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Gehalt: Hartz-IV trotz Vollzeitjob: Wenn Arbeit zu Armut führt

Hartz-IV wird häufig als Synonym für Langzeitarbeitslosigkeit gebraucht - ein Riesenfehler. Denn immerhin 200.000 Menschen mit Vollzeitjobs bekommen zusätzlich staatliche Hilfe. Der Lohn ist so gering, dass sie zu "Hartzern" werden.

Geringverdiener in Deutschland

Hartz-IV trotz Vollzeitjob: Rund 200.000 Menschen haben eine volle Stelle und müssen dennoch Sozialleistungen beziehen.

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Die Internet-Foren sind voll: Menschen, die als Leiharbeiter schuften, und trotzdem nur rund 1600 Euro bekommen. Oder Frauen, die als Reinigungskraft zwar den erhalten, aber dennoch kaum von ihrem Einkommen leben können. Sie alle suchen auf verschiedenen Plattformen Hilfe um aufzustocken. Obwohl sie eine Vollzeitstelle haben, reicht der Lohn nicht zum Leben. Arm trotz Arbeit - eine Realität in Deutschland.

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland verdienen mit ihrem weniger als 2000 Euro brutto im Monat. Rein statistisch gesehen, verdient somit fast jeder fünfte Arbeitnehmer so wenig. Im Osten der Republik sieht es noch finsterer aus: Dort bekommen mehr als 31 Prozent der Vollzeitarbeitnehmer weniger als 2000 Euro - Steuern und Sozialbeiträge werden davon noch abgezogen.

Jeder fünfte Vollzeit-Arbeitnehmer bekommt Hartz IV

Doch es geht noch schlimmer: Vollzeit arbeiten und dennoch den Stempel " " aufgedrückt bekommen. 371.000 Menschen sind abhängig beschäftigt und gleichzeitig beziehen sie Hartz IV. Ein Drittel von ihnen arbeitet nicht Vollzeit, sondern hat nur einen Minijob. Klar, dass hier aufgestockt werden muss. Doch rund 205.000 Arbeitnehmer arbeiten in Vollzeit und bekommen trotzdem Hartz IV vom Staat. Das gilt für diejenigen, die trotz Arbeit ihre Familien nicht finanziell versorgen können. Die Grenze liegt bei einem Paar mit zwei Kindern bei derzeit 1300 Euro plus einem Wohngeldzuschuss von 644 Euro. 

Wie kann das sein? Vollzeit arbeiten und doch nicht genug zum Leben haben? Genau das sollte eigentlich die Einführung des Mindestlohns ändern. Eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage von Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst aus dem vergangenen Sommer zeigt: Der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde reicht bei einer Vollzeitstelle in 44 von 101 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland nicht zum Leben. Das liegt an den unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten. Vor allem die Mieten in Städten wie München, Stuttgart oder auch Bonn sind so hoch, dass der Mindestlohn kaum ausreicht, um sich eine Wohnung dort leisten zu können. Hier muss der Staat einspringen - oder aber der Partner muss besser verdienen. Das erklärt auch, warum deutschlandweit eine Gruppe besonders von der "Hartz IV trotz voller Stelle"-Problematik betroffen ist: Alleinerziehende mit einem oder gar mehreren Kindern unter sechs Jahren sind flächendeckend auf staatliche Hilfen angewiesen.

Mindestlohn erhöhen

Die Rechnung fußt auf einem Brutto-Gehalt von 1444 Euro pro Monat. Nach Verrechnung von Steuern, Abgaben, Freibeträgen und Lebenshaltungskosten bleiben 339 Euro für die Kosten von Wohnung und Heizung übrig - doch bei Alleinerziehenden mit Kind liegen die anerkannten Wohnkosten höher. "Wer für Mindestlohn Vollzeit arbeitet, kann aus eigener Arbeit die grundlegendsten Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf nicht bezahlen", so Klaus Ernst (Die Linke). 

Experten von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommen zu dem Schluss, dass der Mindestlohn sich seit der Einführung 2015 zwar bewährt hat. Doch sie fordern eine Erhöhung, so dass der Mindestlohn zumindest kurzfristig stärker steige als der Tariflohn. Deutschland liegt in Europa bislang nur im Mittelfeld. So bekommen Arbeitnehmer in  Luxemburg  mindestens 11,55 Euro und in Frankreich 9,88 Euro die Stunde. 

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kg