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FAN FICTION: Leben nach dem Serientod

»Wo das Drehbuch endet, fangen wir an«, ist das Motto der Autoren von »Fan Fiction«. Schreibfreudige Anhänger von TV-Serien wie »Akte X« erzählen im Internet eigene Geschichten ihrer Helden.

Die Lebensdauer vieler Fernsehserien ist endlich. Die Fans aber bleiben - viele Serien avancieren zum Kult, auch wenn sie seit Jahren nur noch in Wiederholungen über die Bildschirme flimmern. Im Internet hat sich eine eigene Gemeinde gebildet, die die Serien weiterspinnt und den Helden ein Leben nach dem Serientod ermöglicht. »Ich habe die Geschichten anderer gelesen und darüber nachgedacht, welche Geschichte ich gern mit den Charakteren sehen würde«, sagt die 36-jährige Amerikanerin Donnie, die seit einigen Jahren zu der einige Tausend Autoren umfassenden Gemeinde der Fan-Fiction-Schreiber gehört. (In der »Fotostrecke« sehen Sie eine Übersicht internationaler und deutschsprachiger Websites mit Fan Fiction.)

Scully und Mulder haben es Donnie angetan

Die Schreiber dieser literarischen Fan-Werke haben sich vieler verschiedener Fernsehserien angenommen. Donnie haben es die Hauptpersonen der inzwischen eingestellten Mystery-Serie »Akte X« besonders angetan. »Es gibt Grenzen im Fernsehen, aber wenn man selbst schreibt, eröffnet sich ein Reich neuer Möglichkeiten, die es so im Fernsehen nicht gibt«, erläutert die Autorin, die für eine Firma arbeitet, die elektronische Bauteile herstellt. Die Charaktere der FBI-Agenten Mulder und Scully, die neun Serienjahre lang unerklärliche Phänomene untersuchten und Außerirdische jagten, findet sie besonders faszinierend.

In den Druck werden es die Werke wohl nie schaffen

»Sie haben so viele Ebenen, und aus den Serien sind sie gute Bekannte - daraus können so viele Geschichten entstehen.« Inzwischen hat sie rund 75 Werke ins Netz gestellt - von kurzen Geschichten, die rund zehn Seiten umfassen bis zu ganzen Romanen von rund 100 bis 150 Seiten. Als Textdateien: 26 bis 240 Kilobyte. Als gedruckte Bücher werden die Werke wohl nie erscheinen. »Die Produktionsgesellschaft und der Produzent haben die Rechte an den Personen«, erklärt Donnie. Und weil in Amerika der Diebstahl geistigen Eigentums viel strenger geregelt ist, weisen alle Autoren ausführlich zu Beginn einer jeden Geschichte darauf hin, dass sie die Personen nicht erdacht haben.

»Fluff«, was übersetzt so viel wie Flaum oder Fluse bedeutet, nennen die Autoren mit einem Augenzwinkern ihre trivialen Liebesgeschichten. Viele von ihnen versuchen sich auch an geplotteten, langen Geschichten, die einen fiktiven FBI-Fall und die zugehörige Ermittlung in den Mittelpunkt stellen. Genauso wie im Kino oder in den amerikanischen Programmübersichten sind die Fan Fictions für Altersgruppen eingeteilt - G steht für keine Altersbegrenzung, PG für »Parental Guidance«, also die Empfehlung, mit einem Erwachsenen die Show anzusehen oder die Geschichte zu lesen. Die häufigsten Kategorien sind allerdings PG-13, die Freigabe ab 13 Jahren, R für »Restricted« und NC-17, frei ab 17 - diese Beschränkungen beziehen sich auf Sex, Gewalt oder deftige Sprache. Donnie schreibt in der letzten Kategorie und hat dafür eine ganz einfache Begründung: »Im richtigen Leben entwickeln sich Menschen. Und, ja, sie haben Sex.«

Fans in der ganzen Welt

Durch die Schreiberei hat die 36-Jährige virtuelle Freunde in aller Welt gefunden. »Ich bekomme E-Mails aus Argentinien, Spanien, Australien und Chile. Und eine der größten Fangemeinden sitzt in Deutschland.« Die Serie, so meint sie, sei zwar zu Ende gegangen, doch gebe es noch endlos Geschichten zu erzählen. »Ich schreibe so lange Fan Fiction, wie es Leser dafür gibt.«

Verena Wolff, dpa

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