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Gehaltsentwicklung: Deutschen Chefs geht's gut

Kein Konjunkturproblem in deutschen Chefetagen: Geschäftsführer verzeichneten 2004 eine Steigerung ihrer Gehälter von fast drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Geschäftsführer in Deutschland verdienen durchschnittlich 240.000 Euro im Jahr. Damit ist eine Steigerung der Managergehälter von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Gehaltsspanne bei den Top-Managern ist dabei außerordentlich groß: Sie reicht von weniger als 50.000 Euro bis über eine Million Euro Jahresgesamtgehalt. Und 11 Prozent der Geschäftsführer überschreiten in diesem Jahr die Schwelle von 500.000 Euro. Dies sind Ergebnisse der Studie "Vergütung Geschäftsführer 2004" von der Managementberatung Kienbaum, an der sich insgesamt 412 Unternehmen aller Größenklassen und Branchen beteiligten. "Die Unternehmensgröße übt nach wie vor den stärksten Einfluss auf die Gehaltshöhe aus", sagt Christian Näser, Projektleiter der Studie. "Je größer das Unternehmen, desto höher fallen die Bezüge der Geschäftsführer aus." Die Unternehmensgröße wird gemessen an Umsatz, Beschäftigtenzahl und Bilanzsumme.

Vergütungsfaktoren: Erfahrung und Bildung

Für die Höhe der Geschäftsführervergütung sind neben der Unternehmensgröße auch Lebensalter, Unternehmens- und Positionszugehörigkeit wichtige Faktoren. Die Unternehmen honorieren damit die im Laufe der Berufstätigkeit erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen. Während ein 55- bis 60-jähriger Geschäftsführer durchschnittlich 269.000 Euro verdient, erzielt sein 35- bis 40-jähriger Kollege lediglich 211.000 Euro. Bildung macht sich auch in der Chefetage bezahlt. Während ein Geschäftsführer mit Abschluss an einer technischen Fachhochschule durchschnittlich 213.000 Euro im Jahr verdient, wird ein Universitätsabsolvent mit 259.000 Euro vergütet.

Und Frauen sind nach wie vor selten in den Führungsetagen deutscher Unternehmen. Unter den 707 untersuchten Geschäftsführerpositionen der Studie waren lediglich 21 Frauen, also drei Prozent. In kleineren Unternehmen beträgt die Frauenquote allerdings überdurchschnittliche sechs Prozent.

Im Trend betriebliche Altersversorgung

Für 90 Prozent aller Geschäftsführer ist mittlerweile eine variable Vergütung vorgesehen – bei 83 Prozent der untersuchten Positionen kam diese im Jahr 2003 auch zum Tragen. Der variable Anteil des Gesamtgehalts liegt bei durchschnittlich knapp 30 Prozent. Die häufigste Bemessungsgrundlage ist der Unternehmensgewinn in seinen unterschiedlichen Ausprägungen.

Die betriebliche Altersversorgung (Altersrente, Invaliditätsrente, Hinterbliebenenversorgung) ist für Geschäftsführer die mit Abstand wichtigste - gleichzeitig für die Unternehmen die mit Abstand teuerste - Zusatzleistung. Grund ist, dass bei Geschäftsführern die gesetzliche Sozialversicherungsrente bei weitem nicht ausreicht, um nach der Pensionierung den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Die Unternehmen haben diese Notwendigkeit der betrieblichen Altersversorgung erkannt - 80 Prozent der Geschäftsführer erhalten diese Zusatzleistung.

Starke Gehaltsschwankungen bei Banken

Die Gehälter der leitenden Angestellten bei Banken stiegen 2004 um durchschnittlich drei Prozent (2003: 3,2 Prozent). Lediglich bei den öffentlich-rechtlichen Banken lagen die Gehälter über dem Mittelwert (3,9 Prozent). Durchschnittlich erzielte ein Manager der ersten Führungsebene unter dem Vorstand ein Jahresgesamtgehalt von 105.000 Euro; auf der zweiten Ebene 80.000 Euro. Die Spannbreite der Jahresgesamtbezüge ist allerdings hoch: Sie reichte von unter 40.000 Euro bis über 200.000 Euro. Dies sind Ergebnisse der Vergütungsstudie "Leitende Angestellte in Banken", ebenfalls von der Managementberatung Kienbaum durchgeführt.

An der Untersuchung beteiligten sich 112 Kreditinstitute, die Daten zu 1.961 Positionsinhabern meldeten. Ausschlaggebend für die Höhe der Vergütung waren neben der ausgeübten Funktion der Führungskraft, die Größe und die Bankart des Instituts. Deshalb wird in der Studie zwischen privaten Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken, öffentlich-rechtlichen Banken und Spezialbanken unterschieden. Die höchsten Gehälter wurden im Durchschnitt bei den Privatbanken erzielt, während Führungskräfte in den Genossenschaftsbanken am geringsten verdienten.

Die Größe der Bank ist einer der stärksten Bestimmungsfaktoren

Die Gehaltsstruktur von Führungskräften in Kreditinstituten wird durch eine Vielzahl von Einflussgrößen bestimmt. Die Größe der Bank ist einer der stärksten Bestimmungsfaktoren: So erzielte eine Führungskraft der zweiten Ebene in einer Geschäftsstelle mit einem Geschäftsvolumen bis 25 Millionen Euro ein Jahresgesamtgehalt von 49.000 Euro, wohingegen sein Kollege, der ein Geschäftsvolumen von über 500 Millionen Euro verwaltet, 102.000 Euro bezog. Zwischen der Berufserfahrung - insbesondere Führungserfahrung - und der Vergütungshöhe besteht ein direkter Zusammenhang. Führungskräfte bis 30 Jahren verdienen im Schnitt 63.000 Euro. Die Altersgruppe zwischen 55 und 60 Jahren erhält durchschnittlich 124.000 Euro.

Frauen sind mit etwa fünf Prozent auf der ersten Führungsebene und 11 Prozent auf der zweiten Führungsebene stark unterrepräsentiert. Hinzu tritt ein erhebliches Vergütungsgefälle. Weibliche Führungskräfte verdienen in vergleichbaren Unternehmen auf der ersten Ebene durchschnittlich 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen - auf der zweiten Ebene 18 Prozent.

Bildung macht sich bezahlt

Insgesamt 30 Prozent aller Führungskräfte in Banken haben eine Universität oder Fachhochschule absolviert. Unter den Führungskräften mit Hochschulabschluss dominieren mit 59 Prozent die Absolventen wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge. Einen nennenswerten Anteil bilden aber auch die Juristen mit 16 Prozent. Auffällig ist im genossenschaftlichen Bankensektor der sehr geringe Akademikeranteil und hohe Anteil von Bankkaufleuten. Aber Bildung macht sich auch in Banken bezahlt: Ein promovierter Manager der ersten Ebene erzielte ein Jahresgesamtgehalt von 141.000 Euro, während sein Kollege als Bankkaufmann lediglich 96.000 Euro erzielte.

Trend zur variablen Vergütung

Zusätzlich zum Festgehalt erhielten 2004 76 Prozent der Führungskräfte der ersten Ebene und 65 Prozent der zweiten Ebene einen variablen Gehaltsanteil. Dieser lag bei durchschnittlich 20.000 beziehungsweise 12.000 Euro. Für 62 Prozent der Führungskräfte hat sich die Höhe der variablen Vergütung 2003 gegenüber 2002 erhöht. 37 Prozent der Führungskräfte hatten dagegen weniger Erfolgsbeteiligung erhalten und 23 Prozent mussten Einbußen von mehr als 25 Prozent hinnehmen. "Der Trend zu variablen Vergütungssystemen auf der Basis von Zielvereinbarungen ist ungebrochen: Die Mehrheit der Banken praktiziert zumindest in den Marktbereichen für ihre Führungskräfte ein solches Zielbonussystem. Eine Ausweitung auf weitere Führungskräfte, vor allem aber in den Tarifbereich hinein, ist von insgesamt mehr als einem Drittel der Banken geplant. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Viele befinden sich schon in konkreten Umsetzungsprojekten", so Martin von Hören, Projektleiter der Studie.

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