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Gesetz für transparente Gehälter: Fünf Gründe, warum der Lohn der Kollegen nicht geheim sein sollte

Geht es nach Familienministerin Manuela Schwesig wissen wir bald alle, was unsere Kollegen verdienen. Schürt so viel Offenheit Neid und Missgunst, oder ist das eine gute Idee?

Von Daniel Bakir

Lohn-Transparenz schafft Neid und Missgunst - wollen uns zumindest die Arbeitgeber weismachen

Lohn-Transparenz schafft Neid und Missgunst - wollen uns zumindest die Arbeitgeber weismachen

Über Geld spricht man nicht in deutschen Unternehmen - zumindest nicht besonders gerne. Laut einer Studie des Gehaltsportals Glassdoor fühlt sich weniger als jeder Dritte wohl dabei, über sein Gehalt zu sprechen. Franzosen und Briten hatten in der Umfrage damit viel weniger Probleme. Familienministerin Manuela Schwesig will nun hierzulande per Gesetz mehr Lohn-Transparenz erreichen. Das Ziel: Möglichst viele Angestellte sollen sich darüber informieren können, was die Kollegen verdienen.

Noch ist der Gesetzentwurf nicht eingereicht, aber Wirtschaftsverbände und Unions-Politiker machen schon ordentlich Stimmung dagegen. Sie warnen vor einem "Klima des Misstrauens" und sehen den Betriebsfrieden in Gefahr. Dabei wäre das Gegenteil der Fall. Fünf Gründe, warum uns mehr Transparenz bei Gehältern gut tun würde.

1. Niemand muss mehr seine Kollegen ausfragen

Übers Gehalt wird zwar nicht gern gesprochen, trotzdem wollen Mitarbeiter natürlich gerne wissen, welches Gehalt für ihre Arbeit angemessen ist. Wer nicht auf anonyme Angaben bei Gehaltsvergleichsportalen vertrauen will, muss wohl oder übel die Kollegen ausquetschen. Das kann viel eher zu Unfrieden führen als das geplante Gesetz. Das soll nämlich eine generelle Transparenzkultur etablieren: "Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen, aber es wird möglich sein zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist", sagte Schwesig der DPA.

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2. Leistung wird honoriert

Derzeit bekommt nicht derjenige das meiste Geld, der am meisten leistet, sondern der am geschicktesten verhandeln kann. Das mag in einzelnen Fällen übereinstimmen, in den meisten Jobs ist es aber schlicht unfair. Mehr Transparenz schafft hier mehr Fairness: Denn die beiden Parteien können nun auf einer objektiven Grundlage verhandeln. So viel Ehrlichkeit gefährdet den Betriebsfrieden bestimmt nicht.

3. Die Equal-Pay-Debatte kommt voran

Erklärtes Ziel der Familienministerin ist es, mit dem Gesetz die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern zu bekämpfen. Mehr Gehaltstransparenz kann Frauen helfen, auf eine im Vergleich mit männlichen Kollegen faire Vergütung zu pochen. Sie kann aber auch umgekehrt aufzeigen, warum Gehaltsunterschiede möglicherweise gerechtfertigt sind. So wäre im besten Fall beiden Seiten geholfen, weil sich die Diskussion auf mehr belastbare Fakten und weniger auf Vermutungen stützt.

4. In anderen Ländern geht es auch

Man muss noch nicht einmal bis in die USA gucken, wo man traditionell viel offener über Geld spricht. Auch in anderen europäischen Ländern ist man weniger verkrampft. In der oben erwähnten Glassdoor-Umfrage gaben 63 Prozent der Franzosen und 42 Prozent der Briten an, sie hätten kein Problem damit über ihr Gehalt zu sprechen - in Deutschland waren es nur 28 Prozent. Am transparentesten ist wohl Schweden: Dort kann man sogar Einsicht in die Gehälter einzelner Personen aus anderen Unternehmen nehmen. So weit soll das für Deutschland geplante Gesetz ja gar nicht gehen.

5. Viele Gehälter sind sowieso schon öffentlich

In vielen Jobs sind die Gehälter sowieso nicht so ein riesiges Geheimnis. Für viele Branchen gibt es Flächentarifverträge, Beamte werden streng nach Besoldungstabellen bezahlt. Und die Gehälter der Dax-Chefs sind auch öffentlich. Der Debatte um gerechte Bezahlung haben die bislang bekannten Zahlen genutzt und nicht geschadet. Wenn wir damit umgehen können, wie viele Millionen die Top-Manager verdienen, können wir es sicher auch ertragen, zu wissen was die Kollegen bekommen.

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