Jahresvergleich um 29.000 oder sechs Prozent zu.

Problematisch ist dabei auch die Dauer der Arbeitslosigkeit: Im September waren zwei Drittel der über 50-jährigen Betroffenen länger als sechs und 43 Prozent über zwölf Monate arbeitslos.

Statistikänderungen:

Ende 2007 sind vorruhestandsähnliche Regelungen ausgelaufen, die die amtliche Statistik entlastet haben. 58-jährige oder ältere Erwerbslose, die früher diese Regelung in Anspruch genommen haben, werden nun als Arbeitslose mitgezählt. Im Bereich von Hartz IV gab es eine gegenläufige Änderung: Seit 2008 werden dort 58-Jährige oder Ältere nicht mehr als arbeitslos ausgewiesen, wenn ihnen mindestens ein Jahr lang kein sozialabgabenpflichtiger Job angeboten wurde.

Wirtschaftskrise:

Spuren hat die Wirtschaftskrise vor allem bei noch älteren Arbeitslosen hinterlassen. Während die Arbeitslosigkeit für ebenfalls stark betroffene Jugendliche und Frauen inzwischen wieder unter dem Vorkrisenniveau liegt, liegt sie saisonbereinigt für Ältere immer noch deutlich höher.

Erwerbstätigkeit:

Sie zeigt ein positives Bild. Zu den Erwerbstätigen gehören alle, die einer Beschäftigung nachgehen: sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige - aber auch Mini-Jobber bis 400 Euro, Bezieher von Hartz IV mit Ein-Euro-Job, mithelfende Familienangehörige.

Die Erwerbstätigenquote - der Anteil der Erwerbstätigen einer Altersgruppe an der gesamten Altersgruppe - steigt bei den Älteren seit Jahren an. 2009 waren von den 60- bis 64-Jährigen laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes 41,5 Prozent erwerbstätig - doppelt so viele wie noch 2000.

Geringe berufliche Bildung geht mit geringer Erwerbstätigkeit einher: Von den 60- bis 64-Jährigen ohne Berufsabschluss war 2008 nur jeder Vierte erwerbstätig, von den Akademikern dieser Altersgruppe aber mehr als jeder Zweite.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung:

An diese - deutlich kleinere Zahl - hat die SPD den Einstieg in die Rente mit 67 gekoppelt. Im Jahr 2009 war fast jeder Vierte aller 60- bis 64-Jährigen ein Arbeitnehmer in diesem Sinne (23,8 Prozent). Dabei sind auch Arbeitnehmer in Altersteilzeit mitgezählt. Die Quote sinkt mit zunehmendem Alter: 2008 war jeder zehnte 64-Jährige sozialversicherungspflichtig beschäftigt - ohne Altersteilzeit jeder Vierzehnte (7,1 Prozent).

Demografie:

Bis 2030 gehen viele Erwerbstätige der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Die Zahl der 20- bis 64-Jährigen wird laut Berechungen des Statistischen Bundesamtes bis dahin um 6,3 Millionen sinken, die Zahl der 65-Jährigen und Älteren indes um 5,5 Millionen steigen.

Vor 50 Jahren kamen auf einen Menschen über 65 Jahre noch fünf Personen zwischen 20 und 64 Jahren. 2009 waren es nur noch drei Jüngere auf einen Älteren - und im Jahr 2030 kommen nach den Statistikberechnungen noch zwei Jüngere auf einen Älteren.

Rentenzugang:

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt seit Ende der 90er Jahre an. Laut Rentenversicherung gehen männliche Versicherte derzeit im Schnitt mit 63,5 Jahren in Altersrente, Frauen mit 62,9 Jahren. Das Rentenzugangsalter liege damit um ein volles Jahr höher als vor einem Jahrzehnt.

Reuters / Reuters