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Geschlechter-Aufteilung: Kinder, Küche und Karriere

Noch immer leisten Frauen mehr unbezahlte Arbeit und wenden mehr Zeit für soziale Kontakte auf. Bei Männern hingegen stehen Beruf und Freizeitbeschäftigungen im Vordergrund.

Männer verbringen ihre Freizeit auf dem Fußball-Platz, in der Küche stehen dafür meist die Frauen. Das klingt nach 50er Jahre, ist nach der jüngsten "Zeitbudgeterhebung" des Statistischen Bundesamtes aber in vielen Fällen nach wie vor Realität. Wissenschaftler kamen zu dem Schluss: Auch im 21. Jahrhundert hat sich an der klassischen Geschlechter-Aufteilung nur wenig geändert.

Frauen sind zwar häufiger berufstätig, arbeiten deswegen aber kaum weniger im Haushalt als vor zehn Jahren. Die Männer bleiben im wesentlichen alten Trott, auch wenn sich ihr Zeitbudget im Haushalt leicht erhöht hat.

Bei Männern stehen Job und Freizeit im Vordergrund

"Von gerechter Aufteilung zwischen Mann und Frau kann keine Rede sein", stellte Martina Gille vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) fest. Noch immer leisteten die Frauen mehr unbezahlte Arbeit und wendeten mehr Zeit für soziale Kontakte auf. Bei den Männern hingegen stünden Beruf und Freizeitbeschäftigungen wie Sport im Vordergrund. "Sie verbringen ihre freie Zeit eher auf dem Fußballplatz, als dass sie sich um den Haushalt kümmern", erklärte Brigitte Sellach von der Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Frauenforschung (Frankfurt).

Mehr als 12.000 Menschen in rund 5.400 Haushalten hatte das Bundesamt in den Jahren 2001 und 2002 für die Studie zu ihrem Tageslauf befragt. Eine ähnliche Studie gab es vor zehn Jahren. "Heute ist bei 38 Prozent der Familien in den alten Bundesländern der Mann Alleinverdiener, bei der Erhebung 1991/92 waren es noch 50 Prozent", sagte Gille. Gleichzeitig erhöhte sich die Erwerbstätigkeitsquote von Müttern von 40 Prozent auf 61 Prozent. Trotzdem übernähmen die Frauen die meisten Aufgaben im Haushalt und bei der Kindererziehung.

Tendenzen zur Annäherung zwischen den Geschlechtern sind nur in Ansätzen zu erkennen

Die Männer lassen sich nach den Ergebnissen selbst von ihrem eigenen Nachwuchs in ihrem Tagesablauf kaum beeinflussen. "Lediglich bei Kindern unter drei Jahren unterstützen Männer ihre Frauen bei Erziehung und Hausarbeit etwas mehr", berichtete Gille. Danach lasse das allerdings wieder nach. "Wahrscheinlich kümmern sich die Männer zu dem Zeitpunkt wieder mehr um ihre Karriere", interpretierte die Wissenschaftlerin die Zahlen.

Tendenzen zur Annäherung zwischen den Geschlechtern sind nur in Ansätzen zu erkennen: Vor zehn Jahren waren die Frauen durchschnittlich noch vier Stunden und sieben Minuten am Tag im Haushalt beschäftigt, jetzt sind es 21 Minuten weniger. Die Männer haben dagegen leicht von eindreiviertel auf zwei Stunden zugelegt. Allerdings halten sie sich beim Kochen, Waschen und Bügeln nach wie vor stark zurück. Dafür gehen sie den Erkenntnissen der Statistiker zufolge häufiger Einkaufen als noch vor zehn Jahren. Dabei wurden jedoch nicht nur Alltagsartikel wie Milch, Toilettenpapier und Kaffee, sondern auch der bei Männern meist beliebte Gang in den Elektromarkt erfasst.

Britta Schmeis, dpa

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