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Gesundheit: Arbeitslosigkeit fördert Suchtprobleme

Arbeitslose haben ein deutlich höheres Risiko für Alkohol- oder Drogenanhängigkeit als Berufstätige. Nach vorsichtigen Experten-Schätzungen sollen etwa 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen Suchtprobleme haben.

Arbeitslose haben ein deutlich höheres Risiko für Alkohol- oder Drogenanhängigkeit als Berufstätige. Zu diesem Ergebnis kommt der Fachverband Sucht. Auf seinem 17. Bundeskongress in Heidelberg beschäftigen sich 450 Wissenschaftler mit neuen Perspektiven für Abhängige. Dabei geht es vor allem um Konzepte zur Verknüpfung von Sucht-Therapien und Arbeitsvermittlung. Nach vorsichtigen Experten-Schätzungen sollen etwa 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen Suchtprobleme haben.

Arbeitslose Alkoholiker greifen nach einer Entziehungskur eher wieder zur Flasche als Erwerbstätige. Dies ergab eine Erhebung des Fachverbands Sucht über Menschen mit abgeschlossener Therapie. Demnach liegt die Rückfallquote von Arbeitslosen nach einem Jahr bei 55 Prozent, die von Erwerbstätigen dagegen nur bei rund 25 Prozent. Fast jeder zweite Langzeitarbeitslose habe Suchtprobleme, sagte der Geschäftsführer des Fachverbands, Volker Weissinger. Zum Auftakt des 17. Bundeskongresses seiner Organisation in Heidelberg forderte er eine bessere Vernetzung von Wiedereingliederungsangeboten für Suchtkranke.

Bundesagentur für Arbeit ist gefragt

Vor allem die Bundesagentur für Arbeit müsse sich verstärkt diesem Thema widmen, sagte Weissinger. Alkoholabhängige suchten im Durchschnitt erst nach 11 bis 15 Jahren eine professionelle Betreuung auf. Durch Alkohol- und Drogenkonsum entstünden den Sozialkassen jährliche Kosten von mindestens 30 Milliarden Euro.

"Schon deshalb wird deutlich, dass sich Rehabilitationsmaßnahmen wirklich lohnen", sagte Weissinger. "Im Durchschnitt kostet eine Behandlung eines Alkoholabhängigen mit fast 50-prozentiger Heilungschance 11.000 Euro. Eine Frühverrentung ist dagegen sehr teuer und ist nicht im Interesse der Rentenversicherung und besonders der Abhängigen."