In der Küche läuft der Wasserkocher, im Bad brummt der Föhn, im Wohnzimmer lädt das Handy neben dem Laptop. Der Router blinkt ohnehin rund um die Uhr, der Kühlschrank läuft im Hintergrund weiter. Noch bevor der erste Kaffee durchgelaufen ist, ziehen in der Wohnung mehrere Geräte Strom. Solange alles funktioniert, denkt kaum jemand darüber nach, wie viel Energie schon morgens durch die Wohnung fließt.
Für sich genommen fällt keines dieser Geräte groß ins Gewicht. Zusammen prägen sie aber den Stromverbrauch eines Haushalts. Aus ein paar Minuten Licht und Geräten im Dauerbetrieb werden Kosten, die viele erst mit der Jahresabrechnung genauer ansehen. Wer bisher nur Steckerleisten, Stand-by-Verbrauch oder alte Elektrogeräte prüfen konnte, bekommt inzwischen eine weitere Möglichkeit.
Die Rede ist von einem Balkonkraftwerk: Es macht aus Sonne am Balkongeländer nutzbaren Strom für den eigenen Haushalt. Die Anlage läuft, während Sie kochen, arbeiten oder die Waschmaschine starten. Der Reiz liegt gerade in dieser Einfachheit: Ein Teil des Stroms entsteht dort, wo Sie ihn verbrauchen.
Balkonkraftwerk: Das ist beim Kauf zu beachten
Ein Balkonkraftwerk ist im Kern eine kleine Photovoltaikanlage für Wohnung oder Haus. Es besteht aus Solarmodulen, Wechselrichter, Kabeln, Befestigung und Anschlussleitung. Die Module erzeugen Gleichstrom, der Wechselrichter wandelt ihn in Wechselstrom um.
Viele Sets nutzen Glasmodule, weil sie auf wenig Fläche viel Ertrag liefern. Wo Gewicht und Befestigung am Balkon wichtiger sind, können flexible Kunststoffmodule die passendere Lösung sein. Gerade auf kleinen Stadtbalkonen geht es deshalb nicht nur um möglichst viel Leistung, sondern um die richtige Kombination aus Modulart, Größe und Montage. Oft reicht dafür ein kompaktes Set mit zwei Modulen aus. Ist die Modulfrage geklärt, geht es an die Befestigung. Die Module brauchen festen Halt und zugleich genug Sonne. Mit einer passenden Halterung lässt sich die Anlage am Geländer befestigen und bei Bedarf wieder entfernen.
Ist der Platz gefunden, stellt sich die nächste Frage: Wann wird der erzeugte Strom zu Hause gebraucht? Ein Balkonkraftwerk arbeitet am stärksten, wenn Erzeugung und Verbrauch zusammenfallen. Läuft tagsüber ohnehin einiges im Haushalt, nutzen Sie mehr vom erzeugten Strom direkt selbst. Möchten Sie den Strom vom Nachmittag erst abends nutzen, brauchen Sie dafür einen Speicher. Der lohnt sich vor allem, wenn Sie regelmäßig mehr Solarstrom erzeugen, als Sie tagsüber verbrauchen. Einen Nachteil hat das allerdings: Ein Speicher macht die Anlage deutlich teurer.
Balkonkraftwerk anschließen: Der Weg vom Modul zur Steckdose
Nach Planung und Montage folgt der Stromweg. Die Module werden mit meist mitgelieferten Solarkabeln an den Wechselrichter angeschlossen. Liegt der Wechselrichter nicht direkt neben den Modulen, brauchen Sie passende Verlängerungen mit wetterfesten Steckverbindern. Anschließend verbindet das Anschlusskabel den Wechselrichter mit einer geeigneten Steckdose. Ab diesem Moment speist die Anlage in den Wohnungsstromkreis ein.
Im Wohnungsstromkreis wird der Solarstrom zuerst dort genutzt, wo gerade Bedarf entsteht. Das kann der Kühlschrank sein, der Router, ein Ladegerät oder die Waschmaschine. Reicht die Leistung nicht aus, kommt der Rest aus dem öffentlichen Netz. Bei einer Anlage ohne Speicher geht der Überschuss ins Netz, sobald weniger Strom gebraucht wird, als die Module liefern.
Viele Wechselrichter auf dem Markt bieten inzwischen eine App-Anbindung an, sodass Sie auf dem Smartphone mit wenigen Handgriffen überprüfen können, wie viel Leistung Ihre Solaranlage auf dem Balkon bringt. Gehört der Wechselrichter zur älteren Generation, hilft ein Messadapter. So sehen Sie, ob Sie die Waschmaschine, den Geschirrspüler und andere energiehungrige Geräte in sonnigen Stunden laufen lassen sollten.
Besonders wichtig: Beim Anschluss endet die Selbstmontage dort, wo die Elektroinstallation unklar wird. Das gilt etwa, wenn Leitungen alt sind, Steckdosen warm werden oder Sicherungen nicht eindeutig beschriftet sind.
Balkonkraftwerk: Diese Regeln gelten derzeit
Doch so einfach die Installation eines Balkonkraftwerks wirkt: Ganz ohne Regeln geht es nicht. Entscheidend sind zunächst Leistung und Anschluss. In Deutschland gelten für steckerfertige Solargeräte maximal 800 Watt Ausgangsleistung des Wechselrichters und bis zu 2.000 Watt installierte Modulleistung.
Beim Anschluss über eine Haushaltssteckdose darf diese Modulleistung nach Produktnorm höchstens 960 Watt betragen. Außerdem muss das Gerät die geforderten Schutzanforderungen erfüllen. Für höhere Modulleistungen bis 2.000 Watt kommt ausschließlich der spezielle Wieland-Einspeisesteckdose infrage, die nur von einem Fachmann installiert werden darf.
Neben der Technik zählt die Frage, ob die Anlage so angebracht werden darf, wie Sie es planen. In Mietwohnungen oder Eigentümergemeinschaften ist ein Balkonkraftwerk heute leichter durchsetzbar, weil Steckersolargeräte rechtlich zu den sogenannten privilegierten Maßnahmen zählen. Vermieter oder Eigentümergemeinschaften können ein Balkonkraftwerk deshalb nicht mehr pauschal ablehnen.
Die konkrete Ausführung bleibt trotzdem wichtig: Klären Sie vor dem Anbringen, ob die Anlage die Außenansicht verändert, wie sie gegen Wind und Absturz gesichert wird und ob sie sich später wieder sauber entfernen lässt. Bohrungen in Fassade, Abdichtung oder tragende Bauteile brauchen weiterhin eine ausdrückliche Erlaubnis.
Balkonkraftwerk anmelden nicht vergessen
Wenn Leistung, Anschluss und Montage geklärt sind, bleibt noch die Anmeldung. Sie registrieren das Balkonkraftwerk im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Bei den genannten Leistungsgrenzen ist eine zusätzliche Meldung beim Netzbetreiber nicht nötig, solange Sie keine Einspeisevergütung beantragen. Dafür haben Sie nach der Inbetriebnahme einen Monat Zeit.
Sind diese Punkte erledigt, rückt wieder das in den Vordergrund, worum es eigentlich geht: Strom vom eigenen Balkon. Der macht den Haushalt zwar nicht vollständig unabhängig vom Netz, kann den Verbrauch aus der Steckdose aber spürbar senken.