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Arbeitgeber-Bewertungen "Game of Thrones ist nichts dagegen": Wenn sich Mitarbeiter und Chefs öffentlich bepöbeln

Auf Arbeitgeberbewertungsplattformen lassen manche ihrem Job-Frust freien Lauf
Auf Arbeitgeberbewertungsplattformen lassen manche ihrem Job-Frust freien Lauf
© iStockphoto / Getty Images
Es gibt Mitarbeiter, die auf Bewertungsplattformen mal so richtig Job-Frust abbauen. Aber auch manch Arbeitgeber ist nicht zimperlich: Eine Studie zeigt, wie aggressiv Unternehmen auf negative Bewertungen reagieren - und wie es besser geht.

Anonyme Bewertungsplattformen im Internet sind kein Streichelzoo. Das gilt auch für das Portal Kununu, auf dem Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber bewerten können. Dort finden sich neben ausgewogener Kritik auch immer wieder knallharte Urteile und verbale Ausfälle. So schreibt etwa ein Mitarbeiter über ein Unternehmen aus der Gesundheitsbranche: "Renn um dein Leben! (…) Work Life Balance? Minus 1000 Sterne. Einfach unmöglich!"

Weitere Beispiele gefällig? Die Studie "Arbeitgeber im Kandidatenkatalog" der Unternehmensberatung Employer Telling hat so einige Verbalklatschen parat:

  • "Käfighaltung in veralteten Büros"
  • "Der absolute Tiefpunkt in jeder Arbeitsbiographie"
  • "Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren!"
  • "Wer auf Nerven-Terror & Unmenschlichkeit steht, ist hier richtig!!!“
  • "Game of Thrones ist nichts dagegen"
  • "Man wird gemolken und danach entsorgt“
  • "Kommunikation wie in der Steinzeit, hier funktioniert wirklich gar nichts."

Wie reagieren Unternehmen?

Das Ziel der Untersuchung ist es aber nicht, die krassesten Bewertungen zu küren. Der Fokus liegt vielmehr darauf, wie Unternehmen auf die harten Worte reagieren. Zu diesem Zweck haben die Studienautoren Manfred Böcker und Sascha Theisen rund öffentliche 1300 Statements untersucht, mit denen Arbeitgeber auf Kununu auf die abgegeben Bewertungen geantwortet haben.

Dabei zeigte sich, dass auch viele Firmen sich in Sachen Feedbackkultur nicht gerade mit Ruhm bekleckern. "Wenn Unternehmen überhaupt auf der Arbeitgeberbewertungsplattform reagieren, dann meist mit Standardfloskeln", resümieren die Studienautoren. "Es mangelt am Angebot echter Kontaktmöglichkeiten und auch ausgesprochen aggressive Gegenschläge sind nicht schwer zu finden." In Sachen Retourkutschen besonders unangenehm fiel ausgerechnet die Chefetage auf - also Geschäftsführer und Firmeninhaber.

So pöbelte der Geschäftsführer eines Logistikunternehmens unter eine negative Bewertung mit folgenden Worten zurück:

Da das Erlernen der deutschen Sprache offenbar auch verschwendete Lebenszeit war, ist klar warum ex Mitarbeiter... Wir erwarten schon ein wenig mehr als nur vor der Tür zu parken und den Betriebsfrieden zu stören. Übrigens, das war kein Parkplatz, sondern eine Sperrfläche.

Und der Leiter eines Handelsunternehmens ließ es sich nicht nehmen, gegen eine offenbar wegen ihrer Nicht-Übernahme enttäuschte Ex-Auszubildende kräftig zurückzukeilen:

Mehr Schein als Sein... genau diese Beurteilung geben wir sehr gerne an Sie, sehr geehrte Ex-Azubine, zurück. (…) Überwiegend wurden diese Azubis nach der Ausbildung auch übernommen. Allerdings setzt dies nicht nur fachliche, sondern auch menschliche Qualitäten voraus.

Wenig souverän erscheint es auch, unzufriedenen Mitarbeitern öffentlich die Kündigung nahezulegen, wie bei diesem Dienstleistungsunternehmen passiert:

Wenn es denn soooo schlimm in unserem Unternehmen für Sie ist, wieso kündigen Sie nicht einfach. Wir gehen davon aus, dass Sie einer der Kollegen / Kolleginnen sind, die Aufgrund eines Vorfalls, auf Kundenwunsch nicht mehr am Objekt eingesetzt werden können. Somit liegt der schwarze Peter wohl nicht bei uns.

Als wenig hilfreich empfinden die Studienautoren auch standardisierte Copy-Paste-Antworten, die keinerlei Interesse an einem weiteren Dialog erkennen lassen. Wenn Unternehmen emotionale, detailreiche Bewertungen derart kalt abblitzen ließen, klinge das leicht wie eine Bestätigung der Vorwürfe.

Wie Arbeitgeber es besser machen

Die Studienautoren empfehlen Arbeitgebern, weder beleidigt oder aggressiv, noch desinteressiert zu reagieren, sondern den Dialog mit Bewerbern und Mitarbeitern auch auf öffentlichen Bewertungsplattformen professionell zu führen. Wenn Arbeitgeber empathisch und offen mit Kritik umgingen, könne ihnen das als Marke nur gut tun. Als mustergültiges Beispiel für eine konstruktive Einladung zum Dialog führt die Studie diesen Text eines Recruitungmanagers aus der Gastrobranche an.

Vielen Dank für Ihre Bewertung. Es tut uns leid, dass Sie offensichtlich unzufrieden mit Ihren Vorgesetzten sind. Gerne möchten wir Ihnen helfen, bzw. eine Lösung finden, dass Sie wieder zufrieden sind. Eine Möglichkeit ist, dass Sie sich an Ihren Regionalen Personalleiter vor Ort, Herrn VORNAME NACHNAME wenden, entweder per Email vorname.nachname@unternehmensname.de oder telefonisch MOBILNUMMER und mit ihm die Situation besprechen. Sofern Sie das nicht möchten, stehe ich Ihnen gerne für Ihr Anliegen zur Verfügung. Sie erreichen mich per E-Mail unter vorname.nachname@unternehmensname.de oder telefonisch unter FESTNETZNUMMER. In jedem Fall sichern wir Ihnen absolute Vertraulichkeit zu. Das heißt, zu keiner Zeit, wird weder Ihr Namen noch Informationen, die Rückschlüsse auf Sie zulassen, intern weitergegeben. Bitte nehmen Sie unser Angebot zu einem Austausch an und lassen Sie uns gemeinsam eine Lösung für Ihre Belange finden, denn es ist uns sehr wichtig, bei UNTERNEHMENSNAME eine Basis zu erhalten / zu schaffen, bei der sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen.

Es geht also auch ganz ohne Zurückgepöbel. 


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