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Deutscher Gründerpreis: Rasende Mülltonne gesucht

Der Deutsche Gründerpreis ist Deutschlands größtes Existenzgründer-Planspiel. In diesem Jahr wurden erstmals auch Schüler in einer eigenen Kategorie ausgezeichnet. Die Sieger überzeugten mit einer Internet-Plattform, auf der kreative Dienstleistungen vermittelt werden.

Von Britta Hesener

Junge Herren und Damen im dunklen Businessdress hantieren mit Begriffen wie Finanzstrategien und Produktentwicklung. Sie klicken sich durch Powerpoint-Präsentationen, erzählen von Marktforschung und Gesellschaftsformen und bezeichnen sich als Geschäftführer oder Marketingspezialistin. Und: Sie sind zwischen 16 und 20 Jahren alt.

Ja, es ging professionell zu, als die zehn besten Nachwuchs-Teams bei der Verleihung des deutschen Gründerpreises für Schüler im Auditorium des Gruner & Jahr Verlages in Hamburg ihre Geschäftsideen vorstellten. Im Publikum saßen neben Freunden und Familien auch die Vertreter der Gründer-Preis-Partner stern, Sparkassen, ZDF und Porsche. Mit dabei war auch stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn.

Vier Monate lang hatten deutschlandweit 1318 Teams versucht, eine Marktnische zu suchen und ein fiktives Unternehmen zu Gründen. Dabei galt es wie im realen Unternehmerleben auf dem Papier Marketingmaßnahmen zu entwickeln, die Finanzierung der Firma zu sichern und Geschäftspartner zu akquirieren. Am Ende entschied sich die Jury für "Eureso". Peter Klöpping, Malte Gerkensmeyer, Leonard Wehmeier, Felix Kirchner, Jannis Funk und Paulo Ruhrländer vom Immanuel-Kant-Gymnasiums in Bad Oeynhausen belgeten den ersten Platz.

Eureso - Ich werde finden

Das Siegerteam stach aus der Riege der Top Ten absolut heraus. Bei der Präsentation ihrer Onlineplattform für die Vermittlung von kreativen Ideen und Dienstleistungen setzten die sechs 18-Jährigen ganz auf die rhetorische Überzeugungskraft ihres Frontmannes Jannis Funk - und zogen damit ein jeans- und t-shirt-tragendes Ass aus dem Ärmel. Dem eigenen Motto folgend "Mit einer Nullachtfuffzehn-Power-Point-Präsentation kann man sich nicht gegen die Top Ten durchsetzen" verzichtet der Schüler fast vollständig auf technische Finessen und erklärte stattdessen in einer perfekt inszenierten One-man-show die Idee von Eureso am eigenen Fall. "Was tun, wenn man eine Geschäftsidee hat, aber noch kein überzeugendes Konzept für die Präsentation dieser?", stellte Jannis sein Problem in den Raum. Seine Lösung: Man geht ins Internet, tippt www.eureso.com in die Adressleiste seines Browsers und beschreibt dort in einem Formular, was man sucht. Am Ende bleibt nur eines: Nämlich an den Namen des Projektes zu glauben. "Eureso" ist altgriechisch und bedeutet "Ich werde finden". Man hofft also einen kreativen Kopf zu finden, der auf das Gesuch aufmerksam wird und am Ende - wie etwa in Jannis Fall - eine perfekte Präsentation der Geschäftsidee abliefert. Die Plattform funktioniert also ähnlich wie "my-hammer.de" oder "handwerker24.de" wie eine virtuelle Aktionshalle für kreative Köpfe. Finanziert wird die Plattform über Angebotsgebühren der Auftraggeber und Provisionen, die die Künstler von ihrem Honorar bezahlen.

Eureso unterschied sich aber nicht nur durch lockeres Auftreten und legere Outfits von den anderen Teams. Die sechs Westfalen waren auch die Einzigen, die noch während der Siegerehrung den Schritt von der fiktiven Firma in die Realität taten. Mit einem symbolischen, gemeinsamen Mouseklick ging die Plattform für die Vermittlung von kreativen Dienstleistungen www.eureso.com online. Und auch bei ihrem ersten Auftrag blieben sie sich und ihrer frechen Art treu: Jannis will sich einen Kindheitstraum erfüllen und sucht aus eureso.com ab sofort jemanden, der ihm eine rasende, also motorisierte Mülltonne baut. Gewünschte Höchstgeschwindigkeit: 50 Km/h.

24-Stunden-Kita und öffentliches Navi-System

Doch auch "Euresos" Konkurrenz hatte in den vergangenen vier Monaten nicht geschlafen. Schließlich winkte neben Geldpreisen den fünf erst Platzierten ein Aufenthalt im "Future Camp", ein speziell auf Schüler zugeschnittenes dreitägiges Management- und Persönlichkeitstrainig. Mit dabei sein wird etwa das Team "KitaPlus" vom Gymnasium KGS Stuhr-Brikum. Maximilian Szesny, Joana Helms, Marcel Schramm, Wiebke Bode und Inga Braun belegten mit ihrem Projekt Platz zwei. Die 16-Jährigen hatten sich die aktuelle Diskussion um Kinderbetreuung zu Herzen genommen und ein neues Betreuungskonzept entwickelt: Die "KitaPLus" kümmert sich an 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag, also auch nachts, um Kinder von ein bis vier Jahren. Ein Segen also für alle berufstätigen Eltern.

Platz Drei ging an das Team "GNS (Global Navigation System)". Özkan Adigüzel (18), Hilal Kiwan (18), Tanja Fedorenko (19) und Siona Schweidler. Die Schüler aus Hannover haben ein Navigationssystem für den öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Große Touchscreen Monitore sollen Ortsunkundigen an U- und S-Bahn-Haltestellen die bestmögliche Verbindung zum gewünschten Ziel ausspucken.

"Respekt!"

Hartmut Schauerte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, zeigte sich angesichts dieser geballten Ladung von Kreativität deutscher Schüler begeistert: "Die Siegerehrung des Gründerpreises für Schüler ist eine gute Stunde für den guten qualifizierten Nachschub in Deutschland." Der Gründer-Preis-Vertreter vom ZDF, Alexander Stock, lobte die Schüler vor allem für die sozialen Verantwortung, die sich in vielen Geschäftsideen widerspiegelte: "Ich bin erstaunt, wie viele Teams nicht einfach darauf aus waren, Geld zu machen, sondern auch anderen Menschen zu helfen." Wirklich auf den Punkt brachte es aber wohl der Moderator der Veranstaltung, Andreas Korn. Ihm blieb am Ende der Siegerehrung nur eines zu sagen: "Respekt!"