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Bewerbungsgespräch: "Das personifizierte Arschloch" - stern-Leser schildern ihre fiesesten Job-Interviews

Im Bewerbungsgespräch trifft man mitunter auf wirklich unangenehme Typen. In Teil 3 unserer Serie berichten stern-Leser(innen) unter anderem von mehreren sexistischen Erfahrungen.

Würden Sie bei dem Chef gerne anfangen?

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Unser Leser-Aufruf, die schrägsten Geschichten aus Bewerbungsgesprächen zu erzählen, hat große Resonanz hervorgerufen. Mal sind die Erlebnisse zum Schmunzeln, mal zum Ärgern oder Fremdschämen. Und Frauen müssen offenbar manchmal mit besonders unangemessener Behandlung rechnen, wie der dritte Teil unserer Erlebnisprotokoll-Serie beweist.

Hier lesen Sie Teil 1: "Stehen Sie nicht auf Männer?"

Und hier Teil 2: "Oben ohne in Boxershorts"

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Nur für die Frauen-Quote

Leserin Anna S. erinnert sich an drei unangenehme Erfahrungen:  "Bei einem Gespräch wurde ich in einen riesigen Konferenzraum mit einem langen Tisch gebeten und mir wurde ein Sitzplatz am Ende des Tisches zugewiesen. Die Gesprächspartner setzten sich ans andere Ende, gefühlt 20 Meter weit weg.

Bei einem anderen Gespräch wurde mir vorweg postalisch eine Parkhauskarte geschickt mit dem Hinweis, dass diese im angrenzenden Parkhaus einmalig an dem Tag genutzt werden könnte. Mit der Absage eine Woche später bekam ich auch die Parkkosten in Rechnung gestellt.

Ein Gespräch verlief von vorneherein nicht optimal, der HR-Chef hatte mich anscheinend nur der Quote wegen eingeladen und mich das durch entsprechende Bemerkungen und Sticheleien auch wissen lassen (Ich bin Elektroingenieurin). Als er mich fragte, ob ich denke, dass ich als Frau überhaupt die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten habe, bin ich wutentbrannt aufgestanden [...] Der Entwicklungschef hat hinterher bei mir angerufen und sich für das Gespräch entschuldigt. 

Nach der Elternzeit

Als Kathrin K. nach der Elternzeit wieder in ihren Job einsteigen wollte, behandelte man sie selbst wie ein kleines Kind: "Aus dem Personalgespräch für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit: 'Na, da wollen wir uns jetzt erstmal um die Mutti kümmern.' Oktober 2014 in einem Startup der IT-Branche."

"Schon genug Kinder in Afrika"

Lara aus Herten schreibt: "Die Krönung war ein Dortmunder Unternehmen, welches Beschilderungen für Baustellen vermietete. Man ließ mich zwar warten, aber nur eine knappe Viertelstunde. Nach diversen Erlebnissen schockte mich das nicht mehr. Im Büro bot man mir einen Stuhl an der Wand stehend an, statt mich an den Tisch zu bitten, der Gesprächspartner kam abgehetzt ins Büro und fragte mich irgendwann ob ich denn Kinder wolle. Ich bejahte dies, erklärte aber, dass das erst in einigen Jahren relevant werden würde. Er fragte mich daraufhin ob ich nicht der Meinung sei, dass es in Afrika schon genug Kinder gäbe und man nicht noch mehr in die Welt zu setzen bräuchte. [...] Ich hab mich dort natürlich nicht mehr gemeldet, aber die Unterhaltung über Kinder in Afrika geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Er war das personifizierte Arschloch."

Die Fanta-Geschichte

Tanja S. erzählt auf Partys heute gerne folgende Geschichte: "Ich war zum Vorstellungsgespräch in einer kleineren Werbeagentur eingeladen worden. Empfangen wurde ich in einer Bürogemeinschaft, man hätte zusätzliche Räume anmieten müssen. Meetingräume gab es dort wohl nicht, während des Gespräches saßen wir zu zweit nebeneinander auf einem Sofa in einem der vollgestellten Büroräume. Wasser hätte man gerade keins da, wenn ich was trinken möchte, gäbe es nur noch Fanta. Da wir an diesem Tag 26 Grad hatten, nahm ich notgedrungen ein Glas Fanta aus einer ungekühlten Literflasche. Das Gespräch war soweit ok und man lud mich etwa zwei Wochen später zu einem halben Tag Probearbeiten ein, auch um das Team kennen zu lernen. Am Tag des Probearbeitens wurde dann mit den Worten 'Hier ist ja noch deine Fanta' empfangen und man stellte mir die seit zwei Wochen angebrochene Literflasche auf den Tisch. Bäh. Wer weiß, wer da inzwischen draus getrunken hat und Kohlensäure wird auch keine mehr drin sein. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und eine Flasche Wasser dabei."

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Von wegen gutes Betriebsklima

Steffen S. berichtet von einer "surrealen Erfahrung": "Ich hatte mich als Verkaufsleiter beworben und wurde zum Gespräch mit dem Manager of Operations geladen. [...] Nach der Anmeldung wurde ich in einen schicken, unbequemen Ledersessel platziert und vergessen. Ich versuchte mich in Erinnerung zu bringen, aber die Damen im Sekretariat waren gesamthaft zur Mittagspause gegangen. Ich nahm dies zum Anlass, meinen Ansprechpartner anzurufen und erreichte diesen am Flughafen - er hatte dort nach der Ankunft einen Kollegen getroffen und mit diesem noch ein Gespräch geführt, das offenbar wichtiger als der Termin mit mir war.

Zum 90 Minuten verspäteten Gespräch gab es dann den ersten Kaffee, aber keine Entschuldigung für die Verspätung. Wobei 'Gespräch' den Vorgang nicht korrekt ausdrückt. Zumindest die ersten 30 Minuten bestanden ausschließlich aus einem Monolog über das exzellente Betriebsklima und die vorteilhafte Marktpositionierung des Unternehmens. Fragen zu meiner Person - keine. Offensichtlich hatte ich einen aussagekräftigen Lebenslauf mit perfekter, non-verbaler Kommunikation im 'Gespräch' kombiniert.

Zur zweiten Tasse Kaffee gab man mir dann Gelegenheit selbst Fragen an den Gesprächspartner zu stellen. Ich hatte genau eine: Wenn die Stimmung und das Betriebsklima so besonders gut sind, warum suchen ALLE Mitarbeiter im Verkauf auf einem großen Businessnetzwerk nach einem neuen Job? Wie erwartet, war der Kaffee zum abrupten Ende des Gesprächs noch warm. Wahrhaft eine surreale Erfahrung."

Sie haben selbst eine Geschichte aus einem Bewerbungsgespräch auf Lager? Schreiben Sie uns an achtungkunde@stern.de 

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