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Gründung: Konkurrenz senkt Lebensdauer von Jungunternehmen

Die Förderung von Firmengründungen hat nur geringe Arbeitsmarkteffekte, so die Meinung von Wissenschaftlern. Mehr Gründungen führten zu einer geringeren Überlebensquote der Betriebe.

Die Förderung von Firmengründungen hat nach Einschätzung von Wissenschaftlern aus Bonn und Freiberg nur geringe Arbeitsmarkteffekte. Eine Studie zeige, dass mehr Unternehmensgründungen zu einer geringeren Überlebensquote führten, berichtete die Bonner Universität. "Bisherige Erfahrungen zeigen: Je mehr Unternehmen gegründet werden, desto größer die Konkurrenz, und desto weniger von ihnen überleben", erklärte der Geographieprofessor Reinhold Grotz.

Förderung bei Bedarf

Nach der Untersuchung von Grotz und seien Mitarbeitern erlebt nur noch jeder zweite neu gegründete Betrieb seinen fünften Geburtstag. "Zwar ist eine hohe regionale Gründungsrate ohne Einschränkungen als positiv zu bewerten. Die Förderung von Betrieben, die bereits nach wenigen Jahren ihre Tätigkeit einstellen müssen, ist aber sicherlich weder sinnvoll noch effektiv", meinte der Wissenschaftler. Mehr Erfolg bei der Maximierung der Überlebensrate als eine Förderung nach dem Gießkannenprinzip versprächen regionale Programme, die auch die Marktsituation in den unterschiedlichen Branchen berücksichtigten. Gefördert werden solle gezielt, wo Bedarf bestehe.

"Gründungsboom Ost" endgültig vorbei

Besorgnis erregend ist nach Einschätzung der Forscher die Situation in den ostdeutschen Bundesländern. Im Jahr 2000 sei dort die Gründungsrate erstmalig seit 1991 unter Westniveau gesunken. "Für die ostdeutsche Wirtschaft ist das prekär", betont die Mitautorin der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie, Anne Otto. "Junge Betriebe sind für die neuen Länder als Jobmotor von herausragender Bedeutung."

Die Studie belege das eindrucksvoll: Die zwischen 1998 und 2002 im Osten gegründeten Betriebe beschäftigten im Jahr 2002 zusammen 585.000 Arbeitnehmer - das seien elf Prozent aller in Ostdeutschland Beschäftigten. Im Westen brachten die Jungunternehmen im gleichen Zeitraum 1,97 Millionen Arbeitnehmer (neun Prozent aller dort Beschäftigten) in Lohn und Brot. Den größten Beitrag leisteten unternehmensnahe Dienstleister wie Beratungsunternehmen, Ingenieurbüros, Marketingagenturen oder Firmen im Bereich Forschung und Entwicklung.

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