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Aufstiegschancen: Schlechte Karten für Geringverdiener

Für Geringverdiener in Deutschland wird der Aufstieg in eine besser bezahlte Stelle immer schwieriger. Weltweit sieht die Lage nicht besser aus: Die Hälfte der Beschäftigten kann kaum von ihrem Einkommen leben.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht in der wachsenden Zahl von Niedriglohnjobs die Gefahr zunehmender Armut in Deutschland. Die Chancen für Geringverdiener auf einen Aufstieg in besser bezahlte Jobs hätten sich in den neunziger Jahren deutlich verschlechtert, heißt es in einer Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit. Da gleichzeitig die Zahl der Geringverdienenden zunehme, steige damit insgesamt das Armutsrisiko.

Nach Angaben der Nürnberger Arbeitsmarktforscher ist Deutschland bei den Aufstiegschancen für Geringverdiener inzwischen Schlusslicht in Europa. "Während im Zeitraum von 1986 bis 1991 mehr als die Hälfte der Geringverdiener die Niedriglohnschwelle überschreiten konnte, glückte dies im Zeitraum von 1996 bis 2001 nur einem Drittel", erklärten die Autoren. Der Niedriglohnsektor drohe so zur "Niedriglohnfalle" zu werden.

Überdurchschnittlich viele Frauen und Ostdeutsche sind betroffen

Als Geringverdiener gelten Vollzeit-Beschäftigte mit einem Arbeitseinkommen von weniger als 1630 Euro brutto, inklusive anteiligem Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Untersuchungszeitraum von 1996 bis 2001 sei der Anteil der Niedriglöhner von 15,8 auf 17,4 Prozent gestiegen und liege damit leicht über dem EU-Durchschnitt.

In der Niedriglohn-Gruppe seien überdurchschnittlich viele Frauen und Ostdeutsche vertreten. So hätten Frauen im Jahr 2001 nur knapp 35 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, jedoch 57 Prozent der Geringverdiener gestellt. Bei Niedriglohnjobs überrepräsentiert seien zudem jüngere und schlecht qualifizierte Beschäftigte.

Dennoch sehen die Berufsforscher eine Zunahme der Jobs im Niedriglohnsektor nicht unbedingt negativ. "In diesem Bereich könnten zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, die es sonst nicht gäbe", betonten die Experten. Ein dauerhafter Niedriglohnjob sei eine bessere Alternative zur Langzeitarbeitslosigkeit.

Einkommen reicht nicht zum Leben

Die Hälfte der weltweit Beschäftigten kann sich und die Familie von ihrem Einkommen kaum ernähren. Nach einer Studie des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) gibt es 1,4 Milliarden Menschen, die trotz Arbeit unter der anerkannten Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag (etwa 1,50 Euro) leben müssen. "Nicht der Mangel an Arbeit, sondern ihre geringe Produktivität ist die eigentliche Ursache der Armut", erklärt ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Offiziell wurden 2003 weltweit etwa 186 Millionen Menschen als arbeitslos gezählt. Dagegen hatten 2,8 Milliarden Menschen eine Beschäftigung, mehr als jemals zuvor. Dabei ist der Prozentsatz der Erwerbstätigen, die mit ihrer Familie unter der Armutsgrenze leben, heute niedriger als noch 1990. Allerdings müssen etwa 550 Millionen Beschäftigte mit nur einem Dollar am Tag auskommen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters