HOME

Erfolgsrezepte: Sechs Mal durchstarten mit Jürgen Klopp

Jürgen Klopp versteht nicht nur etwas von Fußball, er ist auch ein erstklassiger Motivator. Mit diesen sechs Regeln starten auch Sie durch.

Jürgen Klopp weiß, wie man in der Mannschaft alle Kräfte freisetzt.

Jürgen Klopp weiß, wie man in der Mannschaft alle Kräfte freisetzt.

Menschen motivieren, zu Höchstleistungen antreiben, zu Siegern machen – kaum jemand kann das besser als Jürgen Klopp. Weitere Regeln von Jürgen Klopp lesen Sie in der kompletten Geschichte auf www.redbulletin.com

 

1. Erfolg kommt immer von innen 

Was Jürgen Klopp antreibt, ist der maximale Erfolg. Das war von klein auf so. Dieser ureigene Antrieb imponiert Klopps Spielern. Bei jeder Trainingseinheit vermittelt er ihnen: Erfolg kommt von innen, vom eigenen Streben, nicht von außen. Jeder muss Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen. Und jeder muss sich dem gemeinsamen Ziel unterwerfen. "Wer sich auf seinen Job konzentriert und motiviert ist, den empfange ich mit offenen Armen", sagte Klopp nach seiner Ankunft in Liverpool. "Ungemütlich wird es für den, der nicht die richtige Einstellung mitbringt. Mit solchen Spielern zusammenzuarbeiten ist für mich verschwendete Zeit."

2. Wie gut du bist, zeigt sich an schlechten Tagen.

Leidenschaft, Gier, Wille –elementare Begriffe für Jürgen Klopp. "Einen guten Tag hat jeder mal. Aber an einem schlechten Tag musst du können. Dafür lebst du als Sportler, da musst du dich zur Wehr setzen." Gegen einen objektiv besseren Gegner zu bestehen, mit mehr Einsatz, mit mehr Leidenschaft, sei eine "wichtige Erfahrung für Herz und Kopf", sagt Klopp. "Denn in diesen Momenten verstehst du: Es geht auch ein bisschen mehr."

 

3: Nimm jeden Einzelnen als Einzelnen wahr

 Auch wenn die Anfangsmonate beim FC Liverpool "nicht nur voller Sonnenschein" waren, wie Klopp zugibt: Unübersehbar ist schon jetzt, wie sehr er die Mannschaft ganz für sich gewonnen hat. Das Mittel dazu sind lange Gespräche, in denen er alles über seine Spieler, ihre Hoffnungen und Ängste erfahren möchte. Dieses Wissen ermöglicht ihm dann, erfolgreich auf der Klaviatur der Kabinenpsychologie zu spielen, Takt und Ton werden dabei individuell zugeschnitten. Ein jüngerer Spieler wie Jordon Ibe bekommt nach einer herausragenden Partie zum Beispiel eine freundschaftliche Ohrfeige, um auf dem Boden zu bleiben. In Dortmund ging er einst persönlich in ein Autohaus, um einen teuren Wagen abzubestellen, den sich ein Jungprofi vom ersten Gehalt angeschafft hatte, obwohl er ihn sich gar nicht leisten konnte.

4: Lebe vor, was du von anderen verlangst 

Jürgen Klopps Dortmunder Heavy-Metal-Fußball wurde stilbildend in ganz Europa. Pressing war das große Modewort. Doch kaum eine Mannschaft lebte den Begriff sowie der BVB. Vor allem in Klopps Anfangsjahren in Dortmund rannten die Borussen wie die Hasen übers Feld und pressten mit sechs, sieben, acht Mann gleichzeitig. Es war ein Spektakel sondergleichen und nur möglich, weil seine Spieler eine regelrechte Lust für diese Art von Fußball entwickelt hatten. Der für dieses höchst komplexe, enorm kraftraubende System erforderliche Einsatz war eine Selbstverständlichkeit –weil Jürgen Klopp das Credo des "Alles-Raushauens" vorlebte. So wie er sich an der Seitenlinie zuweilen verausgabt, fordert er es auch von seinen Spielern ein.

5: Stecke erreichbare, nahe Ziele

 Als Klopp 2008 in Dortmund begann, lag der Klub am Boden. An die Meisterschaft dachte niemand. Diesen Geist griff Klopp auf und formulierte zunächst bescheidene Ziele. Der Fußball des BVB sollte wieder Spaß machen ("Mich interessiert, wenn es kracht, wenn es staubt, wenn gekämpft wird, wenn es Chancen gibt, wenn es die Leute von den Sitzen reißt") und die Malocher-Seele des Ruhrgebiets berühren. Die berühmten "Vollgas"-Veranstaltungen waren geboren. Von Spiel zu Spiel denken – auch das ist typisch Klopp. "Ein Skiläufer", sagte er, "reißt ja auch nicht nach dem ersten Tor die Hände jubelnd in die Höhe und schwingt ab." Der Fokus muss bei Klopp stets auf der nächsten Aufgabe liegen: nächstes Tor, nächster Schwung, nächster Spielzug, nächstes Spiel. Seine Mannschaft befolgte diesen Grundsatz in den ersten Jahren konsequent. Und plötzlich war man Meister, Doublesieger, Champions- League-Finalist. "Es gibt Menschen, die behaupten, wenn man große Ziele nicht deutlich formuliert, ist man auch nicht richtig ambitioniert. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie man Ziele erreicht", findet Klopp. "Es geht nicht darum, die elf besten Spieler zu finden, sondern die elf, die höchstwahrscheinlich gewinnen."

6: Fördere Stärken, statt Schwächen zu kritisieren.

Schwächen kritisieren – das macht Klopp allenfalls bei Journalisten, wenn ihm eine Frage nicht gefällt. "In welchem Ressort arbeiten Sie denn? Tierfilme?", blaffte er einmal einen WDR-Reporter an. Böse Worte über seine Spieler verliert er in der Öffentlichkeit dagegen nie. Klopps Credo: Man darf einem Spieler keinesfalls sagen, was er alles nicht kann. Sondern muss ihm zutrauen, sich zu verbessern und zu entwickeln. "Dann glaubt er zunächst mir und dann sich selbst." Klopp ist sich nicht zu schade, mit gestandenen Profis elementare Dinge wie die richtige Ballannahme hundertfach zu üben. Training bedeute Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Bei der Zusammenstellung einer Elf, so Klopp, gehe es nicht unbedingt darum, die elf Besten zu finden, "sondern die elf, mit denen die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen am höchsten ist". Die richtige Taktik, das lernte er als Spieler in Mainz in der zweiten Liga, kann dabei helfen, die eigenen Stärken herauszuheben und die Schwächen zu verstecken. Die von seinem damaligen Trainer und Mentor Wolfgang Frank (1995 bis 1997 und 1998 bis 2000 beim 1. FSV Mainz 05; Anm.) eingeführte Viererkette und Raumdeckung – in den späten neunziger Jahren noch einNovum im deutschen Fußball – half Mainz etwa, den Erfolg "zu einem gewissen Grad völlig unabhängig von unserem Können oder Nichtkönnen zu machen", erinnert er sich. "Bis dahin hatten wir gedacht, als Team mit schlechteren Einzelspielern als die meisten Gegner müssten wir zwangsläufig oft verlieren."


Die zehn Erfolgsregeln des Jürgen Klopp

Raphael Honigstein