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Umstrittene Kündigung: Easyjet feuert Stewardess wegen eines Fünf-Euro-Sandwichs

Ein Bacon-Sandwich für 4,50 britische Pfund ist einer jungen Easyjet-Stewardess zum Verhängnis geworden. Sie wurde gefeuert - nun landete der Fall vor Gericht.

Easyjet

Wegen eines nicht gezahlten Sandwichs feuerte Easyjet eine junge Stewardess

Die Kündigung einer jungen Easyjet-Stewardess erregt in Großbritannien die Gemüter. Wegen eines vermeintlichen Bagatellvergehens verlor die 22-jährige Shannon Gleeson ihren Job - weshalb sich die Parteien nun vor dem Arbeitsgericht wiederfanden, wie englische Medien berichten.

Gleeson befand sich auf ihrem ersten Auslandsflug nach Amsterdam, als sie plötzlich großen Hunger bekam. Wegen einer Nussallergie habe sie nichts Geeignetes zu Essen gefunden. Als ihr Kabinenmanager ihr ein Bacon-Sandwich anbot, griff die Stewardess zu. Das Problem: Das Sandwich stammte aus dem Vorrat für die Passagiere, Gleeson hätte den Preis von 4,50 britischen Pfund (umgerechnet rund 5,12 Euro) bezahlen müssen.

Easyjet kennt kein Pardon

Weil sie weder bezahlte, noch sicherging, dass der Kollege dies übernommen hatte, kündigte Easyjet der Mitarbeiterin wegen groben Fehlverhaltens und Diebstahls. Auch der vorgesetzte Kollege, der ihr das Sandwich angeboten hatte, wurde gefeuert. Der Vorfall ereignete sich bereits Anfang 2015, vergangene Woche trafen sich die Parteien vor dem Arbeitsgericht in Cambridge wieder. Die Airline argumentierte, Gleeson hätte sich von ihrem Kollegen den Zahlungsbeleg für das Sandwich zeigen lassen müssen. Da sie dies nicht tat, habe sie gegen Konzernrichtlinien verstoßen.

Auch, dass sich die Stewardess später entschuldigte und anbot, die 4,50 Pfund nachträglich zu bezahlen, wollte Easyjet nicht akzeptieren. "Ich bin kein Dieb und als solcher wurde ich abgestempelt", sagte Gleeson, die zuvor drei Jahre für die Fluglinie gearbeitet hatte.

Ein englischer Fall Emmely

Der Richter schlug sich in der Verhandlung auf die Seite der Gefeuerten. Zwar gebe es keine Zweifel, dass Gleeson das Sandwich gegessen und nicht dafür bezahlt habe. Allerdings habe sie den Snack ja auch nicht selbst vom Wagen genommen. "Sie war nicht verantwortlich dafür, sicherzustellen, dass es bezahlt wurde."

Der Sandwich-Streit aus England erinnert an den Fall Emmely in Deutschland vor einigen Jahren. Der langjährigen Supermarktkassiererin war gekündigt worden, weil sie Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen hatte. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hatte die Kündigung schließlich 2010 für unverhältnismäßig und unwirksam erklärt.

Easyjet und die ehemalige Mitarbeiterin haben sich mittlerweile außergerichtlich geeinigt. Die Airline erklärte in einem Statement: "Easyjet hat die Angelegenheit mit Frau Gleeson beigelegt und kann nichts weiter dazu sagen, außer dass wir klare und unmissverständliche Regeln haben und die Ehrlichkeit unserer Mitarbeiter uns wirklich wichtig ist."

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